Samstag, 20. Juni 2026

Noch mehr analoges Internet

 Im Jänner 1914 entflohen in der Nähe von Jekaterinenburg (Russland) 25 Leprakranke, „erschreckten eine Kosakenpatrouille“, kaperten einen Postzug und fuhren in die Stadt hinein, wo sie Panik verbreiteten. Sie beschwerten sich beim zuständigen Sanitätsamt, wurden beruhigt und wieder zurückgebracht. Is eh ned lustig, aber so wie das geschrieben ist – Bussi!



Auch eine sehr wertvolle Information: Im Jänner 1914 flog die erste ägyptische Haremsdame mit einem Aeroplan. Heut würd ma Flugzeug dazu sagen. Warum das eine Meldung wert war, weiß der Kuckuck.

 


Ein Selbstmord in der Telefonzelle erschütterte die Gesellschaft. Ich habe keine näheren Informationen aus den Zeitungen, warum das passiert ist, den Zeitungen war es  jedenfalls ein Bild wert



Aus dem analogen Internet vor 120 Jahren

 

1913 war ein Zirkus in Leipzig. Der hatte Löwen mit. Einer davon brach aus. Es gab eine glückliche Löwenjagd, verletzt dürfte niemand geworden sein und so wurde der Zirkusdirektor Kreiser zu 100 Reichsmark (wieder so eine alte Währung) und der Kutscher, der den Wagen mit dem Löwen unbeaufsichtigt ließ, zu 25 Mark wegen Vergehens gegen die Verkehrsvorschriften verurteilt. Auch ned schlecht. Also merkts euch: wenn euer Hauslöwe bäule geht ist das ein Verstoß gegen die StVO.

 


Die letzten Tage des Jahres 1913 waren für Schauspieler und Varietekünstler ned so gut: zuerst erschiesst der senile Vater seinen Sohn, einen Varietekünstler, dann räumt sich ein Sänger nach der Vorstellung selber weg, weil er „derrisch“ geworden ist. Na ja.

 




Am 1. Jänner 1914 fand man in der Rubrik „Was gibt es Neues“ heraus, dass auf Silvester Neujahr folgt. Schlaue Burschen, diese Redakteure. Waren immerhin nüchtern genug, sich daran noch zu erinnern.

 


Was macht man in Rußland, wenn die Eltern gegen eine Ehe ihrer Tochter mit einem selber ist? Genau, man entführt das Töchterchen. Passiert im Jahr 1914.



Was früher so alles "Sport" war

 


Die „illustrirte Sport Zeitung“ ist auch so ein halbirres Blatt: da werden Rennwolftouren im Harz angeboten, die älteste deutsche Raubtierfallenfabrik angepriesen oder die Bürgerschützengarde von Budapest vorgestellt. Oder Kostümbälle für Radfahrvereine. Schon damals hatten die Radler die irre Idee, in Gebäuden herumzugurken. Ebenfalls befremdlich ist der Artikel, in dem man sich darüber Sorgen machte, warum junge Mädchen zu alten Jungfern werden. Ich habe noch nicht ganz herausgefunden, welche Sportart das im Detail ist, nehme aber Anregungen gerne an. Im Übrigen finde ich Schienbeinschützer für Pferde auch eher – nuja – wobei, warum nicht. Ziemlich gschissn hab ich das Foto über den Tigerfang mit Fangeisen gefunden. Ich mein, habens denen einbrochn?






Salon"sportler"

 

Beim Stöbern in alten Zeitungen bin ich auf ein Blatt namens „Sport und Salon“ gestoßen. Bei der Durchsicht alter Exemplare aus der Zeit des Ersten Weltkriegs fiel mir auf, dass „Sport“ dort sehr rudimentär vorgekommen ist, die kriegführenden Menschen und Adeligen aber sehr wohl. So wurde der Besuch des türkischen Kriegsministers Enver Pascha 1917 samt Ordensverleihung gefeiert – warum erschließt sich mir nicht, da ich es für ein wenig irritierend finde, dem Organisator des Völkermords an den christlichen Armeniern zu ehren. Auch die Kinder des ermordeten Thronfolgerpaares wurden abgelichtet. Daneben wurde noch das von Revolutionären gestürmte Winterpalais in Sankt Petersburg gezeigt und zum Drüberstreuen noch eine „Postkartenansicht“ des zerstörten Reims. Insgesamt fand ich einen einzigen Artikel über Fussball, nämlich vom Kronprinzenpokal 1917 in Berlin. Ich finde dieses Blatt ein wenig sehr befremdlich.






Noch befremdlicher finde ich die Proklamation der Republik Deutschösterreich, welche in diesem Blatt – keine Ahnung welcher Sport das gewesen ist, vielleicht Schiesssport, da damals ja Schüsse gefallen sind, die 4 Tote und 20 Verletzte forderten – veröffentlicht wurden.




Freitag, 19. Juni 2026

Nochwas zur Helfort.....

 ........weils so lustig ist: In der Saison 1936/37 wurde Helfort in der 2. Klasse Nord Meister. Damit war er berechtigt, in zwei Spielen gegen den Meister der 2. Klasse Süd, Simmeringer SC und dem Meister der Provinzmeisterschaft, Sturm Graz um den Einzug in die 1. Klasse (sprich 1. Bundesliga) zu kämpfen. Und wissts was: Sie hams vergeigt. Wie immer. Jetzt dürfts grinsen. 







Und das ist die Versagermannschaft von Damals: 





Weiter geht es mit den Publikationen

 Mit dem Erreichen der Ersten Klasse wurden die Rotschwarzen aus Favoriten immer prominenter und finden in den Sportblättern einige Erwähnungen. Sogar Fotos kommen hie und da vor. Hier mal etwas aus dem Jahre 1936:







Vermischtes

 

Knapp nach dem Krieg, es war noch arschkalt im März 1919 befassten sich die Sportblätter damit, wie man das Schwimmen „volkstümlich“ machen könnte. Ich hätt da a Idee: werfts einfach die ganzen Bsoffenen in die Donau und schauts, was dabei rauskommt. Oder wo.

 


Japan, welches sich seit 1932 im Kriegszustand mit China befindet hat sich 1935 ernsthaft Chancen auf die Ausrichtung der Olympischen Spiele 1940 ausgerechnet. Ich weiß ja nicht, wie das vor sich gehen soll aber auf den Inseln dort glaubten sie fest daran. Leider haben sie keine Kirchen zum Glauben weswegen es 1940 keine Olympiade in Tokio gab.

 


In Porto gab es fast in der Innenstadt ein historisches Stadion namens „Lima“, benannt nach einem portugiesischen Unternehmer, dessen Witwe den Platz 1923 an den Verein Academico FC, gegründet 1911. Auf diesem Platz spielte die österreichische Auswahl im Winter 1936. Das Stadion sah allerdings noch andere Dinge wie Autorennen oder Radrennen. Von 1940 bis 1952 spielte auch der FC Porto auf diesem Platz. Es wurde schließlich in den 60er Jahren abgetragen.



Zeitungssplitter Teil Irgendwas

 

Oberösterreich hatte 1935 immerhin schon ganze 31 Fussballvereine. 31. Eine Wahnsinnszahl, wenn man sie mit Favoriten vergleicht, das in dieser Zeit weit über 60 Vereine beherbergt. Aber immerhin treten dort einige Menschen spaßeshalber gegen den Ball, um ihn in ein Tor zu befördern. Vorzugsweise in das des Gegners.

 


In den 30er Jahren gab es hohen Besuch in der CSR (Tschechoslowakischen Republik, das zweite S ist erst nach 1945 dazugekommen): Sparta Chicago kam nach Kladno. Ihr fragt euch jetzt: „Hääh, Sparta Chicago? – Säuft der?“ Nein, das war der Verein der Exiltschechen. Gabs wirklich. Er wurde – glaubt man der Historie – 1917 gegründet und existierte mit mehreren Zusammenschlüssen bis Anfang der 80er Jahre. Österreichischen Fussballfans ist er vielleicht dadurch bekannt, dass er 1926 gegen die Wiener Hakoah, die eine US-Tournee absolvierten, spielte. Zwischen 1927 und 1939 wurden sie zehnmal Meister. Lustigerweise werden in der „ewigen Tabelle“ auf Wikipedia diese 10 Titel gezählt, in der darunter folgenden Aufstellung sind es nur neun. Ja, Amis und Zahlen. https://en.wikipedia.org/wiki/Chicago_Sparta

 


Estland, welches von 1710 an Teil des Russischen Reiches war erklärte am 24. Febraur 1918 seine Unabhängigkeit, welche zwei Jahre später von der Sowjetunion anerkannt wurde. Im Zuge des Deutsch-Sowjetischen Nichtangriffspaktes am 23. August 1939, der geheime Zusatzklauseln enthielt wurde Estland 1940 von der UdSSR annektiert. Während ihrer ersten Unabhängigkeit wurde in Estland natürlich auch Fußball gespielt. In den 30er Jahren absolvierten sie eine Europatournee, welche sie nach Ungarn und in die CSR führte. Eine Anfrage an den österreichischen Fußballverband blieb offenbar unbeantwortet bzw. wurde – typisch österreichisch – ignoriert.

 


Der Bezirksteil mit dem größen Gsindelanteil war nicht in Favoriten, Simmering oder Meidling zu vermuten, nein es war Breitensee. Dort dürften sich seinerzeit ziemlich viele Raskachln herumgetrieben haben.

 


Zum Schluß noch die ewig junge Geschichte des „Vienna Cricket and Football Clubs“, welcher sich bis heute mit der Vienna quasi duelliert, wer der erste österreichische Fussballverein denn war/ist. Rechtlich gesehen ist es klar: Die Vienna ist einen Tag älter. Betrachtet man aber die sportliche Historie so fällt auf, dass die Cricketer (lt. Eigenangaben) seit 1892 dem runden Leder nachgejagt sind. Seit wann es die Vienna tat – Hm. Aber man darf auch nicht vergessen, dass es in der Kernölprovinzhauptstadt namens Graz auch schon so um 1893 Menschen gegeben hat, die dem Fussball hinterherjagten. Irgend ein Uniprofessor hat einen Ball aus Prag mitgenommen (wo schon seit 1887 Fussball gespielt wurde) und mit seinen Studenten herumgespielt. Wie auch immer, die Geschichte der Cricketer ist nicht unspannend.





Donnerstag, 18. Juni 2026

Rotschwarz in der Presse


In der Mitte der Dreißigerjahre war der FAVAC in seiner bisher stärksten Phase seines Bestehens und wurde in den Medien vermehrt genannt. Hier ein paar dieser Pressesplitter: