Sonntag, 7. Juni 2026

Der WAF in München

 

Kennt ihr den FC Bayern? Klar, oder? Jener in Deutschland vollkommen unbeliebte Verein, der Serienmeister wird und auch sonst irgendwie nicht in diese Liga passt, zu klein um im EC immer eine dominierende Rolle einzunehmen, „to big for Germany“ wie ein ehemaliger Finanzminister sagen würde. Also gut, diesen Verein meine ich. Würde er heute gegen einen österreichischen Verein spielen wäre das Endergebnis wohl voraussehbar. Am 4. Jänner 1913 aber reiste der WAF (Wiener Assoziations Fussballclub, heute WAF-Brigittenau) mal eben kurz nach München und schlug den FC Bayern mit 2-0. Heute spielt Bayern international und der WAF ist in der Stadtliga. Tja, so kanns gehen.



GAK

 Der GAK (damals noch GAC) hat die Herbstsaison 1912 einigermaßen erfolgreich abgeschlossen und bewiesen, dass er mit den Wiener Vereinen mithalten konnte. Hier ein kleiner Artikel:





Skandal in Döbeling, Skandal in Döbeling, Skandal um Hansi!

 

In der Saison 1912/1913 überschattete ein Skandal den Wiener Fussball: der bei der Vienna unter Vertrag stehende Hans Schwarz soll vom Verein professionell für sein Wirken bezahlt worden sein. Das ist aber noch nicht die ganze Geschichte, denn als der WAF diesen Spieler quasi „kaperte“ (wie man damals so schön sagte), zeigte die Vienna den Spieler dann an. Aber lest selber:







Freud und Leid bei den Vereinen

 


Der Nussdorfer AC, 1907 gegründet war im Winter 1913 auf der Suche nach einem neuen Fussballplatz, nachdem der erste Platz (etwa auf Höhe des heutigen Bades) verloren gegangen ist. In mehreren Artikelchen wird darüber berichtet. Interessanterweise wurde genau in dieser Zeit auch eine Anzeige geschaltet, wonach man Sponsoren für die Errichtung eines neuen Fussballplatzes sucht. Ob beides miteinander zusammenhängt ist unbekannt, der NAC bekam 1914 seinen heutigen Platz in der Grinzinger Straße 111.





Mannschaften zu Beginn der Meisterschaften

 In der ersten (niederösterreichischen) Meisterschaft traten viele Mannschaften an, die es heute so nicht mehr gibt oder die sich mit anderen Mannschaften im Laufe der Zeit fusionierten. Hier einige davon: 







Interessant auch die Modalität des Auf- und Abstieges in die verschiedenen Klassen, vor allem jene in die höchste Spielklasse:









Die erste Meisterschaftssaison des Favoritner Athletik Clubs 1912/13

 


Die letzte Friedenssaison war jene von 1912/13. Der FAVAC hatte mit der Steinmetzwiese einen eigenen Platz und wurde zur ersten Meisterschaft zugelassen. Dort wurde der FAVAC in die II Klasse C eingereiht und durfte sich mit Mannschaften wie Holub, Olympia, Fortuna, Romania, SC Wieden, Frem, Südstern dem Simmeringer SV und dem Taubstummen SV messen. Die Herbstsaison war endendwollend, der FAVAC konnte nur sechs magere Punkte erringen und die Auslosung der Frühjahrsmeisterschaft war nachfolgende:

2.3.13: FAVAC – Südstern (ein Bezirksderby, Südstern spielte am späteren FC Wien Platz)

9.3.13: Holub – FAVAC

16.3.13: FAVAC – Olympia

30.3.13: FAVAC – Taubstummen SV

6.4.13: Fortuna – FAVAC

13.3.13: FAVAC – Frem

20.4.13: FAVAC – Wieden

4.5.13: FAVAC – Simmeringer SV

18.5.13: FAVAC – Romania

Am Ende der Meisterschaft reichte es für den drittletzten Platz mit 7 Siegen und 10 Niederlagen. Hm.




Anmerkung: Südstern löste sich auf, daher nur 16 Spiele. Der SC Nicolson übernahm den Fussballplatz der Südstern, nannte sich 1933 in FC Wien um und wechselte die Vereinsfarben von Blaugelb in das allseits bekannte Rotweiß. 






Eishockey 1913

 

Laut Illustrierten Österreichischen Sportblatt gelang es im Jänner 1913 eine erste Eishockeymeisterschaft zu starten. Dabei spielte der Wiener Sportclub gegen den Währinger Bicyclcclub auf dem Engelmann-Eislaufplatz. Das ist zwar nichts Besonderes, einer muss ja anfangen, ABER: Die Partie wurde vom Vienna-Spieler Retschury gepfiffen. Kannst Dir eigentlich nicht ausdenken: Sportclub spielt ein Match und ein Viennaspieler pfeift. Die Partie gewann der Wiener Sportclub überlegen mit 11-1. Offenbar spielte man damals – ich habs aus Faulheit nicht nachrecherchiert und möglicherweise wurde der Begriff fälschlich verwendet – mit einem Ball. Muss man sich auch erst mal vorstellen. Aber gut. Ist jedenfalls eine gute Schnurre in den Geschichtsbüchern.



Sodala, jetzt was zu Vienna - QPR

 

Am 11. Juli spielt die Vienna gegen den Londoner Verein Queens Park Rangers. Nach 93 Jahren treffen die beiden Vereine erneut gegeneinander. Es war der 30. Jänner 1933 als die Vienna an der Loftus Road gegen die QPR antrat. Der Wiener Verein hatte eine Englandtournee unternommen und zwei Tage vorher im Home Park von Plymouth gegen die dortigen Argyles 1-1 gespielt. Nun erwarteten die Londoner ein ähnlich gutes Ergebnis, da die Vienna durch die Reisestrapazen nach England und von Plymouth nach London ebenfalls mit fast 400 Kilometern Bahnstrecke ziemlich beschwerlich ist. Die Queens Park Rangers waren 1882 aus den beiden Westlondoner Jugendclubs Saint Judes Institute und Christchurch Rangers hervorgegangen und haben sich 1886 zu den Queens Park Rangers zusammengeschlossen. Seit 1917 spielen sie an der Loftus Road mit etwa 18.000 Zusehern (heute). Derzeit spielen sie in der zweiten Liga (EFL Championship) und haben die Meisterschaft als Tabellenfünfzehnter abgeschlossen.



Die Hoffnungen der „Super Hoops“ wurden allerdings nicht erfüllt, die Vienna gewann dieses Spiel mit 3-0. Die Mannschaftsaufstellung war: Horeschofsky, Rainer, Schmaus, Kaller, Hoffmann, Machu, Brosenbauer, Adelbrecht, Sobotka, Wortmann, Schönwetter. Die Tore schossen Adelbrecht, Schönwetter, Wortmann. Bedingt durch den berüchtigten Londoner Nebel wohnten nur 1.500 Zuschauer dem Spiel bei, welches bei der englischen Presse durchaus lobend erwähnt wurde. Vor allem die technischen Fertigkeiten der Döblinger fanden Applaus beim Publikum.




Am Samstag zuvor spielten sie wie schon erwähnt in Plymouth nur 1-1, vor 18.000 Zusehern erzielte Wortmann in der 40. Minute das Führungstor der Döblinger. Die Aufstellung war: Horeschofsky, Rainer, Schmaus, Kaller, Hoffmann, Machu, Brosenbauer, Adelbrecht, Sobotka, Wortmann, Schönwetter. Ein Artikel dazu kommt noch extra. Vielleicht. Vielleicht auch nicht, je nach Lust und Laune.



