Kommando Budapest
Wir hatten ja in der Stadtliga
nicht allzu weite Ausflüge zu machen, Mannswörth war nicht in der Liga und
Gerasdorf ebenfalls (noch) nicht daher suchten wir uns weitere „Bildungsreisen“
– und fanden sie: Das Budapester Derby, sprich Ujpest gegen Fradi oder Fradi
gegen Ujpest – je nachdem wo sie gerade spielten. Also beschlossen wir
irgendwann mal, dass alle neuen Mitglieder und Aspiranten mit uns zu so einem
Spiel fahren sollten, um zu sehen, wie es anderswo zuging. Mit dem „Budapester“
ging es in zweieinhalb Stunden bequem in die ungarische Hauptstadt, Karten
waren zur damaligen Zeit nie ein Problem, die Preise bewegten sich zwischen 4
und 8 Euro, je nachdem wo man sich hin platzierte. Wir wählten immer die
neutrale Tribüne, um beide Fangruppen gut beobachten zu können.
Vorher ging es irgendwo im Umfeld
essen, ein Hotel an der Vaci ut (nicht zu verwechseln mit der Vaci utca) mit
einer Terrasse bot sich da immer an. Von dort konnten wir den Fanmarsch der
Grünweissen gut beobachten und uns dann hinten reinschlängeln, ohne dass
irgendwer Notiz davon nahm. Meist gabs dann vor dem Auswärstssektor ein bisserl
Randale die es uns ermöglichte via McDonalds die Fliege zu machen.
Einmal jedoch waren wir nicht bei
diesem Fanmarsch, sondern spazierten einfach durch die Gegend. Fehler: Als wir
bei der Mildendorfer utca (die Querstraße) auftauchten, standen sich links die UVB (Ultra Viola
Bulldogs) und rechts die GM (Green Monsters) gegenüber und liefen aufeinander
zu. Wir in der Mitte. Ungünstig. Wir vertschüssten uns in einen Brandineser,
schauten uns die Schlägerei an – es war die Geburtstagsschlägerei der UVB, die
an diesem Tag 10 Jahre alt wurden und von den Grünweissen so „beschenkt“ wurden
und gingen, nachdem Grünweiss sich zurückgezogen hatte, weiter. Natürlich
wurden wir aufgehalten, sagten woher wir kamen, bekamen einen „Have a nice day“ zugerufen
und wanderten zu unseren Sitzplätzen.
Nach dem Spiel war es immer
wieder lustig, in der Innenstadt zu sein (wir mussten dort die U-Bahn
wechseln), da rund um die Vaci utca (nicht zu verwechseln mit der Vaci ut)
einige Lokale der großen Budapester Fangruppen situiert waren und man sich –
wenn man in einem der vielen Cafes war – die Schlägereien bequem anschauen
konnte.
Fantechnisch war das damals auch
eine andere Welt, wenn das ganze Stadion für die eine oder andere Mannschaft
brüllte, die Verwendung von Pyrotechnik war auch abartig, ganz zu schweigen von
den fliegenden Trümmern, Platz- und
Tribünenschlägereien, zerlegten Sektoren und anderen Dingen, die ausgetauscht
wurden – fast so wie in Italien der 80er und 90er Jahre – herrlich. Es war
immer eine tolle Sache. In Österreich wäre das auch damals nicht möglich
gewesen. Also einmal vielleicht. Dort wars regelmässig so. Wilder Osten. Ich
kann mich auch an ein Derby an der Üllöi ut erinnern, wo die berittene Polizei
mit blankem Säbel angeritten kam. Da war die Schlägerei aber schnell vorbei.
Heutzutage geht das allerdings so
nicht mehr, die Fangruppen sind strikt unter Kontrolle oder dürfen gar nicht
hin, personalisierte Tickets und Kontrollen, gegen die die Flughafenkontrollen
in Teheran ein Witz sind. Ausserhalb haben sie allerdings immer noch Spaß
miteinander.
Zur „Vaci ut/utca“:
Es gibt zwei Straßen, die „Vaci“ heissen. Die eine, „Vaci
ut“ führt tatsächlich nach Vac
(also quasi wie die Laxenburger Straße in Favoriten) und ist eine breite
Straße, quasi eine Avenue. Die andere,
die „Vaci utca“ ist das, was bei uns die Kärntner Straße ist.
Beide werden gerne miteinander verwechselt. Ist manchmal ziemlich amüsant. Von
der Vaci ut führt dann die Megyeri ut zum Stadion von Ujpest
(Ferenc-Szusza-Stadion).
https://de.wikipedia.org/wiki/Ferenc_Szusza
Genauso wie die Geschichte mit
Rakosi und Rakoczi. Ersterer war ein blutiger Stalinist, zweiterer ein
protestantischer Fürst (aus Temesvar) der mit seinen Kuruzzen gegen die
Habsburger kämpfte. Wird von (österreichischen und deutschen) Fremdenführern
gerne verwechselt. Egal.
NUR DER FAVAC!


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