Donnerstag, 30. Juli 2026

Rudolphshügel oder Rudolphshügel: Wer war zuerst da?

 


Zum Sport Club Rudolfshügel und sein Gründungsdatum gibt es die unterschiedlichsten lustigen Geschichten. Eine dieser Geschichten findet sich auf fussballabzeichen.at wo das Gründungsdatum mit 8.11.1902 festgeschrieben, was sogar richtig ist. Anderes in diesem Text ist aber nicht so schlüssig. Richtig ist, dass es eine Fussballmannschaft der „Radfahrsektion Rudolphshügel“ (welche 1895 gegründet wurde - also die Radfahrsektion) gab, daneben gab es aber laut „Neuen Wiener Tagblatt“ bereits am 29.3.1902 eine Erwähnung eines „Sport Clubs Rudolphshügel“, welcher auf am Belgradplatz (wo sich auch ein Sportplatz befand) ein Spiel gegen den Margaretner Sport Verband ausgetragen hat (oder sollte). Vollkommen lustig wird es, als wir im Neuen Wiener Tagblatt ein Spiel zwischen dem RC Rudolphshügel gegen den SC Rudolphshügel am 18.5.1902 stattfinden sollte. Ergebnis oder Bestätigung, dass es stattfand gibt es leider keine.

















Aufgelöst und Gegründet

 

Des einen Glück, des anderen Leid: Im Neuen Wiener Tagblatt wurde im Februar 1904 die Gründung eines Vereines namens „FC Sturm“ angezeigt, der sich aus ehemaligen Spielern des Wiener AC 1898, welcher sich kurz zuvor aufgelöst hatte zusammensetzt. Daneben gab es einen Tag später noch die Nachricht, dass sich zwei Vereine auflösten: Die (erste) Sparta und die Sportvereinigung Fortuna.




Krieg in Fernost

 

Gleichzeitig mit diesen Ereignissen gab es noch ein weltbewegenderes: Der Ausbruch des russisch-japanischen Krieges. Der lange schwelende Streit um Korea, die Mandschurei und die Halbinsel Liaotung, wo Russland mit Port Arthur einen eisfreien Hafen besaß eskalierte. Anfang Februar 1904 überfiel die japanische Flotte ohne Kriegserklärung den Hafen und versenkte einige russische Panzerschiffe. Der Krieg war ausgebrochen. Wie er ausgegangen ist wissen wir natürlich. Es war das erste Mal, dass eine europäische Großmacht einem asiatischen Land unterlag. Die Zeitungen haben dazu einige Karten veröffentlicht, die ich Euch hier nahebringen will. Beachtet die lustigen Schreibweisen der einzelnen Städte und Orte, die nach Gehör niedergeschrieben wurden:







Von der ÖFU zum ÖFB

 

Im Jahr 1903 zerbröckelte die „Österreichische Fussball Union“: immer weniger neu gegründete (oder schon länger bestehende) Vereine weigerten sich, der ÖFU beizutreten und spielten ihre Wettspiele abseits des Wiener Tagblattpokals oder des Challenge Cups aus, darunter auch viele Spiele im ungarischen und böhmischen Teil der Monarchie. Speziell der böhmische Verband wiederum war der ÖFU und dem Verband der „Deutschböhmischen Fussballvereine“ ein Dorn im Auge, die ethnischen Gegensätze brachen auf. Dazu kam, dass der Mitbegründer, Präsident und anerkannte Fussballexperte MD Nicolson (Magnus Douglas, kurz „Mark“) bereits ein dreiviertel Jahr nach seiner Bestellung zurück nach England ging. Der Einfluss der beiden ältesten Vereine, Vienna und Cricketer nahm ab und mit Einführung des „Wiener Tagblatt Pokals“ kamen andere Akteure auf den Plan. So vergingen drei Jahre, in denen die ÖFU versuchte, die Meisterschaft nur zwischen sogenannten „Unionsvereinen“, also Vereinen, die der ÖFU beitraten auszutragen. Da es aber so war, dass den rund 30 Unionsvereinen mehr als die doppelte Anzahl an „wilden“ Vereinen entgegenstand, die auch in der Sportpresse ihre Aufmerksamkeit bekamen schwand der Einfluss der ÖFU auf die eigenen Vereine. Im Herbst eskalierte dann der Streit mit der Vienna – siehe untenstehenden Blogbeitrag – und so kam es, dass am 20. Jänner 1904 via Tagblatt verkündet wurde, dass die beiden ältesten Vereine des Landes, Vienna und Cricketer aus der ÖFU austraten. Gleichzeit wurde auf Betreiben der Vienna (und auch der Cricketer) der „Österreichische Fussballverband“ als Gegengewicht gegründet wurde. Einige Verwirrung gab es im März 1904 über den Austritt des WAC, der letztendlich nicht erfolgte. Trotzdem sollte die Frühjahrssaison 1903/1904 des Tagblattpokals nur mit dem WAC, der Rapid und Graphia weitergespielt werden. Die dafür genannten Termine waren:

27.3.1904: Graphia – Rapid

14.4.1904: Rapid – WAC

12.5.1904: Graphia – WAC

Ob diese Spiele ausgetragen wurden, entzieht sich meiner Kenntnis, die Saison wurde aber laut vorliegenden Unterlagen nicht zu Ende gespielt.












Die roten Sterne betreten die Fussballbühne

 


Der Verein „Sportclub Red Star“ (heute Red Star Penzing) begann Anfang 1903 sein Wirken. Im März 1903 gab es den ersten Zeitungsartikel über diesen Verein, der noch heute existiert.  Seine lange Karriere begann er – wie so viele andere Vereine – ganz klein und spielte im Gründungsjahr mehrere Spiele auf seinem offenbar ersten Platz im 16. Bezirk, Herbststraße 24. Ihr „Clublokal“ wie man des damals nannte hatten sie im 15. Bezirk, Märzstraße, Gasthaus Hillgarth. Der Vereinsname, so spricht die Chronik auf der Homepage der Red Star entstand bei einem Spaziergang in der Innenstadt, wo die amerikanische „Red Star Line“ ein großes Büro mit einer Verzierung, nämlich dem Roten Stern hatte. Dies fiel den spaziergehenden Spielern auf und so beschlossen sie, den Verein „Red Star“ zu nennen. Auch wenn dies vielleicht eine hübsche Anekdote ist so ist es immer eine gute Geschichte. Red Star war in seiner langen Karriere leider nie erstklassig, konnte sich aber nach dem Ersten Weltkrieg lange in der damaligen 2. Klasse halten, nach dem Zweiten Weltkrieg waren sie langjährig in der z.t. zweitklassigen Regionalliga. Heute spielen sie in der Wiener Stadtliga. Ich habe versucht, alle Zeitungsschnipsel des Jahres 1903 zu finden und hier reinzustellen. Sie werden – auch was Spielergebnisse betrifft – immer weiter ergänzt.

Geschichte des Vereins - Redstar Penzing