Dienstag, 4. August 2026

Stadion der Stadt Wien

 Im "Neuen Wiener Tagblatt" vom 16. Oktober 1904 stand geschrieben, dass auf dem neuen Sportplatz in Dornbach, Hernalser Hauptstraße, Station Kainzgasse am 17. Oktober 1904 der neue Sportplatz mit dem Spiel: Wr. Sportvereinigung gegen Soproni FC eröffnet wird. Es ist dies das Eröffnungsspiel jenes Platzes, auf dem Der FAVAC am letzten Freitag sein Spiel gegen den Wiener SPORT Club gehabt hat. 

Beim "Soproni FC" handelt es sich um den 1900 gegründeten Soproni Futball es Atletikai Club, den es heute noch gibt. Sein Stadion sieht noch so aus wie vor hundert Jahren. Einst das Aushängeschild spielt der Klub jetzt in den Niederungen der ungarischen Komitatsliga. 

Anger réti SFAC 1900 SE - Wikipedia

Das Spiel der beiden Mannschaften ging mit 7-3 zugunsten der Wiener aus. 




To be or not to be

 

Der FC Hellas Nußdorf, eigentlich schon seit Jahren aktiv, wenn man den Artikeln glauben darf hat sich 1904 offiziell konstituiert. Auch interessant, wenn man bedachte, dass die KuK Stadthalterei da ziemlich rigide gewesen ist.


 

Die Eröffnung des Dornbacher Sportplatzes verschob sich 1904 vollkommen überraschend erneut.





Städte- oder Länderspiele?

 

Ein weiteres tolles Ding damals war die Bildung eines „Wiener Teams“, welches sich aus den besten Fussballspieler aller Vereine zusammensetzte. Also quasi ein Nationalteam oder Städteteam. 1899 wurde dieses Team ins Leben gerufen und spielte so die quasi ersten Länderspiele. Daneben gab es auch eine Sommermannschaft, die Ramblers. Sowohl in Wien als auch in Budapest gab es eine solche Mannschaft, die aber eher Propagandaspiele austrug. Halt einfach Sommerfussball. Am 9. Oktober 1904 gewann das Wiener Team gegen Budapest mit 5-1.



Montag, 3. August 2026

Die "Oesterreichische Fussball Union" löst sich auf

 Die "OeFU" war der erste echte Verband im heutigen Österreich. Hervorgegangen aus dem "Comitee zur Abhaltung von Wettspielen 1896" war sie vor allem auf Betreiben des großen Mannes des österreichischen Fussballs, M.D. Nicolson im Jahr 1900 entstanden. Nicht alle damaligen Vereine waren sogenannte "Verbandsvereine" sondern nur etwa ein Drittel der Mannschaften traten bei. Die Konsequenz daraus war der "Neue Wiener Tagblatt" Pokal für Verbandsmannschaften, die erste österreichische Meisterschaft (die vom ÖFB nicht anerkannt wurde). Der Wanderpokal ging nach dem dreimaligen Gewinn an den Wiener Athletik Club, dem damals wohl besten Verein in Wien. Zeitgleich gab es in Österreich-Ungarn auch den "Challenge Cup", welcher 1897 von den Cricketern gespendet worden war und der für alle Mannschaften in Österreich-Ungarn offen war. Verbandsmannschaften wohlgemerkt. Beide Konkurrenzen bargen immer wieder Zündstoff, da die damalige Einteilung in "erstklassige" und "zweitklassige" Mannschaften meiner Meinung nach vollkommen willkürlich waren und - was die Ergebnisse betraf - oft nicht die Realität abbildeten. 1903 schließlich kam es in beiden Konkurrenzen zu einem Eklat, an dem die Vienna und der Wiener AC 1898 (der sich kurz darauf auflöste) beteiligt waren. Ein Spiel der beiden Mannschaften wurde annuliert und sollte nachgetragen werden. Es wurde nicht nachgetragen. Der zweite Eklat, bei dem die Vienna wohl schuldlos war war, dass viele Verbandsmannschaften ihre Wettspiele (seit 1896 verlangte man Eintritt) nicht zu Ende spielten, sprich abbrachen wenn sie keine Lust mehr hatten. Das förderte den Unmut aller und so traten Anfang 1904 die Vienna und die Cricketer aus der "OeFU" aus und besiegelten den Untergang. Im September oder Oktober, so genau gibt das der Artikel nicht her löste sich die "OeFU" auf, deren Vereine traten dem zeitgleich gegründeten "Österreichischen Fussball Verband", heute ÖFB bei und beteiligten sich ab September 1904 an einer meisterschaftsähnlichen Pokalkonkurrenz. Das Challenge Cup Comite´ wiederum trat zurück und machte einem neuen Platz. Dieser Cup sollte bis fast zum Ersten Weltkrieg weitergespielt werden. 






Neue Fussballplätze

 

Im Herbst 1904 wurden einige Fussballplätze eröffnet. Hetzendorf zum Beispiel oder auch der Schwechater Platz. Das größte Medienereignis war aber die Eröffnung des neuen Cricketerplatzes, welcher am 25. September 1904 stattfand. Der 1. Münchner Sportclub von 1896 war zu Gast und bekam eine unvorstellbare 20-1 Packung verpasst.










SK Sturm Wien 1904

Noch ein paar Schnipsel zum ersten und "echten" SK Sturm. Die Grazer Kopie, die es zugegebenermaßen noch heute gibt wurde fünf Jahre später gegründet. 



Und um das noch zu vervollständigen: Es gab in Wien, nämlich in Favoriten noch einen Sportclub Sturm, gegründet 1907.



Schräge Vereine

Heutzutage gibt es ja viele eher schräge Vereine und wie man so auf Denglish sagt, "NGOs". Das dies kein Phänomen unserer Tage ist, beweist ein Artikel vom 2. September 1904 in dem geschrieben steht, dass man die Grünung eines "Vereins zur Bekämpfung der Staubplage" gründen will. Wie genau die Staubplage bekämpft werden sollte bleibt offen, man wollte damit aber die "Feinde des Automobilismus" dezimieren wie es im Artikel heisst und gleichzeitig den Automobilsport fördern. Damals rasten die Karossen ja mit immerhin fast 40 km/h über die Pisten. Da kann schon viel Staub aufgewirbelt werden. 



Ruderboot gesucht

 Im Sommer 1904 ging während eines Trainings ein Ruderboot des Ruderclubs "Die Piraten" aus Langenzersdorf verloren. Der Verein veröffentlichte daraufhin eine Suchmeldung. Gefunden wurde das Boot bis heute nicht. Falls also irgendjemand ein 1894 gebautes braunes Ruderboot findet, bitte in Langenzersdorf abgeben. Danke. 



Sonntag, 2. August 2026

Auf den Spuren von Nick Knatterton

 

Wir waren ja letzten Freitag in Dornbach, am ehemaligen Sportclubplatz jetzt „Stadion der Stadt Wien“ und da trifft es sich gut, dass ich einen Zeitungsschnipsel aus dem Juli 1904 finde, an dem die „Wiener Sportvereinigung“ anzeigt, einen neuen Platz in Dornbach gefunden zu haben und deswegen den bisher genutzten Cottageplatz aufgeben würde. Über den Cottageplatz kann man in diesem Blog schon etwas lesen, interessanter ist der neue Platz in Dornbach. Ich kombiniere messerscharf, dass das die erste Erwähnung des heutigen „Stadion der Stadt Wien“ ist, die man in den Tageszeitungen finden kann. Das genaue Datum der Ausgabe war der 5. Juli 1904.

 



Ein weiterer Zeitungsartikel beschäftigt sich mit dem ersten Fussballspiel in Innsbruck vom 21. Juli 1904 statt. Dort wurde berichtet, dass „kürzlich“ eine Innsbrucker Mannschaft, nämlich der „Innsbrucker Turnverein“ ein Spiel gegen einen kleinen Münchner Verein namens „Bayern München“ absolviert hatte. Das Spiel ging 1-1 unentschieden aus.

 


Auch spannend war die Erwähnung einer „Favoritner Austria“ am 23. Juli 1904, die gegen Rudolphshügel (welche?) ein Spiel auf dem eigenen „Austriaplatz“ spielen sollte. Wer dieser Verein ist und wo der Platz war konnte ich bisher noch nicht in Erfahrung bringen. Aber ich finds spannend.

 


Ebenfalls wurde die Fusion des Brigittenauer Sport Vereins mit dem Sport- und Geselligkeitsverein „Vorwärts“ angezeigt.

 


Ein Herr Hermann Blaha, wohnhaft Wien XVII, Rosensteingasse Nr. 65 suchte namens des Sporverein „Transvaal 1904“ Wettspielgegner für den Sommer.

 


Eine Generalversammlung gab es bei einem Verein namens FC Helios Floridsdorf im Juli 1904, der Schriftführer ist mir ins Auge gestochen: Adolf Krautschneider. Hübscher Name.



Hybride Autos anno 1904

 Hybridautos werden ja als supertolle neue Kombination zwischen Elektroautos und Benziner gefeiert. In den letzten Jahren gab es da einen richtigen Hype darum. Jeder wollte diese tolle neue Erfindung haben. Tatsache ist aber, dass diese „neue“ Erfindung schon im Jahr 1904 erfunden wurde. Die Firma Lohner-Porsche präsentierte auf der Automobilausstellung die ersten „Elektro-Benziner“. Drei schnittige Modelle waren im Angebot. Nachzulesen hier:

ANNO, Neues Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe), 1904-04-29