Mittwoch, 29. Juli 2026

Der Wiener FC löst sich auf


Im Neuen Wiener Tagblatt erscheint am 15. Oktober 1903 die Nachricht von der Selbstauflösung des Wiener FC 1898. Einer der ältesten Vereine des Landes, Gründungsmitglied der ÖFU und des Challenge Cups war er auch der wahrscheinlich erste jüdische Fussballverein Österreichs. 1897 als Sektion des Deutsch-Österreichischen Turnvereines 1887, dessen Wurzeln im noch älteren (1861) existierenden Ersten Wiener Turnvereines lagen. Da es (bis 1945, beim WSC bis 1958) einen sogenannten Arierparagrafen in Österreich-Ungarn gab, gründeten jüdische Sportler eben jenen Verein. Aus diesem wiederum entstand der Wiener FC 1898, der tatsächlich schon 1897 existierte und am ersten Challenge Cup teilnahm.




Sportplätze Teil 2

 

In der Nähe der Vorortelinie, Station Krottenbachstraße gab es Anfang des 20. Jahrhunderts einen Platz, der allgemein als Cottageplatz bekannt war. Wie lange der Platz existierte ist nicht überliefert, er wurde um 1901 angelegt und bis fast zum Ersten Weltkrieg bespielt. Heute ist der Platz verbaut.



Im Juli 1903 gab es einen Schnipsel in der Zeitung, wo ein Verein namens Edelweiß zu Gast bei einem Verein namens Liverpool war. Das ist – abgesehen von den schrägen Namen – wohl nicht weiter interessant. Interessanter war die Adresse: X., Laaer(berg)straße. Vielleicht handelt es sich um den späteren ersten Herthaplatz, der heute der Alfred-Böhm-Park ist.



Ein weiterer interessanter Verein war der im Juli 1903 erstmals erwähnte „FC Wien“. Er hat mit dem späteren Namensvetter nichts zu tun. Noch interessanter aber ist die Nennung des Fussballplatzes: X., Laxenburger Straße auf den Gründen der Firma Hutter & Schran(t)z. Die Firma gibt es heute noch, den Verein nicht mehr.



Die ÖFU zerbricht

 Nachdem die Spieltätigkeit der ÖFU bzw. des Neuen Wiener Tagblattpokal schon im Herbst 1903 fast gänzlich zum Erliegen kam, wurde im "Neuen Wiener Tagblatt" vom 15. Jänner 1904 der Austritt der Cricketer sowie des First Vienna FC aus der Österreichischen Fussball Union angezeigt. Gleichzeitig wurde die Gründung eines neuen Verbandes, dem beide Vereine beitraten verkündet. Mit 14. Jänner 1904 gründete sich der Österreichische Fussball Verband, dem sich viele erstklassige Vereine der damaligen Zeit anschlossen. Der WAC behielt sich diesen Wechsel vor, die anstehende Generalversammlung sollte darüber Klarheit bringen. 


Rotschwarze Übermacht in Wien

 

Der WAC war im Frühjahr und Sommer 1903 eines der großen Gesprächsthemen im Wiener Fussball. Erstens weil er das erste „Double“ in der österreichischen Fussballgeschichte, also den Gewinn der Meisterschaft (Neuer Wiener Tagblattpokal) und des Challenge Cups (also des internationalen Cups) geschafft hat.

In den Zeitungen gab es aber auch Aufregung um ein Spiel im Tagblattpokal zwischen eben dem WAC und der Graphia, welches als Farce betrachtet wurde. Nicht wegen des Ergebnisses von 8-0 für den WAC, sondern wegen der Umstände. Die Graphia, die keine Chance mehr auf den Titelgewinn hatte und gute Verhältnisse mit dem WAC pflegte rechnete mit einem lockeren Trainingsspiel, welches der WAC aber nicht so sah und mit Volldampf loslegte. Das beleidigte die Graphia und sie ermöglichten dem WAC absichtliche Chancen, die dieser dann aber wiederum absichtlich verschoss. In der zweiten Halbzeit verließen sowohl der Capitan als auch der Torhüter des WAC das Feld und machten das Spiel vollends zur Farce. Ein Tor schoss die Graphia trotzdem nicht.

Im Challenge Cup Finale wiederum, wo der WAC gegen den „Cesky Atletik und Fussball Club“ antreten sollte war es so, dass die Prager einfach nicht erschienen. Einen Grund konnte ich nicht herausfinden, was blieb war, dass der WAC den Cup kampflos gewann. Ich vermute, dass es darum ging, dass die deutschsprachigen Vereine in einer gewissen unguten Konkurrenz zu den tschechischen Vereinen in Österreich-Ungarn standen und deswegen dieses Finale seitens des Cesky A und FC abgelehnt wurde. Einige Zeit vorher hat der (deutsche) Fussballclub Favorit Prag ein Spiel gegen die Slavia ausgetragen und wurde vom deutschen und österreichischen Verband für alle Spiele gegen deutschsprachige Mannschaften in Österreich-Ungarn und dem Deutschen Reich gesperrt, was quasi einem Spielverbot gleichkam, da auch die tschechischen Vereine nicht gegen sie spielten.

Nichtsdestotrotz ließ sich der WAC wegen beider Gewinne groß feiern, immerhin ging der WT-Pokal endgültig in seinen Besitz (der WAC gewann die Meisterschaft dreimal) und wurde zu einer der wichtigsten Trophäen des Vereines in dieser Zeit. Mit dem Gewinn beider Trophäen hat sich der WAC endgültig zum besten Wiener Verein gekürt, der sogar die Cricketer und die Vienna spielend in den Schatten stellte. Auch sein Fussballplatz war der wohl beste in der österreichischen Reichshälfte mit einem Fassungsvermögen von etwa 25.000 Zusehern. Leider konnte der WAC seine Dominanz in der folgenden Meisterschaft nicht beweisen, da diese – auf Betreiben der Vienna – nicht zu Ende gespielt wurde.