Im "Neuen Wiener Tagblatt" vom 28. Jänner 1897 wurde unter der Rubrik "Rasenspiele" vermeldet, dass sich beim "Budapesti Torna Club" am 24. Jänner deselben Jahres 40 Sportler zum ersten ungarischen Fussballclub zusammengeschlossen haben. Präsident wurde Karl Isser, Alfred Hajnos-Guttmann zum Sekretär gewählt, zum Kapitän wurde Franz Ray, der in der Schweiz bereits als Fussballer tätig war, ernannt. Die Mannschaft nahm den Namen "1st Hungarian Football Team" an.
Freitag, 29. Juli 2022
Donnerstag, 28. Juli 2022
Die erste böhmische Meisterschaft
Die böhmische Meisterschaft
„Als Behmen noch bei Estrreich wor....!“ sang der unvergessene Heinz Conrads
einst sehr gerne. Und es waren die Böhmen, die in Österreich-Ungarn die erste
Meisterschaft austrugen. Und zwar 1896. Dieser Ausrichtung ging einiger Streit
voran, zunächst schrieb am 10. April 1896 der „Cesky Sculling Cercle, Prag“
eine internationale böhmische Meisterschaft für den Herbst aus, an der alle
Mannschaften, die Lust hatten, teilnehmen konnten. In Böhmen waren dies der
Fussballclub „Regatta“, der „Deutsche Fussballclub Prag“, Sparta Praha, Slavia
Praha, der FC Praha und eben der „Cesky Sculling Cercle“. Interessanterweise
nahmen gerade sie und die „Regatta“ letztendlich nicht an der Meisterschaft
teil.
Aber gehen wir chronologisch vor: Am
21. April 1896 bildete sich ein „Comitee zur Abhaltung von Fussballwettspielen“
unter der Patronanz von Fürsten Egon Fürstenberg (der hat wirklich so
geheissen) und schrieb eine gesamtösterreichische Meisterschaft aus, also auch
mit Mannschaften aus Deutschösterreich. Daneben eine böhmische Meisterschaft
und eine Prager Meisterschaft. Dies wiederum stiess dem „Cesky Sculling Cercle“
sauer auf und sie reklamierten das „Prioritätsrecht“ auf Ausschreibung einer
böhmischen Meisterschaft am 28. April 1896. Dann tat sich ausser der
Kundmachung vom 5. Juni 1896, dass die Meisterschaft von Böhmen durch den Cesky
Sculling Cercle bereits intern am 28. März 1896 ausgeschrieben wurde, längere
Zeit über nichts. Im Sommer wurde damals kaum Fussball gespielt, Rudern,
Tennis, Radfahren sowie der Pferdesport standen im Vordergrund.
Am 16. November 1896 gab es dann endlich im „Neuen Wiener Tagblatt“ die
Ankündigung einer böhmischen Meisterschaft, welche von vier Mannschaften
(Regatta und Cesky Sculling Cercle nahmen nicht teil) in einem System Jeder
gegen Jeden abgehalten werden solle. Die Termine für die Spielpaarungen waren
folgende: 15. November, 22. November, 29. November. Gespielt wurde auf der
Kaiserwiese in Smichov. Die Spielpaarungen lauteten folgendermassen:
15. November:
DFC Prag – Slavia Praha 4-2
Sparta Praha – FC Praha 6-0
22. November:
DFC Prag – FC Praha 11-0
Sparta Praha – Slavia Praha, nicht stattgefunden, da zwei Spieler der
Slavia als Schüler nicht konnten.
29. November:
DFC Prag – Sparta Praha 3-1
Slavia Praha – FC Praha, nicht stattgefunden, da zwei Spieler der Slavia
als Schüler nicht konnten.
Erster böhmischer Meister wurde der „Deutsche Fussballklub Prag“,
der alle Spiele gewinnen konnte.
