Montag, 21. Juli 2025

Der „Weltreise“-Bericht

 


Der FAVAC spielt international. Und zwar in Sopron. Eine Auslandspartie im Sommer. Noch dazu Ungarn. Da muss man natürlich hin. Mit der Bahn geht es normalerweise recht gut, gibt es doch üblicherweise eine direkte Verbindung – sowohl von Deutsch-Westungarn aus als auch aus der Reichs- und Residenzstadt.

Normalerweise.

Meine Weltreise begann in Szeleskut auch Breitenbrunn genannt. Ist übrigens eine wortwörtliche Übersetzung (nicht so wie bei Sopron). Rein in die Bimmelbahn und weiter nach Wulkaprodersdorf. Dachte man sich halt so. Aber nein, der Zug fuhr nur bis zum Bahnhof Eisenstadt, geneigten Krawallblätterlesern durch eine Bombendrohung bekannt.


Ein netter kleiner Bahnhof mit immerhin drei Bahnsteigen. Die Gastwirtschaft ist normalerweise echt genial, leider war sie diesmal zu. Warum auch immer. Also wartete man dort auf den Zug, der mich eine Station weiter nach Wulkaprodersdorf (Vulkapordany) bringen sollte. Von dort ging es mit einem weiteren Umstieg nach Sopron. Am GySEV Bahnhof besichtigte ich noch die über hundert Jahre alte Dampflok, die seit ewigen Zeiten dort steht.

Von Wien aus fuhren die anderen Fans auch nach Wulkaprodersdorf und durften dort ebenfalls umsteigen. Es ist ja echt schräg, dass die GySEV jetzt statt einem durchgehenden Zug nach Deutschkreuz zwei Züge hat, die in Wulkaprodersdorf stehen blieben. Da dürften irgendwelche Lokführer schlimm gewesen und zwangsweise dazu verdonnert worden sein den ganzen Tag sinnlos drei Stationen hin- und herzufahren. Aber gut.

Man war dann also in Sopron, der heimlichen Hauptstadt des Burgenlandes. Ein bischen den Bahnhof erkundet, ein paar Bier inhaliert und darauf gewartet, dass sich alle ULTRAS versammelten. Interessanterweise konnte man am Bahnhof nur mehr mit Forint zahlen, früher undenkbar. Da wollten die Leute lieber Euro als ihre wertlosen Lappen. Egal. Man hat – „vollkommen überraschend“ – Forint dabei.

Die Bedienung hat sich jedenfalls einen gegrinst, als man mehrmals bestellte und wir spielten das lustige Spiel: „Ich zahle mit einem Schein, bekomme Scheine und Münzen, bestelle noch mal und retourniere die erhaltenen Scheine und Münzen wieder“. Jedenfalls hatte ich danach nur noch Scheine in der Hand. Die Münzen kannst eh nur zum Anmäuerln verwenden. Vor allem die 5 Forint Münzen, die wertloser sind als unsere 1 Cent Münzen.

Mit 15 Mann ging es dann in Richtung Stadion, welches am anderen Ende der Stadt ist. Für einen Sonntagnachmittag war es gespenstisch ruhig, kaum Leute auf der Straße, die Lokale fast alle zu und so mussten wir unsere Flüssigverpflegung bei der Tankstelle bzw. beim Tabakladen holen. Im Stadion, welches sperrangelweit offen war gab es folgerichtig – nichts. Immerhin haben sie eine Toilette aufgesperrt. Sehr nett.


Es waren vielleicht 100 Menschen im Stadion, davon gut und gerne 40 aus Wien. Für einen Verein, der normalerweise einen recht zufriedenstellenden Zuschauerschnitt hat auch sehr verwunderlich. Aber wie uns die Ungarn erzählten liegt das daran, dass sie sich mit diesem SC Sopron nicht identifizieren können, der von einem Fidesz-Youtubestar gesponsert wird oder wurde. Es ist wie so oft ein Politikum, weil sich zwei Fidesz-Funktionäre nicht einigen können. Eigentlich traurig, wenn man bedenkt, dass zwischen 2004 und 2006 hier Europacup gespielt wurde.

Die Hauptttribüne ist ein mächtiges Ding – sogar mit Dach – und lag leider genau sonnenseitig, sodass wir uns ganz hinauf stellen mussten. Dafür war die Akustik nicht übel. Von den Heimfans war nicht viel zu sehen, lediglich zwei Veteranen der City Boys waren da und unterhielten sich mit uns. Warum das so war, siehe oben.

Das Stadion an der Kaposztas utca, zu Deutsch „Krautgasse“ ist ein sehr altes. Schon mein Papa hat dort (allerdings Handball) gespielt. Bis zu den 90ern war es einfach ein Platz mit Stehplatztribünen, einem kleinen Vereinshäuschen und etwas 60 VIP Sitzplätzen. Bis zur Jahrtausendwende wurden die Tribünen nach und nach modernisiert, die Stehplätze hinter dem Tor verschwanden und die große Tribüne (2015 überdacht) entstand. In dieser Zeit erhielt es dann den offiziellen Namen: Varosi Stadion, was so viel wie „Städtisches Stadion“ bedeutet.

Sopron hat noch zwei weitere Fussballplätze: Jenen von SVSE an der Sport Utca (Sportgasse) gleich oberhalb des GySEV-Bahnhofs und jenen von SFAC (Soproni Football es Atletikai Club) am Anger reti Sporttelep. Aber das ist eine andere Geschichte die ich ein anderes Mal erzählen werde.

Vor dem Spiel habe ich dann noch Simon Tibi meine Reverenz erwiesen und einen Schal dort gelassen. Die Geschichte rund um den Trainer von Sopron habe ich ja schon geschildert. Einige Vereinsfunktionäre bedankten sich dann für diese – für mich selbstverständliche – Geste. Nett. Respekt.


Jau das Spiel. Zum Vergessen, der FAVAC kam mit dem großen Rasenplatz (100 x 70m) überhaupt nicht zurecht und konnte kaum ins Spiel finden. Sopron, die auch in der ungarischen dritten Liga spielen gewannen zurecht und verdient mit 3-0. Man kann jetzt natürlich über die sehr schlechten Schiedsrichter schimpfen, ursächlich schuld an der Niederlage waren sie aber nicht. Bei uns hat nichts zusammengepasst, keine erkennbaren Stürmer, die Abwehr auf Urlaub lediglich das Mittelfeld passte gut zusammen. Man merkt halt, dass es eine neu zustammengestellte (fast hätte ich gesagt zusammengewürfelte) Mannschaft ist. Da gibt es noch viele Punkte, die man abschleifen muss. Aber immerhin – wir spielten international.

Ja dann ging es wieder einmal darum Getränke und Futter zu finden. Ein erster Ansteuerungspunkt entpuppte sich als Nullnummer, weil der „junge Kellner“ vollkommen überfordert war und lieber mit seinen beiden Freunden plauderte. Dann fanden wir am Varkerület (Burgring oder wie es dort heisst Grabenrunde) ein gutes Lokal, welches normalerweise um diese Uhrzeit bummvoll war, diesmal aber quasi leer. Auch die anderen Bars entlang des Varkerület waren gähnend leer. Sehr komisch. Irgendwie waren auch am Nachmittag kaum Leute in Sopron unterwegs, Touristen sah ich keine aber auch die Einheimischen ließen sich nicht blicken.

Gut nachdem wir gefuttert haben ging es wieder zum Bahnhof und wir erreichten ihn pünktlich genug um in den Zug nach – Ratet mal – genau Wulkaprodersdorf einsteigen zu können. Mit diesem zuckelten wir dann über die Grenze nach Österreich, warteten in Baumgarten (Sopronkertes), der heimlichen Perle des Burgenlandes auf einen Gegenzug (weil man die Hauptstrecke nach Sopron immer noch nicht zweigleisig ausgestattet hat), stiegen in Wulkaprodersdorf dann in den Zug nach Wien und kamen kurz vor Mitternacht in der Reichs- und Residenzstadt an. Lustig wars. Und das Wichtigste: wir haben keinen „verloren“. Dazu muss man sagen, dass unser Schalkefan auch nicht dabei war.

Danke an Pöli und die Anderen für die Gastfreundschaft und die nette Begleitung, hoffentlich sehen wir uns bald mal wieder.

 

NUR DER FAVAC!