Sonntag, 14. Juni 2026

Die Vienna hatte 1914 "a Idee"

 

Die Vienna ist auch immer für lustige Ideen bekannt gewesen. Zuerst die Sache mit dem professionellen Spieler, den man erst anzeigte, als er von der Vienna wechselte und dann noch dieses: Am 23. Juli 1914 hat die Vienna eine Kampfansage an den ÖFV getätigt. Sie wollte, weil nicht mehr erstklassig, einen eigenen Verband gründen. Gemeinsam mit Provinzvereinen und den Vereinen der Monarchie. Genannt wurde dieser Verband FBINÖ (Fussballbund in Niederösterreich). Das Datum war vielleicht nicht ganz so günstig gewählt, da am selben Tag die Regierung in Wien ein Ultimatum an Serbien richtete. Bekanntlich folgte diesem Ultimatum die Kriegserklärung fünf Tage später. Insofern hatte die Vienna da ein „bsonders gutes Handerl“ mit der Gründung dieses neuen Verbandes (der eh nicht zustande kam). Abgesehen davon ist die Benennung eine absolut blödsinnige.

Man muss dazu sagen, dass die Vienna des ned zum ersten Mal gmacht hat, auch der Tagblattpokal 1903/1904 sowie die abgebrochene Meisterschaft 1906 gingen auf die Kappe der Blaugelben. 





Neue Vereine 1914

 

Im Juli 1914, das Attentat in Sarajevo war fast einen Monat her gab der Verband den Beitritt nachfolgender Fussballvereine in den NoeFV bekannt. Interessant sind der Hütteldorfer AC, der SC Nicolson (ab 1933 FC Wien), die Prater Sportfeunde und der Sportclub der Bediensteten der Gemeinde Wien-Gaswerke. Fünf Tage nach dieser Verlautbarung war Österreich-Ungarn im Krieg mit Serbien.



Schnurren

 

Wieder ein paar Schnurren aus den diversen Sportblättern der Monarchie: So wurde vermeldet, dass der Verbandskapitän Hugo Meisl, der nicht nur die Fussballregeln redigiert sondern auch als Schiedsrichter tätig war, sich mit dem Gedanken trug, ein Witzblatt namens „Der Esel“ zu gründen. Ich hätte da viele Artikel für ihn gehabt. Ihr wahrscheinlich auch. Hugo Meisl war während des 1. Weltkrieges als Hauptmann an der italienischen Front, ehe er seine Verbandstätigkeit wieder aufnahm.

Eine weitere Schnurre war die Versammlung des „Zentralverbandes der Hauskrankenpflege“ Sektion Mödling. Obmann der dortigen Sektion war Herr Anton Litschauer. Ned das man dafür vielleicht eine Frau nehmen wollte, nein der „Herr Anton“ musste es sein. Fairerweise muss man festhalten, dass eine Frau den Gesamtverein führte, nämlich Gräfin Stefanie Wenckheim. Aber trotzdem lustig, dass in der Provinz ein Mann den Frauen erklären durfte, wie sie ihre Verwandten daheim am besten pflegen sollten. Hm.

Dann gab es noch einen – nicht weiter interessanten – Stafettenlauf von Hütteldorf nach Döbling, genauer gesagt auf die Hohe Warte. Die Karte, auf der die Strecke vermerkt wurde ist dafür interessanter: Dort wurde die Klinik am Steinhof (Otto-Wagner-Spital) kurz und bündig „Landes-Irrenanstalt am Steinhof“ genannt. Ja, kann man machen und war damals so üblich. Auch interessant auf der Karte ist, dass zwar der WAF Platz eingezeichnet ist, jener von Rapid fehlt.


Ahja: Das Foto eines Radausfluges zur Burg Kreuzenstein will ich euch noch zeigen:



Meister 1914

 


Der WAF, Wiener Associations Fussball Klub, kurz WAF genannt (heute nach vielen Fusionen WAF Brigittenau) war eine Abspaltung des WAC (Wiener Athletik Club), welcher in der Urzeit des Fussballs einer der dominierenden Vereine war. Laut „Allgemeinen Sportblatt“ traten am 24. Juni 1910 insgesamt sechzehn Spieler des WAC aus dem Verein aus und gründeten den WAF. Zeitweise wurden sie auch „Wiener Athletiker“ genannt, dies wurde aus Verwechslungsgründen aber schon zwei Monate später wieder zurückgenommen. Dieser Abspaltung vorangegangen ist ein Streit während einer Deutschlandtournee, bei der einige Spieler mehr Mitspracherecht im Verein verlangten. Als dies nicht gewährt wurde (warum auch?) verließen Spieler wie Fischera, Andres, Kohn, die beiden Tekusch-Brüder und viele Spieler der zweiten Mannschaft den Verein. Die neue Mannschaft suchte und fand einen Fussballplatz in Hütteldorf. Er lag gegenüber dem Bahnhof und wurde am 24. März 1912 (einen Monat vor Eröffnung der Pfarrwiese) in Betrieb genommen. Erster Gegner war Rapid, das Spiel endete 1-1. Die zweite Partie des WAF auf ihrem neuen Platz war gegen Bayern München, die Wiener gewannen (wenn ich das richtig gelesen habe) mit 2-0.



Der WAF war Gründungsmitglied der ersten (österreichischen) Meisterschaft und spielte dort bis 1924 erstklassig. Höhepunkte waren die Vizemeisterschaften 1913 und 1915 (verkürzte Kriegsmeisterschaft) und der Meistertitel 1914 sowie der Cupsieg 1922. Nach dem Abstieg gelang es dem WAF nie wieder, ganz hinaufzukommen. Daran änderten auch die Fusionen mit dem FC International (1926) und mit Libertas Wien (1927) nichts. Nach dem Krieg gab es weitere Fusionen, der WAF spielt seit 1981 in der „WAF Gruabn“ in der Brigittenau (der alte Platz von Ostmark). Nach dem Krieg war der WAF dritt- bzw. viertklassig. Letzter Höhepunkt war der Gewinn des TOTO Cups 1989, welcher zum ersten Mal ausgetragen wurde. Aktuell spielen sie in der Wiener Stadtliga und schlossen die Saison 2025/2026 auf Tabellenplatz 11.


Die vmtl. erste Mannschaft des WAF

Meisterschaften in der Monarchie

 

Nicht nur in Wien wurde in der Monarchie bzw. 1. Republik Meisterschaft gespielt sondern auch in den anderen Ländern der Monarchie. Hier ein paar willkürlich herausgesuchte Meisterschaften aus dem alten Österreich: