In der Wintersitzung des NoeFV im Jänner 1919 befasste sich auch der Verband mit der Sportplatzfrage. Und da wird es wieder ein bisserl interessant für den Favoritner AC, der seinen Platz ja 1915 ans Militär verlor. Der NoeFV beschloss in dieser Sitzung, alles dranzusetzen, die Plätze, die im Krieg ans Militär oder sonstigen öffentlichen Einrichtungen verloren wurden, wieder zurückzubekommen. Wie die Geschichte allerdings berichtet nicht besonders erfolgreich. Der Favoritner AC (und einige andere Vereine) bekamen die Plätze von der Stadt Wien nicht mehr zurück. Da waren die neuen demokratischen Machthaber genauso taub wie die alten kaiserlichen. Kakanien war immer noch in den Beamten und Politikern drinnen.
Sonntag, 28. Juni 2026
Sportplätze Teil 1
Der (erste) Weltkrieg war zu Ende und man schaute sportlich wieder nach vorne. Oder versuchte es zumindest. Manchmal gab es auch herbe Rückschläge, weil die Not der Bevölkerung größer war als der Wunsch, wieder Fussball zu spielen. So wurden im Winter 1919 alle Holzteile wie Planken, Torstangen, Begrenzungsstangen vom Schwechater Fussballplatz entwendet. Ist nur halblustig aber sehr lustig geschrieben.
Wenn Irrsinn Normalität wird
Das Irrrste, das ich in den Zeitungen kurz vor Kriegsende gelesen habe war
die Zusammenkunft des „Olympischen Komitees für Österreich“ die sich mit der
Lustbarkeitssteuer sowie dem Bau eines Nationalstadions beschäftigten. Aber
gut, wenn der Vorsitzende Colloredo-Mannsdorf heisst weiß man welche Lackmarke
da im Spiel war.
Auch so eine irre Geschichte kommt (angeblich) aus London, wo zwei invalide Boxer – einem fehlte das linke, dem anderen das rechte Bein – gegeneinander boxten. Der mit dem intakten linken Bein hat gewonnen.
Und es wär ja ned Österreich gewesen, wenn man sich nicht noch im Krieg
darüber gestritten hätte, in welche Klasse die Vereine nach Wiederaufnahme des
Spielbetriebs eingereiht werden sollten.
Ein bedrückendes Bild veröffentlichten die Zeitungen im Herbst 1918,
nämlich die letzte Nationalmannschaft Österreichs vor dem Kriege. Vier Spieler
waren gefallen, von weiteren weiß man nur, dass sie in Gefangenschaft geraten
waren. Das Foto wurde anlässlich des Länderspiels gegen Ungarn veröffentlicht.
Ich kann nur vermuten warum, aber es scheint so, als ob damit bewiesen werden
sollte, dass mehr österreichische Fussballer an der Front stehen (und gefallen
sind) als ungarische Spieler. Die Monarchie zerbrach langsam in Einzelstaaten.
Zum Vergleich mit dem oberen Bild die Mannschaft von 1918, die am 6. Oktober mit 0-3 verlor (Tekusch ist nicht gleich Tekusch vom oberen Bild):
Auch bei den Mannschaftsaufstellungen erkennt man den von den Zeitungen angesprochenen Unterschied: Ungarn hatte fast alle seine Stars mit dabei, da die nicht an die Front abgegangen sind wie man damals so schön sagte. Soll aber keine Entschuldigung sein.
Kriegsmeisterschaften
Je länger der Krieg dauerte, desto ältere Männer wurden zum Kriegsdienst
eingezogen. Der Mangel an Soldaten nahm 1918 dramatische Ausmaße an, dass sogar
als „kriegsuntauglich“ eingestufte Sportler jetzt zu den Waffen gerufen wurden.
Anhand des Fotos des Nussdorfer Tormannes Franz Schubert – ja der hieß
wirklich so – sah man die mangelhafte Ernährungslage in der Reichs- und
Residenzstadt im vierten Kriegsjahr sehr deutlich.
Trotzdem wurde überall weiter Fussball gespielt: In Berlin gab es eine
Fussballiga und auch in Wien wurde eine Kriegsmeisterschaft abgehalten, die vom
Floridsdorfer AC gewonnen wurde.
Im Juli 1918 wurden die Herbsttermine der Kriegsmeisterschaft 1918/1919
ausgegeben. Damals wusste keiner, dass es die letzte Meisterschaft der
Habsburgermonarchie werden würde. Einen Tag, vor dem Waffenstillstand
(11.11.1918) sollten die letzten Spiele stattfinden.
Fussball und Krieg
Schaut Euch das Gesicht von Franz Malek, Mitbegründer des WAF an. Gruselig.
DAS macht der Krieg mit Menschen.
Die KuK Armee hatte im Ersten Weltkrieg lange auf den Einsatz von Giftgas
verzichtet, da der alte Kaiser dies nicht wollte (wenigstens eine gscheite Idee).
Auf die – gefälschte – Nachricht, dass die Italiener bei den Isonzoschlachten
Giftgas einsetzen würden, genehmigte er dann doch den Einsatz von Gas. Am 29.
