In der Mitte der Dreißigerjahre war der FAVAC in seiner bisher stärksten Phase seines Bestehens und wurde in den Medien vermehrt genannt. Hier ein paar dieser Pressesplitter:
Donnerstag, 18. Juni 2026
Seltsames und Eigenartiges
In Ägypten dürft es in den Dreißigerjahren auch ziemlich zugegangen sein. Erschießen doch glatt zwei Daviscupspieler einen Bankangestellten. Einfach so. Ob sie je wieder für Ägypten Tennis spielten, konnte nicht herausgefunden werden. Ich vermute, eher nicht. Aber was weiß man schon. Fremde Länder, seltsame Riten. Peng!
Der Profifussball in Österreich, also eigentlich nur in Wien war schon in den 30er Jahren schweineteuer. Österreich als armes Land gab jährlich 2 Millionen Schillinge (alt) aus, inflationsbereinigt wären das heute etwa 25 Millionen Euro. A Haufen Geld, damals wie heute. Nur warn die Österreicher damals international eine der stärksten Nationen und ned wie heute eher zweitklassig.
Wenn wir heute das Wort „Europapokal“ bzw auf gut wienerisch „Europacup“ hören denken wir sofort an epische Spiele zwischen Milan und Real oder Arsenal gegen Benfica. Irgendwas in dieser Richtung halt. In der Zwischenkriegszeit gab es auch einen „Europapokal“. Der wurde allerdings zwischen den Nationalmannschaften ausgefochten. Eine Art Europameisterschaft, nur nicht so benamst. Österreich nahm da regelmäßig teil. Ob Ungarn am 17. September 1933 nur deshalb mit 3-0 gegen die Schweiz gewonnen hat, weil der Schiedsrichter „Frankenstein“ hieß, hat uns die Chronik nicht verraten. Vielleicht warn die Magyaren aber nur einfach besser.
Das Passagierschiff „Carpathia“ erlangte im April 1912 traurige Berühmtheit, als es der sinkenden bzw. schon gesunkenen „Titanic“ zu Hilfe eilte und hunderte Überlebende aus dem Meer barg. Was nicht so bekannt ist ist, dass dieses Schiff vertraglich an die ungarische Krone gebunden war und mit einer teilweise ungarischen Mannschaft fuhr. Dort gab es viele gute Fussballer, die 1912 nach ihrer Rückkehr in Budapest ein Benefizspiel zugunsten der Opfer des Titanicunglücks veranstalteten.
Ajax (Amsterdam) hat sich in den Dreissigerjahren um 300.000 Gulden (die alte holländische Währung) ein neues, kleines, intimes Stadion für 23.000 Zuseher gebaut. Auch nett. Intim ist immer gut. Ob in der Öffentlichkeit bleibt abzuwarten.
Originelles und so....
Eine originelle Idee hatte der WAC anno 1934: Nachdem sie bei
einem Wettspiel einen unberechtigten Spieler eingesetzt hatten und mit 1.000
Schilligen (die alte Währung Österreichs von 1924 bis 2001) bestraft wurden
wollten sie, dass nicht der Verein, sondern der Teammanager den Betrag zahlen
sollte und wiesen den ÖFV an, den ausstehenden Betrag bei diesem einzufordern.
Komischerweise lehnte der ÖFV ab – der Verein musste zahlen. Ob er das Geld vom
Manager zurückforderte, verschweigt die Chronik.
Der ehemalige Südsternplatz hiess in den 30er Jahren
„Nicolsonplatz“ (nach der ersten Benennung des FC Wien): am 25. Augsut 1934
vermeldeten die Sportblätter stolz die Neurenovierung dieses Platzes.
Wisst ihr, was „a Nurmi“ is? Nein? Bitte hier ist er: Pavo
Nurmi, der wohl beste finnische Langstreckenläufer dieser Zeit. Er schurlte und
schurlte und schurlte – a Nurmi halt.
Die Wiener lieben ihren abfälligen Humor. Der berühmte
„Wiener Schmäh“ hatte manchmal mehr mit Schmäen als mit Humor zu tun. Vor allem
in den Karikaturen nahm man sich kein Blatt vor den Mund, wenn es darum ging,
den Gegner zu verhöhnen.
