Montag, 27. Juli 2026

Vermischtes und Eigenartiges

 

Anfang Mai 1903 las man im „Neuen Wiener Tagblatt“ von der Absicht seitens des FC Hellas, sich mit dem Neubauer Sportclub zu fusionieren. Eine entsprechende Versammlung war für Sonntag, den 10. Mai 1903 angekündigt. Der Neubauer Sportclub hat erst kürzlich einen eigenen Fussballplatz in Ottakring, Ecke Montleartstraße und Ottakringer Straße (ganz in der Nähe des heutigen TRZ des WSC, die Adresse gibt es in dieser Form nicht mehr, da die Ottakringer Straße nicht mehr bis dorthin führt) errichtet. Ob es zu dieser Fusion kam, ist unklar, die Zeitungen berichten nicht wirklich darüber. Fakt ist, dass der Neubauer Sportclub am 13.5.1903 ebenfalls eine vertrauliche Ausschußsitzung hatte, was darauf hindeuten kann, dass diese Fusion auch tatsächlich vollzogen wurde.

 





Eine weitere lustige Geschichte ist die Nennung der „Floridsdorfer Admira“, welche im Mai 1903 zwei Spiele gegen – und auch das ist wieder interessant – die Simmeringer „Ostmark“ spielte. Beide Vereine existierten nur kurz, ehe dann die „richtige“ Admira 1905 und die „echte“ Ostmark 1910 gegründet wurden. Ebenfalls gefunden habe ich ein Spiel im Mai 1903 gegen eine „Red Star“. Das ist vermutlich das erste dokumentierte Spiel der Rotsterne in den Zeitungen.

 





Auch eine „Deutsche Fussballmannschaft WACKER“ suchte im Mai 1903 Gegner für Wettspiele. Das ist auch wieder so eine Verwirrung stiftende Namensnennung, denn die „richtige“ Wacker Wien wurde erst 1908 gegründet. Später gab es noch eine Wacker 1910, die aber nie die Bekanntheit der Meidlinger Wacker bekam. Die Deutsche Fussballmannschaft Wacker hatte offenbar einen eigenen Platz am Landstraßer Gürtel nähe Belvedere. Falls das historische Umkleidelokal „Hotel Belvedere“ mit dem heutigen, am Rennweg liegenden Hotel ident sein soll (was ich nicht glaube) dann hatten sie einen ziemlich „bradn Weg“ zum Sportplatz.

 


Ebenfalls im Mai 1903 teilte uns der Sportclub Transvaal, der sich erst kürzlich offiziell gegründet hat (wobei ich sicher bin, dass er eine Sektion des Radfahrvereins Transvaal war) mit, dass er einen Sportplatz im Prater nächst der Sophienbrücke (heute Rotundenbrücke) gefunden hat und dort zu Pfingsten ein Turnier zu veranstalten gedenkt.

 




Ein weiterer für mich vollkommen schräger Verein war der Sportverein PRETORIA, welcher 1903 über einen eigenen Platz verfügte und zu Wettspielen einlud. Der Name wird sich vermutlich – wie bei Transvaal – aus dem Burenkrieg herleiten. Ob die Spieler Engländer waren kann man nur vermuten.



Sonntag, 26. Juli 2026

Die alte Diva

 

Die Vienna war immer schon eine Diva, die es nicht immer so mit Verbandsentscheidungen hatte. Und da meine ich nicht die jüngsten Problemchen, die sie mit dem Wiener Fussball Verband bzw. ÖFB hatten, sondern die, die sie mit dem Organisationskomitee des „Challenge Cups“ im Jahr 1902 hatten. Da hat das Komitee das Spiel zwischen Vienna und dem Wiener FC von 1898 annulliert. Warum ist egal, es sollte noch einmal neu ausgetragen werden. Die Vienna wurde ein bisserl weinerlich und trat daraufhin aus dem laufenden Bewerb aus. A Diva halt. Heut könntens vielleicht beim Trump weinen gehn, damit der anruft. 



Fussball in Favoriten 1902

 

Weil wir schon bei diesem Thema und natürlich Favoriten sind, gleich noch etwas Halbinteressantes:

Am 15.3.1902 fand ein Spiel des SC Germania gegen eine Favoritner Record statt. Einfach ein Spiel, welches angezeigt wurde. Es war aber so, dass es damals mehrere Vereine namens Germania gab. Einer spielte im 17. Bezirk, einer im 2. Bezirk, einer in Korneuburg, einer in Atzgersdorf (damals noch nicht Wien) und dann auch einer in Schwechat. Ich gehe allerdings davon aus, dass hier einer der beiden Wiener Vereine gemeint ist. Über die „Favoritner Record“ habe ich noch nichts weiter gefunden ausser zwei Zeitungsschnipsel.

 



Ein weiterer mysteriöser Verein in Favoriten war der Sportclub „Favoriten“ – er spielte am Friesenplatz, heute eine Kleingartensiedlung, man erkennt am Stadtplan aber immer noch die Maße des alten Platzes sehr gut. Auch von diesem Verein habe ich noch nichts weiter gefunden ausser diesem Zeitungsschnipsel im „Neuen Wiener Tagblatt“ vom 20.9.1902. Es zeigt aber, dass der Fussballsport in Favoriten einen rasanten Anstieg verzeichnete. Nicht zuletzt schrieb der große Friedrich Torberg einst: „Favoriten ist die Kornkammer des österreichischen Fussballs!“





Vereinsgründungen und so

 

Die Notiz im „Neuen Wiener Tagblatt“ zur Gründung des GAK:

 



Am 2. März 1903 konstituierte sich der Sportclub Britannia in Wien 19, Türkenschanzstraße 19. Das Lokal hieß „Holzers Restaurant“. Erster Obmann des Vereines wurde F. Thurner sen., sein Stellvertreter war F. Bledi (lustiger Name), Schriftführer wurde R. Grünthal, der Kassier war F. Geiger. Spielführer (Captain) wurde F. Melder, sein Stellvertreter wurde F. Thurner. Die anderen Funktionäre kann man im Zeitungsschnipsel nachlesen.

 



Am 23.7.1902 zeigte der Sportclub Rapid im „Neuen Wiener Tagblatt“ sein viertes Gründungsfest an, welches am 2. August 1902 in Hochhubers Prachtsaal „Zum goldenen Buschen“ im 16. Bezirk, Neulerchenfelder Straße 45 stattfinden sollte. Für mich ist damit auch das Gründungsdatum mit 1898 als fix anzusehen da ich annehme, dass die Vereine sehr gut wissen, wann sie gegründet wurden. Eine Anmerkung möchte ich dazu noch machen: Es gab in der damaligen Zeit mehrere Vereine, die gleich hiessen. Die Bezeichnung „Arbeiter Sport Club“ gab es damals bei mindestens einem halben Dutzend Vereinen aus den unterschiedlichen Sportarten. Vielleicht ist jenes ominöse Dokument, welches die Rapid schon 1897 verortet diesem Irrtum entsprungen. Tatsächlich wurde ein Fussballverein namens „Erster Arbeiter Sport Verein“ im „Neuen Wiener Tagblatt“ vom 5. Mai 1898 genannt. Was natürlich sein kann - und das ist gar nicht so unwahrscheinlich - ist, dass sich die Fussballsektion aus einem älteren Arbeitersportverein gebildet hat. Das ist mit vielen Fussballvereinen passiert, die aus anderen Sportvereinen hervorgegangen sind. Letztendlich zählt aber die behördliche Anmeldung. 

 



Zur Untermauerung dieser Theorie möchte ich noch einen Zeitungsartikel aus dem Jahre 1902 hervorheben, wo ein „RC Rudolphshügel“ gegen einen „Sp.C. Rudolphshügel“ gespielt hat. Beide hatten ihre Vereinslokale quasi nebeneinander im Zehnten Bezirk. Ersterer bestand seit 1895, zweiterer seit (vmtl.) 1902. In der Zeitung wurden die Vereine damals immer verkürzt dargestellt sodass es für mich heute nicht wirklich nachvollziehbar ist, welcher der Vereine jetzt gemeint ist.