Juni 1916 kam es zum ersten Mal in den Einsatz und verursachte unter den
Italienern 8.000 Tote. Die Italiener, die bis dahin mangels Verfügbarkeit
überhaupt kein Giftgas einsetzen, rächten sich. Beide Kriegsparteien
veranstalteten danach das sogenannte „Buntschiessen“ (die Granaten hatten
farblich unterschiedliche Halterungsringe), welches mit unterschiedlichen Arten
von Gasmunition durchgeführt wurde. Warum ich das schreibe? Weil 1918 eine
Zeitungsnotiz über einen Leichtathleten erschien, der eine Gasvergiftung
erlitt.
In Bukarest fand 1917 – die Stadt war von KuK und deutschen Truppen erobert
und besetzt worden – ein Fussballspiel Österreich-Ungarn gegen Deutschland
statt. Es endete 4-1. Das wohl interessanteste dabei ist nicht der Spielort,
sondern dass es wohl das einzige Spiel von „Österreich-Ungarn“ gegen ein
anderes Land war. Normalerweise spielten die beiden Kronländer autonom gegen
auswärtige Gegner.
Kriegsmeisterschaft 1917 und so
Die Kriegsmeisterschaften nach 1914 zeichneten sich vor allem dadurch aus,
dass die Vereine der 1. Klasse eine geschlossene Meisterschaft spielen konnten,
sprich es gab keinen Absteiger bzw. aus Mangel oder Interesse einer 2.
Spielabteilung einen Aufsteiger. So war es 1917 für die Hertha egal, dass sie
nur 6 Punkte auf ihr Konto buchen konnte, sie stieg nicht ab. Der Sieg im Derby
gegen Rudolfshügel war immerhin einer der Höhepunkte der Favoritner. Die zweitklassigen
Vereine hatten zwar in den Gruppen A und B eine Meisterschaft, diese war aber
ebenso geschlossen. Die Gruppe C hatte ihren Spielbetrieb eingestellt.
Im Meidlinger Theresienbad veranstaltete der WAC im August 1917 ein
Wettschwimmen. Die Ergebnisse hab ich mir erspart. Interessiert keinen.
Schiris kann man bekanntlichermaßen immer verorschen weil sie ihren Job oft
nicht richtig machen. Bei der Karrikatur von 1917 bleibt einem das Lachen aber
ein bisserl im Hals stecken. Immerhin kostete die 10. Isonzoschlacht 7.300 Tote und 45.000 Verwundete, während die 11. Isonzoschlacht 10.000 Tote und wieder rund 45.000 Verwundete kostete. (ich glaube, dass die Anzahl der Verwundeten generell mit 45.000 angegeben wurde). Die Italiener hatten 76.000 Tote und 204.000 Verwundete zu beklagen.
Samstag, 27. Juni 2026
Wieder was aus dem analogen Internet
Während des Krieges feierten einige Berliner Vereine wie Hertha, Union und
Sportverein von 1892 ihr 25jähriges Bestandsjubiläum und luden dazu einen 24jährigen
Verein, Minerva zu einem Viererturnier ein.
Betrübliche Nachrichten von der Front waren Alltag. In den erbarmungslosen
Materialschlachten wurde eine ganze Generation ausgelöscht. Interessanterweise
brachten die Zeitungen auch 1917 noch immer diese Nachrichten.
Radball war auch eine Sportart, die zu dieser Zeit gespielt (oder sagt man
geradelt) wurde. Komischerweise hat sie sich nicht durchgesetzt. Und dass,
obwohl Radfahren doch so gesund ist (ist es wirklich). Komisch irgendwie.
A Favoritner Wirtshaustruppn
Ein lustiger Favoritner Verein, über den ich bis jetzt noch nicht so viel
recherchiert habe, ist der GSV Favoritner Lyon. Die Stammadresse war das „Gasthaus
Schuschitzky“ in der Kudlichgasse 7. Das Gasthaus gibt es schon länger nicht
mehr, heute ist in dem Gebäude die HeimTech Gebäudetechnik, die es seit 1966 gibt.
Ein Gründungsdatum habe ich noch nicht nachrecherchiert, den Verein gab es
jedenfalls bis 1927 und er nahm von 1911/12 bis zu seiner Auflösung am
Spielbetrieb teil. Sie spielten am (ersten) Platz der Hertha Wien, heute der
Alfred Böhm Park. Ich werde den Artikel nach ausführlicher Recherche (wenns ned
so heiss ist wie jetzt) natürlich ergänzen.
Wieder analoges Internet
Während in Breitenbrunn am Neusiedlersee am 24. Oktober 1931 ein Großfeuer rund
30 Häuser beschädigte fand man in Ungarn, genauer gesagt im Komitat Zala (Söjtör)
eine schnellere Methode, um ein Feuer zu löschen: Wein. Es soll funktioniert
haben.
Ein arbeitsloser Marokkaner wurde in Ödenburg von der Polizei aufgegriffen.
Er war nach drei Jahren aus der Fremdenlegion desertiert, bis nach Europa
gekommen und hat in Budapest in einem Zirkus gearbeitet. Jetzt wollte er weiter
nach Wien. Da er keine Reisepapier hatte, kastltn die Ungarn ihn
sicherheitshalber gleich mal ein.
Ässbäschtäck
Vor 1000 Jahren heiratete die Prinzessin Argila (Komnenos) den Sohn des
Dogen von Venedig, Pietro Orfeolo. An sich nichts Bemerkenswertes wäre da
nicht ein heute nicht unbekanntes Essgerät zum ersten Mal eingesetzt worden:
Die Gabel! Wir gratulieren!







