Im Sommer 1934 gab es eine Frauenolympiade, genannt
„Frauenwettspiele“ in London. Hier einige „Fräuleins“, die daran teilnahmen:
Die Cups und so.....
Ich hab ja schon ein bisserl was über die Vienna geschrieben.
Also wie sie immer wieder quengelte, weil das Leben nicht so spielt wie sie
wollten. Vor allem beim Fussball nicht. Jetzt habe ich erneut etwas im
„Sport-Telegraf“ von 1934 gefunden. Die Sache war so: Für den Mitropacup durfte
jedes Land ja nur eine gewisse Anzahl an Mannschaften nennen. Meistens zwei
plus den aktuellen Titelträger. Der war in diesem Fall der Wiener Amateur Sport
Verein (Austria Wien für Unwissende). Dazu noch zwei weitere Vereine. Einer
dieser Vereine war Rapid, der dritte wurde durch ein Qualifikationsturnier
zwischen Vienna, FAC und WAC ausgetragen. Interessanterweise gewann der FAC
dieses Turnier. Er durfte also am Mitropacup 1934 teilnehmen und wurde in der
ersten Runde dem FTC (Ferencvarosi Torna Egylet – Franzenstädter Turn Einheit)
zugelost, ging in Budapest mit 0-8 unter und verlor in Wien 1-2. Gut. Also
schlecht. Nun hat sich die Vienna eingebildet, dass sie für den Mitropacup
geeigneter sei, weil sie sicher nicht so schwach gespielt hätte. Eh. Für den
Turniersieg im Qualiturnier hats dann aber doch ned greicht. Irgendwie die
Prinzessin auf der Erbse. Oder a alte Jungfer.
Interessant waren auch die Auslosungen zur Fussball WM in
Italien sowie die Auslosung von Cup und Mitropacup.
Die Salzburger Fussballmeisterschaft 1926 ergab folgende
Spielergebnisse. Der Meister war erneut der Salzburger AK 1914.
Sonntag, 14. Juni 2026
FavAC gegen Helfort
Könnt ihr Euch noch an das Quasi-Aufstiegsspiel am Helfortplatz erinnern?
Ja genau, am 29. Mai 2023 in der Kendlerstraße. 650 Zuseher, zwei Mannschaften
die aufsteigen wollen, ein Kameramann der das Ganze auf Zellouloid bannte, das
1-0 durch Petrovic, danach in der 84. Minute die Schlägerei, die von den Helfortordnern
begonnen wurde, der Raub der Kamera, 20 Minuten Unterbrechung und der Sieg des
FAVAC über die Helfort. War ein aufregender Tag damals, der die (Sport)Gerichte
noch lange danach beschäftigte. Eine Woche später sind wir dann gegen Gerasdorf
Meister geworden und in die RLO aufgestiegen.
Im Jahr 1912 gab es dieses Spiel auch schon, der FAVAC gewann gegen die
Helfort damals mit 2-1. Auch am Helfortplatz. Ob es damals auch schon
Schlägereien gegeben hat, verschweigt die Chronik. Wie auch immer, der FAVAC
ist noch immer in der Regionalliga Ost und die Helfort hats heuer wieder
vergeigt. Zum dritten- oder vierten Male nur 1. Verfolger. Diesmal gegen den SV
Wienerberg. Die Favoritner sind halt das Schicksal dieser Mannschaft. Aber
nächstes Jahr können sie es wieder probieren. Und vielleicht erneut scheitern.
Tja. So ist das Leben.
Eine düstere Zeit
Der Krieg, der hier so leichtfertig und in bemerkenswerter Unkenntnis des
tatsächlichen Standes der Kriegstechnik vom Zaun gebrochen wurde, forderte
schon bald massive Opfer. Nicht nur dass die Masse der guten Fussballspieler
eingezogen wurde sondern auch die Tatsache, dass die vernichtenden Schlachten
im August und September 1914 auf dem östlichen Kriegsschauplatz geschlagen
wurden waren daran schuld, dass die Blüte der Sportler der KuK Monarchie verheizt
wurde. Zu Beginn vermeldete man noch stolz den Heldentod der Sportler, spätestens
ab Oktober 1914 wurde dies unterlassen. Zu viele junge Sportler sind auf dem
sogenannten Feld der Ehre geblieben. Erschossen, von Granaten zerfetzt oder in
den Grabenkämpfen gemeuchelt worden.