So jetzt endlich Fussball

 

Stellt Euch heute folgendes vor: ein österreichischer Fussballverein, ihr könnt euren Lieblingsverein selbstständig einsetzen, spielt gegen den französischen Meister. Klare Sache denkt man sich und wettet, wie hoch man verliert. 1933 war das nicht ganz so. Da fuhr die Wacker Wien eben mal mit der Bahn nach Paris und spielte dort gegen den Hauptstadtverein „Racing de Paris“. Also angekommen, aus der Bahn gestiegen, zum Stadion gestiefelt und gleich gespielt. Heute vollkommen undenkbar, damals so üblich. Und die Wacker gewinnt mal eben 3-2 gegen die Franzosen, die vollkommen konsterniert waren. Hm. Ihr fragt euch, ob das ein Gschichtl ist oder stimmt ? – Es stimmt tatsächlich, nämlich am 21. Jänner 1933. Vor 5.000 Zusehern.



Ebenfalls in diese Zeit fiel der Auswärtssieg des WAS (später Austria Wien) in Leipzig. Selbes Procedere, höherer Sieg. Sindelar traf zweimal, Molzer einmal. „Tschau Kakau“!


Und da aller guten Dinge drei sind und dies die Umleitung zu meinem eigentlichen Artikel ist, kommt noch ein Spiel der Vienna am 5.2.1933 in Lille dazu. Die Döblinger hatten ja zuvor eine Tournee in England gemacht und dachten sich auf der Heimreise, die ebenfalls per Bahn und Schiff absolviert wurde, „warum spieln wir nicht noch a Mätsch in Frankreich“ und stiegen in Lille aus. Dort spielten sie gegen „Olympique Lilloise“ heute OSC Lille. Nach einer umkämpften ersten Halbzeit, in der die Döblinger mit 1-0 in Führung gingen, hatte dann der Schiedsrichter seinen „großen“ Auftritt und annulierte zwei weitere Treffer für die Vienna. Hat nix gholfen, Lille konnte nicht einnetzen. Schlechte Schiedsrichterleistungen sind auch damals häufig vorgekommen.




Nochwas, bevor es zum Fussball geht

 

Was hat eine Frauenleiche in Hütteldorf mit Modespionage zu tun? Richtig: Gar nichts, ausser dass beide Artikel in derselben Zeitung vom 6.2.1933 gestanden sind. Während erstere eines von vielen Selbstmordopfern der damaligen Zeit war, ist die Gschicht mit der Modespionage schon eher erheiternd.


Ein Deutschamerikaner, wie extra betont wird (die Nennung von Staatsangehörigkeiten sind also keine Modeeerscheinung heutiger Zeit) hat in Paris Konfektionsentwürfe verschiedener – heute würde man sagen – Modedesigner einfach gfladert und an Textilhänder verscherbelt. Perfide würde man sagen und da das in Frankreich passiert ist, natürlich typisch deutsch. Oder so. Jedenfalls wars ein verdammter Ausländer wie die Briten zu sagen pflegten.


Aber auch im Fernen Osten hatten da so einige Leute ihre Problemchen. Die Holländer, pardon Niederländer zum Beispiel. Sie hatten ja dort eine große Kolonie, Niederländisch-Indien genannt (heute Indonesien), die sie recht streng regierten. Das stieß überraschenderweise auf den Widerstand der Einheimischen, die sich 1933 dagegen auflehnten, sprich es kam zum Aufstand. Den Aufständischen gelang es sogar, einen holländischen Panzerkreuzer „De zeven Provencien“ zu kapern und damit herumzuschippern. Dieser Panzerkreuzer, 1910 auf Kiel gelegt war das damals artilleristisch am stärksten bewaffnete Kriegsschiff der Königlich Niederländischen Marine. Mit ihrer Hauptbewaffnung von zwei 28 cm Kruppgeschützen konnte sie schon jede Menge Schaden anrichten. Es ging aber alles gut, das Schiff wurde schlußendlich geentert und wieder in den Dienst der Königlich Niederländischen Marine gestellt. Was mit den Meuterern passiert ist, verschweigt die Chronik. Kugel oder Strick würde ich vermuten.