Freitag, 31. Juli 2026

Wiener Sportclub gegen Favoritner AC

 

Eine Reise in Stadion der Stadt Wien

 


Wien ist ja eine schöne Stadt, die manchmal umgebaut werden muss. Also hat man sich gedacht, dass man die Bezirke, die Gott mit keiner besonderen Schönheit ausgezeichnet hat, ein bisserl umbaut. Begonnen wird mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, damit die armen Leute auch wirklich in ihre Wohnhöhlen finden. Oder in das Stadion der Stadt Wien, dem ehemaligen Sportclubplatz. Dort ist alles Neu: Die „blaue Tribüne“ ist jetzt schwarz und trägt die weißen Ziffern der Gründung irgendeines Radfahrvereines, die Friedhofstribüne ist endlich überdacht und mit lustigen „Kuhpferchmodell“-Sitzen/Stehern ausgerüstet, sprich alles wurde getan, um rauschende Fussballfeste zu feiern. Die Haupttribüne ist ein bischen steiler als die alte und ebenfalls überdacht. Und sie hat einen Lift, mit denen die älteren Sportclubfans, also jene, die es schon waren als der WSC noch seinen Arierparagrafen hatte hinaufkommen können. Vielleicht laufen deshalb heute noch einige Leute mit Mohammed Amin Al-Husseinis* schwarzweiß karierten Tüchern herum. Man weiß es halt nicht. Und es ist auch egal.



Der Einlaß ist ein bisserl kompliziert, das Ticketsystem komisch und man bekam eine Kontrolle wie auf dem Flughafen. Inklusive Rucksack. Aber das – siehe Stichwort schwarzweisse Tücher oben – wahrscheinlich nicht ohne Grund. Gut. Wir waren dann drinnen und beflaggten unseren Sektor, der auf der Haupttribüne war, da die „blaue“ (jetzt schwarze) Tribüne nicht offen war. Die Gastro warats, wegen der man nicht aufsperren wollte. Also waren wir auf der Längstribüne. Gut bewacht von mehreren Securitys, einer hatte sogar einen Hocker mit, und der Polizei. Lustig.



Bei Spielbeginn begannen wir unseren geliebten und geschätzten Support und erstaunten damit das anwesende Publikum, die nur die „Murmlertribüne“ gewohnt waren. Manöverkritik: Wenn ich 500 Leut auf einer Fantribüne habe, dann hört man die Auswärtsfans quasi nie. Im Stadion der Stadt Wien war das doch der Fall. Nur nach den Toren hörte man, was diese Tribüne zu leisten imstande ist. „You only sing when your winning“. Die Sportclubfans sind halt immer noch so chillig, bunt und antifaschistisch wie früher. Also die echten, nicht die Freizeitfussballfans, die das Ganze mit irgendeinem Event, politischen Treffen oder Sesselkreis verwechseln.

Das Spiel selber ist schnell erklärt: Ohne unseren Tormann hätten wir eine klare Packung bekommen. So verloren wir nur 0-2. Über das Danach kann ich nicht viel sagen, da ich damit beschäftigt war, aus Dornbach wieder öffentlich irgendwie in die Stadt zu kommen und das auch geschafft habe. Gute Nacht.

 


 NUR DER FAVAC!


*) 1895 (?) – 1974, Großmufti von Jerusalem, Antisemit, SS-General, Muslimbruder und Ziehvater von Yassir Arafat. Er „erfand“ in den 1920er Jahren die schwarzweiße Kufiya, um seine Kämpfer zu schützen. Ich nehme an, Jeder von Euch hat Google. A „sympatisches“ Kerlchen quasi.



Englische Schnurren

 


Der MTK in Wien

 

Am 11. März 1904 veröffentlichte das Neue Wiener Tagblatt die Meldung, dass der Magyar Testgyakorlok Köre 1888, kurz MTK, dessen Fussballsektion 1901 entstand ein Spiel gegen den Wiener Athletik Klub 1897 (also dem WAC) in Wien absolvieren wird. Es war dies der erste Auftritt des neuen ungarischen Vereines in Wien. Bereits im Vorjahr war der WAC nach Budapest gekommen und hat dort 2-1 gewonnen. Der MTK galt in seiner damaligen Form als absolut erstklassig und hat sich unter den „Großen Drei“ (das waren MTK, BTC und FTC) etabliert und den Mügyetemi AC (Verein der Hochschultechniker) auf den vierten Platz verwiesen. Das Spiel fand am 13. März 1904 am WAC Platz statt und endete mit einem glatten 7-0 Sieg der Rotschwarzen.






Donnerstag, 30. Juli 2026

Rudolphshügel oder Rudolphshügel: Wer war zuerst da?

 


Zum Sport Club Rudolfshügel und sein Gründungsdatum gibt es die unterschiedlichsten lustigen Geschichten. Eine dieser Geschichten findet sich auf fussballabzeichen.at wo das Gründungsdatum mit 8.11.1902 festgeschrieben, was sogar richtig ist. Anderes in diesem Text ist aber nicht so schlüssig. Richtig ist, dass es eine Fussballmannschaft der „Radfahrsektion Rudolphshügel“ (welche 1895 gegründet wurde - also die Radfahrsektion) gab, daneben gab es aber laut „Neuen Wiener Tagblatt“ bereits am 29.3.1902 eine Erwähnung eines „Sport Clubs Rudolphshügel“, welcher auf am Belgradplatz (wo sich auch ein Sportplatz befand) ein Spiel gegen den Margaretner Sport Verband ausgetragen hat (oder sollte). Vollkommen lustig wird es, als wir im Neuen Wiener Tagblatt ein Spiel zwischen dem RC Rudolphshügel gegen den SC Rudolphshügel finden, welches am 18.5.1902 stattfinden sollte. Ergebnis oder Bestätigung, dass es stattfand gibt es leider keine.

















Aufgelöst und Gegründet

 

Des einen Glück, des anderen Leid: Im Neuen Wiener Tagblatt wurde im Februar 1904 die Gründung eines Vereines namens „FC Sturm“ angezeigt, der sich aus ehemaligen Spielern des Wiener AC 1898, welcher sich kurz zuvor aufgelöst hatte zusammensetzt. Daneben gab es einen Tag später noch die Nachricht, dass sich zwei Vereine auflösten: Die (erste) Sparta und die Sportvereinigung Fortuna.




Krieg in Fernost

 

Gleichzeitig mit diesen Ereignissen gab es noch ein weltbewegenderes: Der Ausbruch des russisch-japanischen Krieges. Der lange schwelende Streit um Korea, die Mandschurei und die Halbinsel Liaotung, wo Russland mit Port Arthur einen eisfreien Hafen besaß eskalierte. Anfang Februar 1904 überfiel die japanische Flotte ohne Kriegserklärung den Hafen und versenkte einige russische Panzerschiffe. Der Krieg war ausgebrochen. Wie er ausgegangen ist wissen wir natürlich. Es war das erste Mal, dass eine europäische Großmacht einem asiatischen Land unterlag. Die Zeitungen haben dazu einige Karten veröffentlicht, die ich Euch hier nahebringen will. Beachtet die lustigen Schreibweisen der einzelnen Städte und Orte, die nach Gehör niedergeschrieben wurden:







Von der ÖFU zum ÖFB

 

