Dienstag, 30. Juni 2026

Das erste Fussballspiel mit Eintritt

 Ich habe ja schon einige Blogbeiträge über die Vienna und ihr divenhaftes Auftreten in der Fussballurzeit bzw. vor dem Zweiten Weltkrieg verfasst. Eine weitere Schnurre ist, dass das erste Fussballspiel in Österreich, in welchem Eintritt verlangt wurde von der Vienna gespielt wurde. Und weils so lustig ist, möchte ich Euch noch mitteilen, dass das Spiel am 1. April 1897 stattfand. Jetzt dürfts grinsen. 

Im „Neuen Wiener Tagblatt“ findet man in der Sportrubrik die Mitteilung, dass der „First Vienna Football Club“ und der „Vienna Cricket und Football Club“ auf der alten Hohen Warte, damals auch Kreindlwiese genannt, am Sonntag, den 4. April 1897 die Wiener Meisterschaft auspielen will. Dabei gab es zwei Novitäten in Österreich: Erstens spielten beide Mannschaften hintereinander um diese Meisterschaft, zweitens verlangte der „First Vienna Football Club“ als erster österreichischer Verein ein Eintrittsgeld von 20 Kreuzern (oder 40 Heller, damals wurde gerade die Währung umgestellt). Wieviele Menschen den Spielen zusahen, ist nicht überliefert, die Ergebnisse allerdings schon: beide Spiele wurden vom „Vienna Cricket and Football Club“ mit jeweils 1-0 gewonnen, womit – laut „Neuem Wiener Tagblatt“ die Frage, „was für ein Club in Wien der beste ist“, beantwortet wurde.






Montag, 29. Juni 2026

Meisterschaft der 1. Klasse

 Die Tabelle der Herbstmeisterschaft war die letzte, die noch in der kuk Monarchie entstanden ist. Danach war Schluss: Die Frühjahrsmeisterschaft wurde schon unter den Fahnen der demokratischen Republik "Deutschösterreich" durchgeführt:





Sportlertreffs

 

Das Cafe Lovrana im 3. Bezirk, Löwengasse 36 war nach dem Krieg ein beliebter Sporttreffpunkt. Einige Vereine hielten dort Sitzungen ab oder besprachen Turniere. Das Cafe – benannt nach einem beliebten Badeort an der Adria – gibt es leider schon lange nicht mehr, die jüdischen Besitzer Anna, Hertha und Josef Schwimmer wurden 1942 ins Ghetto nach Riga deportiert und starben dort. Lustigerweise ist heute ein Anitquariat dort ansässig.

 



Um den Sportplatzmangel – viele Sportplätze waren noch im Bau oder Planung – etwas abzuhelfen, überließen einige erstklassige bzw. platzbesitzende Vereine ihr Territorium den unterklassigen Vereinen. Interessanterweise waren bei diesen Vereinen weder der Sportclub noch die Amateure (Austria) dabei, ebenso fehlten Vereine wie Cricketer und Wacker.



Der FAVAC nimmt seinen Spielbetrieb wieder auf

 


Anfang Jänner 1919 vermeldete der NoeFV ganz stolz die Wiederaufnahme des Spielbetriebes durch die unterklassigen Mannschaften. Endlich waren die meisten Männer wieder da – soferne sie überlebt haben – und so konnten die Vereine, so sie einen Platz zum Spielen fanden wieder dem runden Leder nachjagen.


Der älteste, mir bekannte Zeitungsausschnitt nach dem Ersten Weltkrieg war jener vom 23. März 1919, wo ein Spiel zwischen dem Rennweger SV und dem Favoritner AC beschrieben wird, den die Rennweger mit 7-1 gewannen. Falls es noch ältere Berichte gibt werde ich sie natürlich ergänzen.



Analoges Internet von seinerzeit

 

Freundschaftsspiele sind etwas Tolles und gehören in die Zeitung. Im Frühling 1919 fand man im Illustrierten Sportblatt einen trockenen Zweizeiler: Hakoah – NAC 3-1, Schiri von den Zuschauern vermöbelt. Schöner geschrieben, aber inhaltlich dasselbe. Ich stell mir grad vor, wie das heute geschrieben worden wäre. Dritter Weltkrieg – mindestens.

 


Der WAC besaß nach dem Krieg das einzige länderspieltaugliche Stadion. Die (neue) Hohe Warte war noch nicht gebaut (bis dahin vergehen noch zwei Jahre) und die anderen Fussballplätze waren durch die Dauernutzung unbespielbar. Also „musste“ man am WAC Platz das Spiel gegen Ungarn abhalten. Nur – der WAC stellte in dem Wissen, dass es keine Alternative gibt, ziemlich hohe Forderungen an den Verband. Der lehnte ab und so gab es kein Länderspiel.

 


Der Krieg war kaum vorbei, als man sich schon wieder mit dem Gedanken an Olympische Spiele trug. Am besten irgendwo, wo es symbolträchtig ist. Die neutralen Staaten wollten logischerweise ein neutrales Land (Schweden bot sich an), während die Franzosen die Olympiade 1920 unbedingt in Lyon austragen wollte, wo tausende deutsche Kriegsgefangene ein Stadion für 40.000 Zuschauer bauten. Einfach, um noch einmal zu zeigen, wer die Sieger sind. Schlußendlich fanden sie in Antwerpen statt und Lyon blieb auf seinem Stadion „sitzen“. Die Franzosen waren nicht amüsiert. In Antwerpen wurden die 1913 von Pierre de Coubertin erfundenen 5 Ringe erstmals präsentiert. Die fünf Kriegsverlierer Deutschland, Österreich, Ungarn, Bulgarien und das Osmanische Reich durften nicht mitmachen.



Sonntag, 28. Juni 2026

Sportplätze Teil 2

 In der Wintersitzung des NoeFV im Jänner 1919 befasste sich auch der Verband mit der Sportplatzfrage. Und da wird es wieder ein bisserl interessant für den Favoritner AC, der seinen Platz ja 1915 ans Militär verlor. Der NoeFV beschloss in dieser Sitzung, alles dranzusetzen, die Plätze, die im Krieg ans Militär oder sonstigen öffentlichen Einrichtungen verloren wurden, wieder zurückzubekommen. Wie die Geschichte allerdings berichtet nicht besonders erfolgreich. Der Favoritner AC (und einige andere Vereine) bekamen die Plätze von der Stadt Wien nicht mehr zurück. Da waren die neuen demokratischen Machthaber genauso taub wie die alten kaiserlichen. Kakanien war immer noch in den Beamten und Politikern drinnen.


Sportplätze Teil 1

 Der (erste) Weltkrieg war zu Ende und man schaute sportlich wieder nach vorne. Oder versuchte es zumindest. Manchmal gab es auch herbe Rückschläge, weil die Not der Bevölkerung größer war als der Wunsch, wieder Fussball zu spielen. So wurden im Winter 1919 alle Holzteile wie Planken, Torstangen, Begrenzungsstangen vom Schwechater Fussballplatz entwendet. Ist nur halblustig aber sehr lustig geschrieben.


Viel ernster nahm man es in der Frage von (neuen) Sportplätzen in Wien. Nachdem im Jänner 1919 - ich habe es in meinem Blog schon geschrieben - eine Versammlung der Sportvereine zur Errichtung eines neuen Wiener Stadions stattgefunden hat versuchte man, die vorhandenen freien Flächen, die vor 1900 im Prater und im Inundationsgebiet (Überschwemmungsgebiet) und auf der Schmelz als Fussballflächen existiert und im Sommer 1899 von den Behörden mit Ausnahme des Cricketer- und WAC Platzes aufgelöst wurden, wieder zu reaktivieren. Immerhin gab es jetzt die Chance auf Gewährung, weil keine depperten Adeligen mit ihren Pferderln kreuz und quer herumgurkten. Der Adel wurde abgeschafft und der vierbeinige Leberkäse krepierte wie sein zweibeiniger Verzehrer an der Front.


Wenn Irrsinn Normalität wird

 

Das Irrrste, das ich in den Zeitungen kurz vor Kriegsende gelesen habe war die Zusammenkunft des „Olympischen Komitees für Österreich“ die sich mit der Lustbarkeitssteuer sowie dem Bau eines Nationalstadions beschäftigten. Aber gut, wenn der Vorsitzende Colloredo-Mannsdorf heisst weiß man welche Lackmarke da im Spiel war.

 


Auch so eine irre Geschichte kommt (angeblich) aus London, wo zwei invalide Boxer – einem fehlte das linke, dem anderen das rechte Bein – gegeneinander boxten. Der mit dem intakten linken Bein hat gewonnen.


Und es wär ja ned Österreich gewesen, wenn man sich nicht noch im Krieg darüber gestritten hätte, in welche Klasse die Vereine nach Wiederaufnahme des Spielbetriebs eingereiht werden sollten.

 


Ein bedrückendes Bild veröffentlichten die Zeitungen im Herbst 1918, nämlich die letzte Nationalmannschaft Österreichs vor dem Kriege. Vier Spieler waren gefallen, von weiteren weiß man nur, dass sie in Gefangenschaft geraten waren. Das Foto wurde anlässlich des Länderspiels gegen Ungarn veröffentlicht. Ich kann nur vermuten warum, aber es scheint so, als ob damit bewiesen werden sollte, dass mehr österreichische Fussballer an der Front stehen (und gefallen sind) als ungarische Spieler. Die Monarchie zerbrach langsam in Einzelstaaten.



Zum Vergleich mit dem oberen Bild die Mannschaft von 1918, die am 6. Oktober mit 0-3 verlor (Tekusch ist nicht gleich Tekusch vom oberen Bild):


Auch bei den Mannschaftsaufstellungen erkennt man den von den Zeitungen angesprochenen Unterschied: Ungarn hatte fast alle seine Stars mit dabei, da die nicht an die Front abgegangen sind wie man damals so schön sagte. Soll aber keine Entschuldigung sein.



Kriegsmeisterschaften

 

Je länger der Krieg dauerte, desto ältere Männer wurden zum Kriegsdienst eingezogen. Der Mangel an Soldaten nahm 1918 dramatische Ausmaße an, dass sogar als „kriegsuntauglich“ eingestufte Sportler jetzt zu den Waffen gerufen wurden.

 


Anhand des Fotos des Nussdorfer Tormannes Franz Schubert – ja der hieß wirklich so – sah man die mangelhafte Ernährungslage in der Reichs- und Residenzstadt im vierten Kriegsjahr sehr deutlich.

 


Trotzdem wurde überall weiter Fussball gespielt: In Berlin gab es eine Fussballiga und auch in Wien wurde eine Kriegsmeisterschaft abgehalten, die vom Floridsdorfer AC gewonnen wurde.

 



Im Juli 1918 wurden die Herbsttermine der Kriegsmeisterschaft 1918/1919 ausgegeben. Damals wusste keiner, dass es die letzte Meisterschaft der Habsburgermonarchie werden würde. Einen Tag, vor dem Waffenstillstand (11.11.1918) sollten die letzten Spiele stattfinden.



Fussball und Krieg

 

Schaut Euch das Gesicht von Franz Malek, Mitbegründer des WAF an. Gruselig. DAS macht der Krieg mit Menschen.

 


Die KuK Armee hatte im Ersten Weltkrieg lange auf den Einsatz von Giftgas verzichtet, da der alte Kaiser dies nicht wollte (wenigstens eine gscheite Idee). Auf die – gefälschte – Nachricht, dass die Italiener bei den Isonzoschlachten Giftgas einsetzen würden, genehmigte er dann doch den Einsatz von Gas. Am 29. Juni 1916 kam es zum ersten Mal in den Einsatz und verursachte unter den Italienern 8.000 Tote. Die Italiener, die bis dahin mangels Verfügbarkeit überhaupt kein Giftgas einsetzen, rächten sich. Beide Kriegsparteien veranstalteten danach das sogenannte „Buntschiessen“ (die Granaten hatten farblich unterschiedliche Halterungsringe), welches mit unterschiedlichen Arten von Gasmunition durchgeführt wurde. Warum ich das schreibe? Weil 1918 eine Zeitungsnotiz über einen Leichtathleten erschien, der eine Gasvergiftung erlitt.

 


In Bukarest fand 1917 – die Stadt war von KuK und deutschen Truppen erobert und besetzt worden – ein Fussballspiel Österreich-Ungarn gegen Deutschland statt. Es endete 4-1. Das wohl interessanteste dabei ist nicht der Spielort, sondern dass es wohl das einzige Spiel von „Österreich-Ungarn“ gegen ein anderes Land war. Normalerweise spielten die beiden Kronländer autonom gegen auswärtige Gegner.