Die Vienna hatte 1914 "a Idee"
Die Vienna ist auch immer für lustige Ideen bekannt gewesen. Zuerst die
Sache mit dem professionellen Spieler, den man erst anzeigte, als er von der
Vienna wechselte und dann noch dieses: Am 23. Juli 1914 hat die Vienna eine
Kampfansage an den ÖFV getätigt. Sie wollte, weil nicht mehr erstklassig, einen
eigenen Verband gründen. Gemeinsam mit Provinzvereinen und den Vereinen der
Monarchie. Genannt wurde dieser Verband FBINÖ (Fussballbund in Niederösterreich).
Das Datum war vielleicht nicht ganz so günstig gewählt, da am selben Tag die
Regierung in Wien ein Ultimatum an Serbien richtete. Bekanntlich folgte diesem
Ultimatum die Kriegserklärung fünf Tage später. Insofern hatte die Vienna da
ein „bsonders gutes Handerl“ mit der Gründung dieses neuen Verbandes (der eh
nicht zustande kam). Abgesehen davon ist die Benennung eine absolut
blödsinnige.
Man muss dazu sagen, dass die Vienna des ned zum ersten Mal gmacht hat, auch der Tagblattpokal 1903/1904 sowie die abgebrochene Meisterschaft 1906 gingen auf die Kappe der Blaugelben.
Neue Vereine 1914
Im Juli 1914, das Attentat in Sarajevo war fast einen Monat her gab der
Verband den Beitritt nachfolgender Fussballvereine in den NoeFV bekannt.
Interessant sind der Hütteldorfer AC, der SC Nicolson (ab 1933 FC Wien), die
Prater Sportfeunde und der Sportclub der Bediensteten der Gemeinde Wien-Gaswerke.
Fünf Tage nach dieser Verlautbarung war Österreich-Ungarn im Krieg mit Serbien.
Schnurren
Wieder ein paar Schnurren aus den diversen Sportblättern der Monarchie: So
wurde vermeldet, dass der Verbandskapitän Hugo Meisl, der nicht nur die
Fussballregeln redigiert sondern auch als Schiedsrichter tätig war, sich mit
dem Gedanken trug, ein Witzblatt namens „Der Esel“ zu gründen. Ich hätte da
viele Artikel für ihn gehabt. Ihr wahrscheinlich auch. Hugo Meisl war während
des 1. Weltkrieges als Hauptmann an der italienischen Front, ehe er seine
Verbandstätigkeit wieder aufnahm.
Eine weitere Schnurre war die Versammlung des „Zentralverbandes der Hauskrankenpflege“
Sektion Mödling. Obmann der dortigen Sektion war Herr Anton Litschauer. Ned das
man dafür vielleicht eine Frau nehmen wollte, nein der „Herr Anton“ musste es
sein. Fairerweise muss man festhalten, dass eine Frau den Gesamtverein führte,
nämlich Gräfin Stefanie Wenckheim. Aber trotzdem lustig, dass in der Provinz
ein Mann den Frauen erklären durfte, wie sie ihre Verwandten daheim am besten
pflegen sollten. Hm.
Dann gab es noch einen – nicht weiter interessanten – Stafettenlauf von
Hütteldorf nach Döbling, genauer gesagt auf die Hohe Warte. Die Karte, auf der
die Strecke vermerkt wurde ist dafür interessanter: Dort wurde die Klinik am
Steinhof (Otto-Wagner-Spital) kurz und bündig „Landes-Irrenanstalt
am Steinhof“ genannt. Ja, kann
man machen und war damals so üblich. Auch interessant auf der Karte ist, dass
zwar der WAF Platz eingezeichnet ist, jener von Rapid fehlt.
Ahja: Das Foto eines Radausfluges zur Burg Kreuzenstein will ich euch noch zeigen:

















































