Mittwoch, 1. Juli 2026

Der Uridil

 

Pepi Uridil war der erste Fussballstar in Österreich. Über ihn gab es Artikel, ein Lied wurde gedichtet („Heute spielt der Uridil“) und er wurde ein Werbeträger für verschiedene Firmen. Er war ein sogenanntes „Christkindl“, geboren am 24. Dezember 1895 in Ottakring. Schon als keines Kind spielte er auf der Straße Fussball und erwarb sich so seine Fähigkeiten. Über kleinere Ottakringer Vereine gelangte er 1914 zu Rapid. Der Erste Weltkrieg unterbrach seine Karriere, da er – wie so viele Arbeiterkicker – an die Front musste. Bis 1927 spielte er bei der Rapid, unterbrochen durch ein Jahr bei der Vienna. Zeit seines Lebens wurden Witze über seine Intelligenz gemacht, welche auch in den Zeitungen ihren Ausdruck fanden. Über eine Reise nach Aussig (Usti na Labem) machten sie sich besonders lustig. Warum auch immer.



Er trat 1938 in die NSDAP ein, diente erneut im Krieg und wurde nach dem Krieg zunächst als "Minderbelasteter" eingestuft, diese Einstufung wurde durch einen Gnadenerlass von Bundespräsident Körner aber widerrufen. Uridil starb am 20. Mai 1962 in Wien. 

  • Josef Uridil: Was ich bin und wie ich wurde. Die Lebensgeschichte des berühmten Fussballspielers, von ihm selbst erzählt. R. Löwit, Wien 1924.

"Heute spielt der Uridil". Der erste österreichische Fußballstar | Mediathek

Die älteste Austria Österreichs (lange vor dem 1. Wiener Arbeitersportklub)



Die älteste Austria

 

Am 17. Mai 1896 wurde der „Rasenspielclub Austria“ gegründet. In seiner konstituierenden Sitzung bestimmten die Mitglieder folgende Positionen:

Vorsitzender: Alfred Hronek

Erster Obmann: Johann Schmelzer senior

Zweiter Obmann: Alfred Hronek

Kassier: Joseph Buchmann

Erster Kapitän: Johann Schmelzer junior

Zweiter Kapitän: Franz Andrä

Die Vereinsadresse damals war im 9. Wiener Gemeindebezirk, Nußdorfer Straße 78. Von 1896 bis 1898 absolvierte der Rasenspielclub Austria viele Wettspiele, ehe er – zumindest was die Erwähnung in den Zeitungen betrifft – 1899 vollkommen verschwand. Bereits Ende März 1898 hat sich dieses Zurückziehen angekündigt, da in einer Austrittswelle viele Spieler den Verein verliessen. Wenn man den Einträgen in sozialen Netzwerken glauben kann, so wurde der Verein 1904 in „Alpinverein D‘ Hergottschnitzer“ umbenannt, den es noch heute gibt. Namen alpiner Schutzhütten: Herrgottschnitzer-Haus, Gutensteiner Alpen (kreiter.info) Somit gibt es den Rasenspielclub Austria in anderer Form noch heute. Der Sportplatz war das „Exercierfeld Klosterneuburg“ in Klosterneuburg Weidling, wo sie ihre Heimspiele austrugen.

Nachgewiesene Spiele:

11.10.1896: Wiener Fussballclub – Rasenspielclub Austria 4-0

14.3.1897: Rasenspielclub Training – Rasenspielclub Austria 8-0

28.3.1897: Sportclub Hungaria – Rasenspielclub Austria 0-2

4.4.1897: Sportclub Hungaria – Rasenspielclub Austria 1-3

25.4.1897: FC Vindobona – Rasenspielclub Austria 2-4

23.5.1897: Rasenspielclub Training – Rasenspielclub Austria 2-1

7.11.1897: Sportclub Hungaria – Rasenspielclub Austria 4-2

28.11.1897: Rasenspielclub Austria – Sportclub Hungaria (Ergebnis unbekannt)

5.12.1897: Rasenspielclub Training – Rasenspielclub Austria (Ergebnis unbekannt)

8.12.1897: Vienna Cricket and Football Club II. – Rasenspielclub Austria 4-1

17.4.1898: Vienna II. – Rasenspielclub Austria 6-0

15.5.1898: Rasenspielclub Austria – Vindobona 0-3

9.10.1898: Vienna – Rasenspielclub Austria (Ergebnis unbekannt)

Insgesamt dürfte der Rasensportclub Austria in seiner aktiven Zeit 13 nachgewiesene Spiele absolviert haben, davon 3 gewonnen haben, bei 3 Spielen gibt es kein nachgewiesenes Ergebnis, während der Rest der Spiele verloren wurde. Allerdings – und das ist im Gegensatz zu vielen anderen jungen Vereinen gab es nur eine hohe Niederlage, nämlich jene gegen den Rasenspielclub Training mit 0-8. Trotzdem stellte die Fussballsektion des Rasenspielclubs Austria ihren Spielbetrieb Anfang 1899 ganz offenbar ein, 1904 folgte dann die beschriebene Umbenennung. 













Noch mehr analoges Internet

 

Ein heute unmögliches Werbesujet hat die Lotteriegesellschaft 1894 in die Zeitungen gesetzt: Die „Türkenlotterie“. Was auch immer damit gemeint ist, heute wäre der Aufschrei riesig. Persönlich vermute ich, dass es mit der für 1894 in Konstantinopel geplanten Weltausstellung zu tun hat. Der türkische Sultan hat dafür übrigens extra ein neues Ministerium geschaffen: Das „Landwirtschaftsministerium“. Was die Landwirtschaft mit der Weltausstellung zu tun hat verschweigt die Chronik. Durch das verheerende Erdbeben vom 10. Juli 1894 wurde sie ohnehin abgesagt, da die Stadt schwer beschädigt wurde.

 



Favoriten war nicht nur für seine Fussballvereine bekannt, sondern auch für die Fahrradvereine. Der größte Wiener Fahrradverein war der 1895 gegründete Arbeiterfahrradklub Favoriten.

 


Die Illustrierte Kronenzeitung, schon in ihrer ersten Ausgabe ein Revolverblatt vermeldete am 1. März 1905 stolz den Baubeginn einer „neuen Irrenanstalt“ am Steinhof. Jene psychiatrische Einrichtung die in den letzten Jahren geschlossen wurde.

 


Die Serben waren schon zu Beginn des Zwanzigsten Jahrhunderts ein lustiges Völkchen: Zuerst fordert ein degadierter Offizier den Kriegsminister zum Duell, weil der böse zu seinen drei Freunden war, und dann wurde ein Hauptmann, Redakteur der „Prawda“ entlassen, weil er Kritik an den Königsmördern von 1903 übte. Ob er die Entlassung lang überlebt hat verschweigt die Chronik.