Samstag, 20. Juni 2026

Was früher so alles "Sport" war

 


Die „illustrirte Sport Zeitung“ ist auch so ein halbirres Blatt: da werden Rennwolftouren im Harz angeboten, die älteste deutsche Raubtierfallenfabrik angepriesen oder die Bürgerschützengarde von Budapest vorgestellt. Oder Kostümbälle für Radfahrvereine. Schon damals hatten die Radler die irre Idee, in Gebäuden herumzugurken. Ebenfalls befremdlich ist der Artikel, in dem man sich darüber Sorgen machte, warum junge Mädchen zu alten Jungfern werden. Ich habe noch nicht ganz herausgefunden, welche Sportart das im Detail ist, nehme aber Anregungen gerne an. Im Übrigen finde ich Schienbeinschützer für Pferde auch eher – nuja – wobei, warum nicht. Ziemlich gschissn hab ich das Foto über den Tigerfang mit Fangeisen gefunden. Ich mein, habens denen einbrochn?






Salon"sportler"

 

Beim Stöbern in alten Zeitungen bin ich auf ein Blatt namens „Sport und Salon“ gestoßen. Bei der Durchsicht alter Exemplare aus der Zeit des Ersten Weltkriegs fiel mir auf, dass „Sport“ dort sehr rudimentär vorgekommen ist, die kriegführenden Menschen und Adeligen aber sehr wohl. So wurde der Besuch des türkischen Kriegsministers Enver Pascha 1917 samt Ordensverleihung gefeiert – warum erschließt sich mir nicht, da ich es für ein wenig irritierend finde, dem Organisator des Völkermords an den christlichen Armeniern zu ehren. Auch die Kinder des ermordeten Thronfolgerpaares wurden abgelichtet. Daneben wurde noch das von Revolutionären gestürmte Winterpalais in Sankt Petersburg gezeigt und zum Drüberstreuen noch eine „Postkartenansicht“ des zerstörten Reims. Insgesamt fand ich einen einzigen Artikel über Fussball, nämlich vom Kronprinzenpokal 1917 in Berlin. Ich finde dieses Blatt ein wenig sehr befremdlich.






Noch befremdlicher finde ich die Proklamation der Republik Deutschösterreich, welche in diesem Blatt – keine Ahnung welcher Sport das gewesen ist, vielleicht Schiesssport, da damals ja Schüsse gefallen sind, die 4 Tote und 20 Verletzte forderten – veröffentlicht wurden.