Im Jahr 1903 zerbröckelte die „Österreichische Fussball Union“: immer weniger neu gegründete (oder schon länger bestehende) Vereine weigerten sich, der ÖFU beizutreten und spielten ihre Wettspiele abseits des Wiener Tagblattpokals oder des Challenge Cups aus, darunter auch viele Spiele im ungarischen und böhmischen Teil der Monarchie. Speziell der böhmische Verband wiederum war der ÖFU und dem Verband der „Deutschböhmischen Fussballvereine“ ein Dorn im Auge, die ethnischen Gegensätze brachen auf. Dazu kam, dass der Mitbegründer, Präsident und anerkannte Fussballexperte MD Nicolson (Magnus Douglas, kurz „Mark“) bereits ein dreiviertel Jahr nach seiner Bestellung zurück nach England ging. Der Einfluss der beiden ältesten Vereine, Vienna und Cricketer nahm ab und mit Einführung des „Wiener Tagblatt Pokals“ kamen andere Akteure auf den Plan. So vergingen drei Jahre, in denen die ÖFU versuchte, die Meisterschaft nur zwischen sogenannten „Unionsvereinen“, also Vereinen, die der ÖFU beitraten auszutragen. Da es aber so war, dass den rund 30 Unionsvereinen mehr als die doppelte Anzahl an „wilden“ Vereinen entgegenstand, die auch in der Sportpresse ihre Aufmerksamkeit bekamen schwand der Einfluss der ÖFU auf die eigenen Vereine. Im Herbst eskalierte dann der Streit mit der Vienna – siehe untenstehenden Blogbeitrag – und so kam es, dass am 20. Jänner 1904 via Tagblatt verkündet wurde, dass die beiden ältesten Vereine des Landes, Vienna und Cricketer aus der ÖFU austraten. Gleichzeit wurde auf Betreiben der Vienna (und auch der Cricketer) der „Österreichische Fussballverband“ als Gegengewicht gegründet wurde. Einige Verwirrung gab es im März 1904 über den Austritt des WAC, der letztendlich nicht erfolgte. Trotzdem sollte die Frühjahrssaison 1903/1904 des Tagblattpokals nur mit dem WAC, der Rapid und Graphia weitergespielt werden. Die dafür genannten Termine waren:

27.3.1904: Graphia – Rapid

14.4.1904: Rapid – WAC

12.5.1904: Graphia – WAC

Ob diese Spiele ausgetragen wurden, entzieht sich meiner Kenntnis, die Saison wurde aber laut vorliegenden Unterlagen nicht zu Ende gespielt.












Die roten Sterne betreten die Fussballbühne

 


Der Verein „Sportclub Red Star“ (heute Red Star Penzing) begann Anfang 1903 sein Wirken. Im März 1903 gab es den ersten Zeitungsartikel über diesen Verein, der noch heute existiert.  Seine lange Karriere begann er – wie so viele andere Vereine – ganz klein und spielte im Gründungsjahr mehrere Spiele auf seinem offenbar ersten Platz im 16. Bezirk, Herbststraße 24. Ihr „Clublokal“ wie man des damals nannte hatten sie im 15. Bezirk, Märzstraße, Gasthaus Hillgarth. Der Vereinsname, so spricht die Chronik auf der Homepage der Red Star entstand bei einem Spaziergang in der Innenstadt, wo die amerikanische „Red Star Line“ ein großes Büro mit einer Verzierung, nämlich dem Roten Stern hatte. Dies fiel den spaziergehenden Spielern auf und so beschlossen sie, den Verein „Red Star“ zu nennen. Auch wenn dies vielleicht eine hübsche Anekdote ist so ist es immer eine gute Geschichte. Red Star war in seiner langen Karriere leider nie erstklassig, konnte sich aber nach dem Ersten Weltkrieg lange in der damaligen 2. Klasse halten, nach dem Zweiten Weltkrieg waren sie langjährig in der z.t. zweitklassigen Regionalliga. Heute spielen sie in der Wiener Stadtliga. Ich habe versucht, alle Zeitungsschnipsel des Jahres 1903 zu finden und hier reinzustellen. Sie werden – auch was Spielergebnisse betrifft – immer weiter ergänzt.

Geschichte des Vereins - Redstar Penzing