Ebenfalls konstituiert hat sich im November 1902 ein Fussballverein namens „Eintracht“. Näheres werde ich hier reinstellen, wenn ich über ihn stolpere. 




Halblustiges aus alter Zeit

 

Wieder etwas Lustiges aus vergangenen Zeiten: Ein Artikel, der sich mit einem Stier beschäftigt, der ein Fussballspiel unterbracht. Ein Wärter führte ihn dann wieder nach Hause.

 

Ein Stier verjagt zwei Fussballmannschaften

Bei einem Match in Hanley in England am Samstag durchbrach plötzlich ein auf einer Wiese neben neben einem Fussballplatz weidender Stier die trennende Planke, gereizt durch die rothen Hemden einer Partei, und begann als „Stürmer“ auf die Spieler Jagd zu machen, die sich zum großen Vergnügen des sich in sicherer Lage befindlichen Publicums möglichst schnell salvierten, dem Stier das Feld überlassend. Er musste sich damit begnügen, einige Eckflaggen zu demoliren. Das Spiel konnte erst fortgesetzt werden, als sein Wärter den Stier abholte.

 


Ein sehr mysteriöser Verein, den ich gefunden habe, war der FC Habsburg. 1902 gab es einige Notizen zu diesem Verein, der mir bisher vollkommen unbekannt war. Ich gehe allerdings davon aus, dass die Familie Habsburg nichts ursächlich mit dem Verein zu tun hat. 





Freitag, 24. Juli 2026

Die letzten zwei Testspiele

 In der vorletzten Juliwoche spielte der FAVAC zweimal ein Testspiel. Das erste, am 22. Juli fand in Maria Lanzendorf statt, einem kleinen aber feinen Örtchen gleich hinter Wien (oder vor Wien, je nachdem woher man kommt). Der dortige rotschwarze Verein, 1935 gegründet und in der Gebietsliga SSO spielend hat uns eingeladen. Spielerisch war es eine Wirtshauspartie, die der FAVAC mit 4-1 gewann, die Kantine ist aber Fussballhistorikern voll zu empfehlen. Auch die Leute dort waren sehr, sehr nett.




Die zweite Partie führte uns auf den "El-A-Cee" Platz zu alten Bekannten aus Stadtligazeiten. Ebenfalls ein rotschwarzer Verein mit dem wir uns schon des öfteren sportlich gemessen haben. Das Anfangsergebnis in dieser intensiven Partie war auch das Endergebnis. 








Sonntag, 12. Juli 2026

Vereinsgründungen Teil 1

 

Am 22. Juni 1900 veröffentlichte das „NTW“ die Meldung, dass eine freie Spielvereinigung namens Germania seinen Spielbetrieb aufgenommen hat. Diese freien Spielvereinigungen setzen sich oftmals aus Spielern verschiedener Vereine zusammen. Eine zweite nennt sich Fortuna und wird aus Spieler von Union und Victoria Wien gestellt. Ein näherer Zweck erschließt sich mir zwar nicht, irgendeinen Sinn wird es schon haben. Ein Zweck war sicherlich, während der Spielpause den Spielern, die nicht auf Sommerfrische fuhren, eine Trainingsmöglichkeit zu bieten. Jedenfalls haben diese Vereine eine offizielle Adresse und einen Vorstand. Im Falle von Germania sind dies: S. Grünbaum als Obmann, Spielführer (Captain) E. Zander, Schriftführer war R. Nagy und Kassier P. Siems. Am 7. Juli fand ein erstes Spiel gegen den Marienthaler FC statt.

 



Am Donnerstag, den 2. August 1900 fand die konsituierende Sitzung, sprich die Vereinsgründung des „Fussball Clubs Wieden“ in Glasers Restauration, V., Mittersteiggasse 8 statt. Der Verein richtete auch eine Annonce an alle sportinteressierten Männer in der Umgebung. Ein H.M. Skalitzky hat diese Notiz verfasst. Als Vorstand gewählt wurden folgende Personen: Poldi Eigl als Obmann, sein Stellvertreter wurde Wilhelm Goldschmied, der Kassier war Alois Rötzer, Schriftführer erwähnter Herr H.M. Skalitzky, Spielführer (Captain) wurde Hugo Wagner, dessen Stellvertreter war Anton Zlapetal welcher auch gleichzeitig Zeugwart war.




