Mittwoch, 14. Oktober 2026

Historisches Teil 6

 

Kommando Budapest

 

Wir hatten ja in der Stadtliga nicht allzu weite Ausflüge zu machen, Mannswörth war nicht in der Liga und Gerasdorf ebenfalls (noch) nicht daher suchten wir uns weitere „Bildungsreisen“ – und fanden sie: Das Budapester Derby, sprich Ujpest gegen Fradi oder Fradi gegen Ujpest – je nachdem wo sie gerade spielten. Also beschlossen wir irgendwann mal, dass alle neuen Mitglieder und Aspiranten mit uns zu so einem Spiel fahren sollten, um zu sehen, wie es anderswo zuging. Mit dem „Budapester“ ging es in zweieinhalb Stunden bequem in die ungarische Hauptstadt, Karten waren zur damaligen Zeit nie ein Problem, die Preise bewegten sich zwischen 4 und 8 Euro, je nachdem wo man sich hin platzierte. Wir wählten immer die neutrale Tribüne, um beide Fangruppen gut beobachten zu können.

Vorher ging es irgendwo im Umfeld essen, ein Hotel an der Vaci ut (nicht zu verwechseln mit der Vaci utca) mit einer Terrasse bot sich da immer an. Von dort konnten wir den Fanmarsch der Grünweissen gut beobachten und uns dann hinten reinschlängeln, ohne dass irgendwer Notiz davon nahm. Meist gabs dann vor dem Auswärstssektor ein bisserl Randale die es uns ermöglichte via McDonalds die Fliege zu machen.


Einmal jedoch waren wir nicht bei diesem Fanmarsch, sondern spazierten einfach durch die Gegend. Fehler: Als wir bei der Mildendorfer utca (die Querstraße) auftauchten, standen sich links die UVB (Ultra Viola Bulldogs) und rechts die GM (Green Monsters) gegenüber und liefen aufeinander zu. Wir in der Mitte. Ungünstig. Wir vertschüssten uns in einen Brandineser, schauten uns die Schlägerei an – es war die Geburtstagsschlägerei der UVB, die an diesem Tag 10 Jahre alt wurden und von den Grünweissen so „beschenkt“ wurden und gingen, nachdem Grünweiss sich zurückgezogen hatte, weiter. Natürlich wurden wir aufgehalten, sagten woher wir kamen, bekamen einen „Have a nice day“ zugerufen und wanderten zu unseren Sitzplätzen.

Nach dem Spiel war es immer wieder lustig, in der Innenstadt zu sein (wir mussten dort die U-Bahn wechseln), da rund um die Vaci utca (nicht zu verwechseln mit der Vaci ut) einige Lokale der großen Budapester Fangruppen situiert waren und man sich – wenn man in einem der vielen Cafes war – die Schlägereien bequem anschauen konnte.

Fantechnisch war das damals auch eine andere Welt, wenn das ganze Stadion für die eine oder andere Mannschaft brüllte, die Verwendung von Pyrotechnik war auch abartig, ganz zu schweigen von den fliegenden Trümmern,  Platz- und Tribünenschlägereien, zerlegten Sektoren und anderen Dingen, die ausgetauscht wurden – fast so wie in Italien der 80er und 90er Jahre – herrlich. Es war immer eine tolle Sache. In Österreich wäre das auch damals nicht möglich gewesen. Also einmal vielleicht. Dort wars regelmässig so. Wilder Osten. Ich kann mich auch an ein Derby an der Üllöi ut erinnern, wo die berittene Polizei mit blankem Säbel angeritten kam. Da war die Schlägerei aber schnell vorbei.

Heutzutage geht das allerdings so nicht mehr, die Fangruppen sind strikt unter Kontrolle oder dürfen gar nicht hin, personalisierte Tickets und Kontrollen, gegen die die Flughafenkontrollen in Teheran ein Witz sind. Ausserhalb haben sie allerdings immer noch Spaß miteinander.

Zur „Vaci ut/utca“: Es gibt zwei Straßen, die „Vaci“ heissen. Die eine, „Vaci ut“ führt tatsächlich nach Vac (also quasi wie die Laxenburger Straße in Favoriten) und ist eine breite Straße, quasi eine Avenue.  Die andere, die „Vaci utca“ ist das, was bei uns die Kärntner Straße ist. Beide werden gerne miteinander verwechselt. Ist manchmal ziemlich amüsant. Von der Vaci ut führt dann die Megyeri ut zum Stadion von Ujpest (Ferenc-Szusza-Stadion). 

https://de.wikipedia.org/wiki/Ferenc_Szusza

Genauso wie die Geschichte mit Rakosi und Rakoczi. Ersterer war ein blutiger Stalinist, zweiterer ein protestantischer Fürst (aus Temesvar) der mit seinen Kuruzzen gegen die Habsburger kämpfte. Wird von (österreichischen und deutschen) Fremdenführern gerne verwechselt. Egal.


NUR DER FAVAC!

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