Samstag, 6. Juni 2026

Die Politik 1933 und so

 

Weniger lustig war die politische Lage in Österreich: Bei den Wahlen in Deutschland ist der Postkartenmaler mit seiner (verflucht möge sie sein) Partei Reichskanzler geworden und das spiegelte sich natürlich auch auf die österreichische Politik um, wo diese Partei ebenfalls aktiv war. In Villach gab es zu dieser Zeit (Februar 1933) einen Wechsel des Bürgermeisters, sprich ein neuer sollte im Gemeinderat gewählt werden. Dies wollten zehn Abgeordnete der Fünf-Buchstaben-Partei verhindern, indem sie randalierten und vor der Abstimmung den Sitzungssaal verließen. Das passierte mehrmals und so entschloss sich der Gemeinderat, die zehn Männer von der Abstimmung auszuschließen und holte kurzerhand die Polizei her, die diese Männer arretierte. Ich verkneife mir jetzt jeden Hinweis auf eine heute existierende Drei-Buchstaben-Partei, die ähnlich agiert. Oder doch nicht.

 


Ebenfalls weniger lustig war das Attentat am 4. Februar 1933 auf die Mikrobiologin und Literatin Rosa „Rosi“ Meller durch einen Anhänger der Fünf-Buchstaben-Partei. Meller überlebte das Attentat und im nachfolgenden Prozess wurde sie wegen übler Nachrede zu sechs Monaten Arrest verurteilt, dem sie sich durch die Flucht nach Frankreich entzog. Meller war eine deutsch-ungarische Jüdin, die mit ihrer Familie nach der Machtergreifung Miklos Horthys de Nagybanyas in Ungarn nach Wien zog. Sie studierte in Halle und arbeitete danach in Wien im Laboratorium der Arbeiterkrankenhasse. Daneben schrieb sie unter dem Pseudonym „Frank Maar“ einige Bücher und Theaterstücke. In Budapest wurde sie eine gefeierte Bühnenautorin. Ihr Sohn, Georges Baal (eigentlich Georges Balassa) wurde Psychotherapeut, ihre Nichte Agnes Heller eine bekannte Philosophin. Die Familie überlebte die Shoa in Ungarn.



Frauenpartei und Verdauungsprobleme

 

Wenn man in den Zeitungen von 1933 – ich habe als erstes natürlich das Spiel der Vienna gegen die QPR genommen und rundherum geblättert – schaut, findet man einiges Interessantes oder Lustiges: So wird in der Rublik „Aus dem Publikum“ über Verdauungsbeschwerden gesprochen. Das dürfte damals ein großes gesellschaftliches Problem gewesen sein, hervorgerufen durch die damaligen Ernährungsgewohnheiten, die sich meist in der relativen Armut der kleinen Leute manifestierte. Jedenfalls – es war ein Thema, welches in der Zeitung behandelt wurde. Olfaktorisch war das vermutlich mit einer Fahrt in der U6 vergleichbar. 



Etwas politischer ist die Randnotiz, wonach die „Österreichische Frauenpartei“ ihre Generalversammlung abhielt. Im Jahre 1929 gründeten Frauenrechtlerinnen (richtig gegendert) um Marianne Hainisch (die Mutter des ersten Bundespräsidenten Michael Hainisch) herum diese Partei, die sich die Gleichberechtigung und Verständigung mit den anderen Parteien in Dingen der Frauenrechte zur Aufgabe gemacht hat. 1931 traten sie bei den Innsbrucker Kommunalwahlen (sprich Bürgermeisterwahlen) an, verfehlten aber ein Mandat. Dollfuß ließ die Partei 1934 vollkommen überraschend verbieten. Irgendwer musste ja am Herd stehen und kochen, während die Männer draussen auf Sozialdemokraten schossen – siehe Verdauungsprobleme.


Marianne Hainisch - Demokratiezentrum Wien


Der Sommer soll auch überbrückt werden

 

Meisterschaftspause

 

Die Schlacht ist geschlagen, die Meisterschaft beendet, der FAVAC ist weiter in der RLO und so muss man die fussballlose Zeit ein wenig überbrücken. Ich habe mir gedacht, ich stöbere wieder ein wenig in der Historie. Anstoß dazu hat mir das Spiel der QPR im Juli gegen die Vienna gegeben einmal nachzusehen, was sich da und dort so alles in den alten Zeiten getan hat. Die Berichte, die ich hier sammle, sind eher willkürlich, da ich nach Lust und Laune mal dahin- und mal dorthin schaue. Das Onlinearchiv ANNO bietet hier ja einen ganzen Haufen Interessantes und Spaßiges. Vielleicht ist auch das Eine oder Andere vom FAVAC dabei, mal schauen. Schnurren aus vergangenen Zeiten etwa. Man vergisst ja schon mal etwas.

Habts ihr zum Beispiel gewusst, dass man im Winter 1933, vermutlich auch schon vorher und nachher, auf der Trabrennbahn in der Wiener Krieau Schlittenrennen veranstaltet hat? Also Pferderln, die Schlitten gezogen haben? Heute unvorstellbar bei unseren Schnee“mengen“, damals aber durchaus üblich. Man schüttete den geschaufelten Schnee von der Straße einfach dorthin, planiert die ganze Geschichte und lässt die Pferde drauf traben. Oder schlittern, keine Ahnung, ob es auch „Winterhufe“ für Pferde gab. Müsst ich direkt mal nachfragen, ob die damals auch quasi Reifen- bzw. „Huf“wechsel gemacht haben. Also jedenfalls gab es das damals. Muss lustig ausgesehen haben, wie die die Kurven mit den Schlitten genommen haben, wäre interessant zu wissen, wieviele Jockeys es da „aus der Kurvn ghaut hat“. Und ob Schneemänner damals gratis reinkamen.

 


Achja, die Schweinekurse der Chicagoer Börse will ich Euch natürlich auch nicht vorenthalten: