Die alten Zeitungen sind schon wahre Schätze, was skurrile Artikel
betrifft. Nicht nur, weil sie in einem heute eigenartigen Deutsch geschrieben
wurden sondern auch, was den Inhalt betrifft. So zum Beispiel jene Notiz über
eine Frau Aloisia Kubitschek, wohnhaft Gellertgasse 58, die „gegen ½ 7 Uhr abends von Tobsucht befallen wurde und
Miene machte, mit ihren Kindern aus dem Fenster im Ersten Stockwerk gelegenen Wohung
auf die Straße zu springen. Die Türe zur Wohnung war versperrt und man hatte
den Anstand, sie zu erbrechen, um die Irre nicht zu dem Sprunge zu veranlassen.“ Lustiger hätte man dieses tragische Ereignis
nicht beschreiben können. Zum Glück kam die Feuerwehr aus der nahen Feuerwache
Favoriten herbei, spannte ein Sprungtuch unter dem Fenster, während
gleichzeitig Feuerwehrmänner in die Wohnung gingen und die Frau vom Fenster
wegführten. Sie kam in die Psychiatrie. Die Überschrift dazu war: „Eine irrsinnige Frau!“ Bezeichnenderweise war
von den Kindern kein Wort zu lesen.
Aus Tirol wurde der Tod des „weltbekannten
Pfarrers Eller“ durch seine Schwester Kathi Eller vermeldet. Ich
habe keine Ahnung, warum dieser Pfarrer weltbekannt sein sollte, habe von ihm
noch nie etwas gehört, aber dass er eine Schwester namens Kathi hatte ist äusserst
interessant. Er starb mit 84 und wenn seine Schwester nicht extrem viel jünger
gewesen ist, muss sie auch schon eine ziemlich alte Schachtel gewesen sein.
Auch die Werbereklamen der Zeitungen, hier aus der „Reichspost“ waren
allererste Sahne. Für uns heute vollkommen lustig haben sie damals jedoch viel
dazu beigetragen, Produkte und Dienstleistungen bekannt zu machen. Zum Beispiel
lesen wir hier, dass das „Hotel Fürstenhof“ neu eröffnet wurde und mit günstigen Konditionen
Gäste begrüßt. Hundert Jahre später sollten die Besitzer auch noch eine Rolle
beim Favoritner AC spielen. Die Annonce selber (wie auch alle anderen hier)
stammen vom 28. Juni 1914, einem eher suboptimalen Datum für diese Einschaltungen.
Wobei – man wusste ja nicht, dass sich gerade an diesem Sonntag der Thronfolger
Franz Ferdinand samt seiner Gemahlin Sophie in Sarajewo von einem Studenten
namens Gavrilo Princip abkrageln ließ.
Dafür war die Sonntagsausgabe extrem geeignet, Werbung für Altarteppiche zu
machen. In der Rotenturmstraße 20 gab es einen Teppichhändler, der auf diese
Altarteppiche spezialisiert war. Es ist nicht überliefert, ob er damit
reissenden Umsatz gemacht hat. Genauso wenig weiß ich, ob Turmuhren damals
dringend benötigt worden sind. Fall jemand allerdings ganz dringend am Sonntag
so eine benötigte (falls die kircheneigene kaputt war) konnte er in die
Schottenfeldgasse 56 eilen und dort eine erwerben.
Oder er machte etwas vollkommen Irres und ging in der Innenstadt auf
Hasenjagd. Ich meine natürlich die mit den langen Löffeln, die zu Ostern die
Eier bringen, also die echten Viecher. So etwas wurde ebenfalls beworben. Man
stelle sich vor, man kommt aus der Messe vom Stephansdom raus und befindet sich
in einer veritablen Hasenjagd, bei der
besoffene Jäger kreuz und quer auf den Asphalt schiessen.
Da braucht man dann natürlich ein kleines Moetscherl, welches die angegriffenen Nerven beruhigt. Der KuK Hoflieferant betreut sie wohlwollend. Bei einem Glaserl „White Star“ ist man bald wieder auf Schiene. Aber Vorsicht: nachher nicht jagen gehen!






