Donnerstag, 30. Juli 2026

Von der ÖFU zum ÖFB

 

Im Jahr 1903 zerbröckelte die „Österreichische Fussball Union“: immer weniger neu gegründete (oder schon länger bestehende) Vereine weigerten sich, der ÖFU beizutreten und spielten ihre Wettspiele abseits des Wiener Tagblattpokals oder des Challenge Cups aus, darunter auch viele Spiele im ungarischen und böhmischen Teil der Monarchie. Speziell der böhmische Verband wiederum war der ÖFU und dem Verband der „Deutschböhmischen Fussballvereine“ ein Dorn im Auge, die ethnischen Gegensätze brachen auf. Dazu kam, dass der Mitbegründer, Präsident und anerkannte Fussballexperte MD Nicolson (Magnus Douglas, kurz „Mark“) bereits ein dreiviertel Jahr nach seiner Bestellung zurück nach England ging. Der Einfluss der beiden ältesten Vereine, Vienna und Cricketer nahm ab und mit Einführung des „Wiener Tagblatt Pokals“ kamen andere Akteure auf den Plan. So vergingen drei Jahre, in denen die ÖFU versuchte, die Meisterschaft nur zwischen sogenannten „Unionsvereinen“, also Vereinen, die der ÖFU beitraten auszutragen. Da es aber so war, dass den rund 30 Unionsvereinen mehr als die doppelte Anzahl an „wilden“ Vereinen entgegenstand, die auch in der Sportpresse ihre Aufmerksamkeit bekamen schwand der Einfluss der ÖFU auf die eigenen Vereine. Im Herbst eskalierte dann der Streit mit der Vienna – siehe untenstehenden Blogbeitrag – und so kam es, dass am 20. Jänner 1904 via Tagblatt verkündet wurde, dass die beiden ältesten Vereine des Landes, Vienna und Cricketer aus der ÖFU austraten. Gleichzeit wurde auf Betreiben der Vienna (und auch der Cricketer) der „Österreichische Fussballverband“ als Gegengewicht gegründet wurde. Einige Verwirrung gab es im März 1904 über den Austritt des WAC, der letztendlich nicht erfolgte. Trotzdem sollte die Frühjahrssaison 1903/1904 des Tagblattpokals nur mit dem WAC, der Rapid und Graphia weitergespielt werden. Die dafür genannten Termine waren:

27.3.1904: Graphia – Rapid

14.4.1904: Rapid – WAC

12.5.1904: Graphia – WAC

Ob diese Spiele ausgetragen wurden, entzieht sich meiner Kenntnis, die Saison wurde aber laut vorliegenden Unterlagen nicht zu Ende gespielt.












Die roten Sterne betreten die Fussballbühne

 


Der Verein „Sportclub Red Star“ (heute Red Star Penzing) begann Anfang 1903 sein Wirken. Im März 1903 gab es den ersten Zeitungsartikel über diesen Verein, der noch heute existiert.  Seine lange Karriere begann er – wie so viele andere Vereine – ganz klein und spielte im Gründungsjahr mehrere Spiele auf seinem offenbar ersten Platz im 16. Bezirk, Herbststraße 24. Ihr „Clublokal“ wie man des damals nannte hatten sie im 15. Bezirk, Märzstraße, Gasthaus Hillgarth. Der Vereinsname, so spricht die Chronik auf der Homepage der Red Star entstand bei einem Spaziergang in der Innenstadt, wo die amerikanische „Red Star Line“ ein großes Büro mit einer Verzierung, nämlich dem Roten Stern hatte. Dies fiel den spaziergehenden Spielern auf und so beschlossen sie, den Verein „Red Star“ zu nennen. Auch wenn dies vielleicht eine hübsche Anekdote ist so ist es immer eine gute Geschichte. Red Star war in seiner langen Karriere leider nie erstklassig, konnte sich aber nach dem Ersten Weltkrieg lange in der damaligen 2. Klasse halten, nach dem Zweiten Weltkrieg waren sie langjährig in der z.t. zweitklassigen Regionalliga. Heute spielen sie in der Wiener Stadtliga. Ich habe versucht, alle Zeitungsschnipsel des Jahres 1903 zu finden und hier reinzustellen. Sie werden – auch was Spielergebnisse betrifft – immer weiter ergänzt.

Geschichte des Vereins - Redstar Penzing






Mittwoch, 29. Juli 2026

Der Wiener FC löst sich auf


Im Neuen Wiener Tagblatt erscheint am 15. Oktober 1903 die Nachricht von der Selbstauflösung des Wiener FC 1898. Einer der ältesten Vereine des Landes, Gründungsmitglied der ÖFU und des Challenge Cups war er auch der wahrscheinlich erste jüdische Fussballverein Österreichs. 1897 als Sektion des Deutsch-Österreichischen Turnvereines 1887, dessen Wurzeln im noch älteren (1861) existierenden Ersten Wiener Turnvereines lagen. Da es (bis 1945, beim WSC bis 1958) einen sogenannten Arierparagrafen in Österreich-Ungarn gab, gründeten jüdische Sportler eben jenen Verein. Aus diesem wiederum entstand der Wiener FC 1898, der tatsächlich schon 1897 existierte und am ersten Challenge Cup teilnahm.




Sportplätze Teil 2

 

In der Nähe der Vorortelinie, Station Krottenbachstraße gab es Anfang des 20. Jahrhunderts einen Platz, der allgemein als Cottageplatz bekannt war. Wie lange der Platz existierte ist nicht überliefert, er wurde um 1901 angelegt und bis fast zum Ersten Weltkrieg bespielt. Heute ist der Platz verbaut.



Im Juli 1903 gab es einen Schnipsel in der Zeitung, wo ein Verein namens Edelweiß zu Gast bei einem Verein namens Liverpool war. Das ist – abgesehen von den schrägen Namen – wohl nicht weiter interessant. Interessanter war die Adresse: X., Laaer(berg)straße. Vielleicht handelt es sich um den späteren ersten Herthaplatz, der heute der Alfred-Böhm-Park ist.



Ein weiterer interessanter Verein war der im Juli 1903 erstmals erwähnte „FC Wien“. Er hat mit dem späteren Namensvetter nichts zu tun. Noch interessanter aber ist die Nennung des Fussballplatzes: X., Laxenburger Straße auf den Gründen der Firma Hutter & Schran(t)z. Die Firma gibt es heute noch, den Verein nicht mehr.



Die ÖFU zerbricht

 Nachdem die Spieltätigkeit der ÖFU bzw. des Neuen Wiener Tagblattpokal schon im Herbst 1903 fast gänzlich zum Erliegen kam, wurde im "Neuen Wiener Tagblatt" vom 15. Jänner 1904 der Austritt der Cricketer sowie des First Vienna FC aus der Österreichischen Fussball Union angezeigt. Gleichzeitig wurde die Gründung eines neuen Verbandes, dem beide Vereine beitraten verkündet. Mit 14. Jänner 1904 gründete sich der Österreichische Fussball Verband, dem sich viele erstklassige Vereine der damaligen Zeit anschlossen. Der WAC behielt sich diesen Wechsel vor, die anstehende Generalversammlung sollte darüber Klarheit bringen. 


Rotschwarze Übermacht in Wien

 

Der WAC war im Frühjahr und Sommer 1903 eines der großen Gesprächsthemen im Wiener Fussball. Erstens weil er das erste „Double“ in der österreichischen Fussballgeschichte, also den Gewinn der Meisterschaft (Neuer Wiener Tagblattpokal) und des Challenge Cups (also des internationalen Cups) geschafft hat.

In den Zeitungen gab es aber auch Aufregung um ein Spiel im Tagblattpokal zwischen eben dem WAC und der Graphia, welches als Farce betrachtet wurde. Nicht wegen des Ergebnisses von 8-0 für den WAC, sondern wegen der Umstände. Die Graphia, die keine Chance mehr auf den Titelgewinn hatte und gute Verhältnisse mit dem WAC pflegte rechnete mit einem lockeren Trainingsspiel, welches der WAC aber nicht so sah und mit Volldampf loslegte. Das beleidigte die Graphia und sie ermöglichten dem WAC absichtliche Chancen, die dieser dann aber wiederum absichtlich verschoss. In der zweiten Halbzeit verließen sowohl der Capitan als auch der Torhüter des WAC das Feld und machten das Spiel vollends zur Farce. Ein Tor schoss die Graphia trotzdem nicht.