Samstag, 11. Juli 2026

Elektromobilität

Ich habe immer wieder Diskussionen betreffs E-Autos und so. Und da habe ich doch glatt einige Artikel und Werbeeinschaltungen aus den Jahren 1897, 1899, 1901 und 1902 gefunden, in dem es um den Verkauf von E-Autos geht. In Wien gab es sogar einen Hersteller von E-Autos. Schön waren sie nicht aber die Reichweite von bis zu 100 Kilometern schon beeindruckend. Hundertvierundzwanzig Jahre später simma im Durchschnitt bei 300. Die damaligen Benziner kamen noch nicht einmal auf diese Reichweite, da sie rund 15 Liter pro hundert Kilometer brauchten und es kein Tankstellennetz gab. Da kaufte man Benzin in der Apotheke. Ich stelle jetzt mal die Frage, was passiert wäre, hätten sich damals nicht einige alte Deppen entschlossen, Krieg zu spielen. Also nicht nur bei der E-Mobilität sondern auch bei der politischen Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen und die damit verbundene geopolitische Situation von heute. Und überlegen wir weiter: als die ersten Benziner auf den Markt kamen gab es quasi nirgends frei verfügbaren Treibstoff in ausreichenden Mengen sprich es war damals vermutlich mühsamer, Benzin als Strom zu bekommen, da die Elektrifizierung damals schon weiter war als die Produktion von Benzin. Den benötigte man damals nur in der Medizin in größeren Mengen. Das erste Serienauto, der Benz Velo schaffte grad mal 20 Km/h. Auch da war das E-Auto vorne. Trotzdem hat sich der Verbrennungsmotor gegenüber dem E-Motor durchgesetzt obwohl das schwächere Produkt. Vielleicht ein Denkanstoß.





Um 1900 wurden in den USA 40% der Autos mit Dampfkraft, 38% mit Strom und 22% mit Benzin betrieben. Auch das ist eine Fußnote, die erwähnenswert ist. Die ersten Elektroautos wurden 1881 gebaut, der erste Wagen mit Benzinmotor 1886. Leider hat man punkto Elektromobilität nicht mehr weiter geforscht und die Infrastruktur ausgebaut. 






Mittwoch, 8. Juli 2026

SC Transvaal

 

In den sozialen Netzwerken findet man einiges von einem Verein namens SC Transvaal. Die in den Vereinsfarben Rotschwarz spielenden Kicker sollen erstmalig 1900 unter diesem Namen in Erscheinung getreten sein, sich wieder aufgelöst und 1911 neu gegründet haben. Gespielt haben sie am „Ottakringer Platz“ in der (heutigen) Kendlerstraße 42. Fussballfans kennen ihn als Helfortplatz. Die Blauweissen haben ihn 1921 übernommen. Was für mich spannend ist, ist die Tatsache, dass im Tagblatt vom 19.6.1901 ein Radfahrverein namens „Transvaal“ aufscheint. Aufgrund der Tatsache, dass es nicht allzuviele Vereine mit diesem Namen gegeben hat, könnte es sein, das sich aus diesem Radlerverein eine Fussballmannschaft entwickelt hat. Eben der erste SV Transvaal. Wissen tu ich es natürlich nicht. Falls ich da über mehr Informationen stolpere, wird sie hier eingepflegt. Das älteste Mannschaftsfoto von Transvaal, welches ich habe ist aus dem Jahr 1912. Den Verein gab es bis 1979.





Lustigerweise gibt es in Surinam, dem ehemaligen Niederländisch Guyana einen Verein namens FC Transvaal. Dieser Verein wurde 1921 gegründet und erhielt diesen Namen, weil die damalige Provinz der Südafrikanischen Union in den surinamesischen Zeitungen oft erwähnt wurde.