Samstag, 13. Juni 2026

Vermischtes

 

Die alten Zeitungen sind schon wahre Schätze, was skurrile Artikel betrifft. Nicht nur, weil sie in einem heute eigenartigen Deutsch geschrieben wurden sondern auch, was den Inhalt betrifft. So zum Beispiel jene Notiz über eine Frau Aloisia Kubitschek, wohnhaft Gellertgasse 58, die „gegen ½ 7 Uhr abends von Tobsucht befallen wurde und Miene machte, mit ihren Kindern aus dem Fenster im Ersten Stockwerk gelegenen Wohung auf die Straße zu springen. Die Türe zur Wohnung war versperrt und man hatte den Anstand, sie zu erbrechen, um die Irre nicht zu dem Sprunge zu veranlassen.“ Lustiger hätte man dieses tragische Ereignis nicht beschreiben können. Zum Glück kam die Feuerwehr aus der nahen Feuerwache Favoriten herbei, spannte ein Sprungtuch unter dem Fenster, während gleichzeitig Feuerwehrmänner in die Wohnung gingen und die Frau vom Fenster wegführten. Sie kam in die Psychiatrie. Die Überschrift dazu war: „Eine irrsinnige Frau!“ Bezeichnenderweise war von den Kindern kein Wort zu lesen.

 


Aus Tirol wurde der Tod des „weltbekannten Pfarrers Eller“ durch seine Schwester Kathi Eller vermeldet. Ich habe keine Ahnung, warum dieser Pfarrer weltbekannt sein sollte, habe von ihm noch nie etwas gehört, aber dass er eine Schwester namens Kathi hatte ist äusserst interessant. Er starb mit 84 und wenn seine Schwester nicht extrem viel jünger gewesen ist, muss sie auch schon eine ziemlich alte Schachtel gewesen sein.

 


Auch die Werbereklamen der Zeitungen, hier aus der „Reichspost“ waren allererste Sahne. Für uns heute vollkommen lustig haben sie damals jedoch viel dazu beigetragen, Produkte und Dienstleistungen bekannt zu machen. Zum Beispiel lesen wir hier, dass das „Hotel Fürstenhof“ neu eröffnet wurde und mit günstigen Konditionen Gäste begrüßt. Hundert Jahre später sollten die Besitzer auch noch eine Rolle beim Favoritner AC spielen. Die Annonce selber (wie auch alle anderen hier) stammen vom 28. Juni 1914, einem eher suboptimalen Datum für diese Einschaltungen. Wobei – man wusste ja nicht, dass sich gerade an diesem Sonntag der Thronfolger Franz Ferdinand samt seiner Gemahlin Sophie in Sarajewo von einem Studenten namens Gavrilo Princip abkrageln ließ.


Dafür war die Sonntagsausgabe extrem geeignet, Werbung für Altarteppiche zu machen. In der Rotenturmstraße 20 gab es einen Teppichhändler, der auf diese Altarteppiche spezialisiert war. Es ist nicht überliefert, ob er damit reissenden Umsatz gemacht hat. Genauso wenig weiß ich, ob Turmuhren damals dringend benötigt worden sind. Fall jemand allerdings ganz dringend am Sonntag so eine benötigte (falls die kircheneigene kaputt war) konnte er in die Schottenfeldgasse 56 eilen und dort eine erwerben.


Oder er machte etwas vollkommen Irres und ging in der Innenstadt auf Hasenjagd. Ich meine natürlich die mit den langen Löffeln, die zu Ostern die Eier bringen, also die echten Viecher. So etwas wurde ebenfalls beworben. Man stelle sich vor, man kommt aus der Messe vom Stephansdom raus und befindet sich in einer veritablen Hasenjagd,  bei der besoffene Jäger kreuz und quer auf den Asphalt schiessen.



Da braucht man dann natürlich ein kleines Moetscherl, welches die angegriffenen Nerven beruhigt. Der KuK Hoflieferant betreut sie wohlwollend. Bei einem Glaserl „White Star“ ist man bald wieder auf Schiene. Aber Vorsicht: nachher nicht jagen gehen!