Im Challenge Cup Finale wiederum, wo der WAC gegen den „Cesky Atletik und Fussball Club“ antreten sollte war es so, dass die Prager einfach nicht erschienen. Einen Grund konnte ich nicht herausfinden, was blieb war, dass der WAC den Cup kampflos gewann. Ich vermute, dass es darum ging, dass die deutschsprachigen Vereine in einer gewissen unguten Konkurrenz zu den tschechischen Vereinen in Österreich-Ungarn standen und deswegen dieses Finale seitens des Cesky A und FC abgelehnt wurde. Einige Zeit vorher hat der (deutsche) Fussballclub Favorit Prag ein Spiel gegen die Slavia ausgetragen und wurde vom deutschen und österreichischen Verband für alle Spiele gegen deutschsprachige Mannschaften in Österreich-Ungarn und dem Deutschen Reich gesperrt, was quasi einem Spielverbot gleichkam, da auch die tschechischen Vereine nicht gegen sie spielten.

Nichtsdestotrotz ließ sich der WAC wegen beider Gewinne groß feiern, immerhin ging der WT-Pokal endgültig in seinen Besitz (der WAC gewann die Meisterschaft dreimal) und wurde zu einer der wichtigsten Trophäen des Vereines in dieser Zeit. Mit dem Gewinn beider Trophäen hat sich der WAC endgültig zum besten Wiener Verein gekürt, der sogar die Cricketer und die Vienna spielend in den Schatten stellte. Auch sein Fussballplatz war der wohl beste in der österreichischen Reichshälfte mit einem Fassungsvermögen von etwa 25.000 Zusehern. Leider konnte der WAC seine Dominanz in der folgenden Meisterschaft nicht beweisen, da diese – auf Betreiben der Vienna – nicht zu Ende gespielt wurde.








Dienstag, 28. Juli 2026

Sportplätze Teil 1

 

Über die Sache mit den Sportplätzen in Wien habe ich ja schon kurz einige Erwähnungen gemacht. So hatten viele – auch Nicht-Unions-Vereine – eigene Plätze, meist Wiesen, deren (heutige) Namen man überhaupt nicht mehr findet. Daneben gab es dann auch die „richtigen“ Stadien, wie den WAC Platz oder die Hohe Warte, die mit Tribünen ausgestatten waren. So auch die Praterbahn in der heutigen Lassallestrßae 82, damals Kronprinz Rudolf Straße 82. Die Cricketer hatten dort ihre erste richtige Heimstätte, die sie 1903 verloren, da die Radrennbahn umgebaut wurde. Deswegen suchten sie einen neuen Platz. Trainings wurden auf der Jesuitenwiese veranstaltet. Man suchte weiter und fand „nächst dem Kommunalbade“ im zweiten Bezirk in der Nähe der Reichsbrücke (vmtl. die Kronprinz-Rudolf-Brücke gemeint), welcher im Frühjahr 1904 fertig sein sollte. Bis dahin „wanderten“ die Cricketer auf den WAC Platz. Das damalige Kommunalbad wurde 1876 eröffnet und im Ersten Weltkrieg geschlossen.

 




Eine weitere Radrennbahn um die es ein „Griß“ gegeben hat, war die Margaretner Rennbahn. Sie war – anders als vermutet – nicht in Margareten sondern in Meidling, etwa auf Höhe des heutigen Steinbauerparks. Ihr Standort wurde mit Längenfeldgasse/Steinbauergasse/Malfattigasse angegeben. Dort spielten die in den Innenbezirken situierten Vereine, ehe der Wiener FC 1898 Anspruch anmeldete. Im August 1903 zerschlugen sich allerdings deren Hoffnungen, da der Sportclub Graphia ebenfalls Anspruch erhob und den Zuschlag erhielt. Das Eröffnungsspiel wurde gegen den WAC ausgetragen.