Freitag, 26. Juni 2026

Fussball im Krieg Teil 3

 Gleich vorweg: NEIN ich mache jetzt keine Serie mit 6.000 Folgen. Aber etwas passierte noch auf dem Gebiet der KuK Monarchie, das Einfluss auf die heutige Zeit hat. Die Polnische Legion, genauer gesagt, die Fussballer, die sich aus dieser Polnischen Legion (der spätere Staatspräsident Pilsudski war ihr erster General) entwickelten. Sie spielten hinter der Front gegen andere Mannschaften wie das Artilleriebattalion 33 oder die Ulanenriege, sprich andere Soldaten. Aus dieser Mannschaft entstand 1916 Legia Warschau. 




Fussball im Krieg Teil 2

 1915 gab es in Wien eine Kriegsmeisterschaft der erstklassigen Mannschaften. Es war keine vollständige Meisterschaft sondern jeder spielte einmal gegen jeden und der Sieger war dann der Wiener Meister (eigentlich niederösterreichische Meister). Die Spielpaarungen sind erhalten geblieben und sahen folgendermaßen aus: 


Der Meister dieser Konkurrenz war zum ersten (oder vierten, je nachdem wie man zählt) Mal Meister der 1. Klasse in Wien. Geneigte Fussballenthusiasten nennen ihn WAC. 



Die zweitklassigen Vereine stellten eine Auswahlmannschaft, die gegen die erstklassigen Vereine Spiele absolvierte:



Analoges Internet aus Ungarn

 

Die Zwischenkriegszeit war auch eine ganz interessante: Nicht nur dass es von 1931 bis 1944 in Ödenburg (Sopron) eine deutschsprachige Zeitung gab sondern was in dieser Zeitung stand. Das Radioprogramm zum Beispiel, wo zuerst der Sender Budapest angeführt ist, anschließend der lokale Sender eine Serie „Deutschkurs“ hatte, ehe er mit dem Programmpunkt „Zigeunermusik“ abschloss.

 


Einen eher seltsamen Humor hatten die ungarisch sprechenden Ödenburger: In einer Annonce der „Löwen-Drogerie“ (die gibt es heute noch) wurde ein Pestizid gegen „Schwaben und Russen“ angeboten. Und nein, damit sind nicht die besagten Völker gemeint, sondern Schaben und Asseln. Ungarn sind halt nicht sehr ausländerfreundlich. Damals wie heute. Im November 1921 gab es bekanntlich eine Volksabstimmung darüber, ob Ödenburg zu Österreich oder als Sopron zu Ungarn kommen sollte. Mit Hilfe von „ganz leichtem“ Wahlbetrug fiel die Abstimmung zugunsten Ungarns aus. Dem Vernehmen nach soll es bis heute gehen, das Tote wahlberechtigt sind.

 


Wer übrigens wissen will, woher der Herr Orban seine superdupertollen Ideen her hat, muss nur in den ungarischen Blättern aus den 30er Jahren stöbern. Dort wurde im August 1931 der Umfang der Zeitungen (also wieviele Seiten sie haben dürfen) per Gesetz geregelt. Man könnte ja sonst dort was reinschreiben, was der Herr Reichsverweser (Miklos Horthy de Nagybanya) nicht lesen will. Erinnert an noch wen.


Noch so eine witzige Idee des Herrn Reichsverwesers konnte man in der Zeitung lesen: Um Ungarn monoethisch zu machen, mussten/durften/konnten alle ungarischen Staatsbürger mit nichtungarischem Namen diese ändern. Er musste nur ministeriell bestätigt werden. Was das Ganze für einen tieferen Sinn hatte weiß der Geier. Auch einige bekannte Fussballer bzw. deren Eltern nannten sich um. So wurde aus Franz Petzold Ferenc Puskas und aus Norbert Kaltenbrunner Nandor Hidegkuti. Wer das nicht wollte, wurde ausgebürgert. Wenn er das Land verlassen musste, durfte er nicht mehr als 150 Pengö mitnehmen. Da der Pengö („klingende Münze“) bei Abschaffung quasi keinen Wert mehr hatte kann man das nicht seriös umrechnen. Die Währung wurde von 1. Jänner 1927 bis 31. Juli 1946 verwendet. Ihr folgte der noch heute gültige Forint (ung. für „Florentiner“) . Bei Währungsumstellung war 1 Forint 400 Milliarden Trilliarden Pengö wert. (So schaut die Zahl aus:  400.000.000.000.000.000.000.000.000.000).





Fussball und der Krieg

 

Die eher halblustigen Folgen des Weltkrieges spürten viele österreichische Fussballer am eigenen Leib: Die blieben auf dem wie man so schön sagt „Feld der Ehre“ liegen, sprich sie krepierten in den Materialschlachten des Weltkrieges. Einen davon will ich als Beispiel nehmen, nämlich Felix Tekusch: geboren am 11. Mai 1889 spielte er ab 1910 beim Wiener Athletik Klub und wechselte dann zum Wiener Associations Fussballklub, mit dem er 1914 österreichischer Meister wurde. Zwischen 1910 und 1914 wurde er sechzehn Mal in die österreichische Auswahlmannschaft gewählt und nahm auch – ohne gespielt zu haben – an den Olympischen Spielen 1912 in Stockholm teil. Er galt damals als einer der besten Linksverteidiger Europas. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges zog er als Leutnant ins Feld und wurde an der Isonzofront eingesetzt. Er fiel am 21. Mai 1916 im Nachgang der 5. Isonzoschlacht.

 


In derselben Ausgabe des Sportblattes konnte man weitere schockierende Zeilen lesen, nämlich die Anzahl der gefallenen Auswahlspieler Österreichs bis Juni 1916. Und das waren einige. Zuviele wie manche behaupten.

 


Ebenfalls erschreckend ist der Artikel über den Sportklub „Graphia“, in dem ausgeführt wurde, dass 70 der 75 Vereinsmitglieder an der Front waren. Nimmt man diese hohe Zahl als Hinweis für andere Vereine so kann man verstehen, warum der Spielbetrieb unterhalb der Ersten Klasse zusammengebrochen ist. Die unglaublich hohen Kriegsverluste 1914 mussten kompensiert werden. Die KuK Armee erlitt in den ersten Kriegsmonaten im Osten ungeheure Verluste, vor allem unter den aktiven Kadern und Offizieren, sodass sie in weiterer Folge dem Ansturm der zaristischen Armeen nur mit deutscher Hilfe standhalten konnte. Die neue Front gegen Italien zog auch viele Soldaten ab, die an anderer Stelle fehlten. Zum Glück für Österreich-Ungarn waren die Italiener noch schlechter auf den Krieg vorbereitet, was sich wiederum in großen italienischen Verlusten manifestierte. Nur auf Österreich bezogen (ohne Kronländer) waren es etwa 518.000 Soldaten, die nicht mehr zurückkehrten. Italien beklagte 680.000 Tote.

 


Ein hartnäckiges Gerücht, welches sich mit immer wechselnden Orten den ganzen Krieg über hielt war jenes, das britische Soldaten bei Sturmangriffen auf deutsche Stellungen Bälle vor sich her gespielt haben sollen. Die erste diesbezügliche Nachricht erschien bei der Schlacht um Loos 1915, die nächste bei der Offensive an der Somme 1916, wo ähnliches passiert sein soll. Auch später gab es immer wieder „Berichte“ darüber. Keiner dieser Berichte konnte bisher bestätigt werden.