Interessanterweise fand am 23. November 1896 ein Spiel zwischen „Regatta“
und „Cesky Sculling Cercle“ statt, welches die „Regatta“ mit 6-1 gewann. Die
damalige Sportpresse wunderte sich, dass der spielstärkste Verein, die „Regatta“
an der Meisterschaft nicht teilnahm, ich konnte jedoch den Grund dafür nicht
recht herausfinden.
Quelle: ANNO, Neues Wiener Tagblatt, Ausgaben 1896
Aus der Urzeit des Fussballs
Fussballvereine vor 1900 (wird weiter ergänzt):
1894:
First Vienna FC (22.8.1894)
Vienna Cricket and Football Club (23.8.1894)
1896:
Badner Gymnasium
Schwechater Fussballklub
Rasenspiel Club Austria (17.5.1896)
Wiener Club für sportliche Spiele „Olympia“ 1896
Wiener Fussballclub Vindobona 1896
Deutschösterreichischer Turnverein 1896
Rasenspiel Club „Training“ 1896
Akademisch-Technischer Radfahrklub Graz
Deutscher Fussballclub Prag
Prager Fussballclub „Regatta“
Der Wiener Fussballclub „Vindobona“ dürfte am 7. Juni 1896 das erste Spiel
gegen den Deutschösterreichischen Turnverein ausgetragen haben, das Ergebnis
war 0-4. Drei Tage später spielten sie gegen die Vienna 0-0.
Der Wiener Club für sportliche Spiele „Olympia“ spielte sein erstes
Wettspiel gegen den Rasenspiel Club Training am 11. Oktober 1896 auf der Jesuitenwiese
genannten Spielstätte nähe der damaligen Sophienbrücke, heute
Schlachthausbrücke. Das Ergebnis war 2-0 für Olympia.
Der Rasenspiel Club „Austria“ absolvierte offenbar sein erstes Spiel gegen
die zweite Mannschaft der Vienna am 11. Oktober 1896 auf der Hohen Warte (alt)
und verlor mit 0-4.
Quelle: ANNO, Neues Wiener Tagblatt, Ausgaben 1896
Alte Rivalitäten müssen gepflegt werden
1896 gab es noch nicht so viele Fussballvereine. Da waren natürlich der „Vienna
Football and Cricket Club“, der „First Vienna Football Club“, der „Rasenspiel
Club Austria“, das „Badner Gymnasium“, der „Schwechater Fussballklub“, der „Akademische
Radfahrklub Graz“. Daneben noch der „Regatta Club Prag“, die Budapester Klubs „Magyar
Atletikai Club (MAC)“ und der „Budapesti Torna Club (BTC)“.
Trotzdem – oder gerade deswegen – gab es eine große Rivalität zwischen den „Cricketern“
und der „Vienna“. Es ging um das Wort „First“
im Klubnamen, den die Vienna gewann, weil der damalige Beamte schneller mit der
Bearbeitung war. Egal. Das ist ausdiskutiert und Geschichte (auch wenn es einen
Verein im Osten Purkersdorfs gibt, der beharrlich versucht, immer älter zu werden).
Die „Cricketer“ rächten sich dafür, dass sie die Vienna jahrelang beharrlich
als „Heiligenstädter Fussballclub“ bezeichneten und dies auch in den Zeitungen so
publizieren liessen, wie die Artikel aus dem Herbst 1896 belegen. Eigentlich lustig.
Wobei – wie heisst die Vienna eigentlich künftig, nachdem sie mit Red Bull
zusammengegangen ist ? Man darf gespannt sein. Mir tuts ja nur um die vielen
alten Gesichter auf der HoWa leid, denen wie weiland dem alten Kaiser „auch nix
erspart bleibt“.
Dienstag, 26. Juli 2022
Sonntag, 24. Juli 2022
Aus der Serie "Lustige Begebenheiten"
Düsseldorferinnen aufgepasst: Wenn du vom Fenster aus mit deiner Flinte Spatzen schiessen willst, und dabei versehentlich die Nachbarin beim Wäscheaufhängen umnagelst, ist das ein Unfall.
Quelle: Neues Wiener Tagblatt, Juli 1896
Freitag, 22. Juli 2022
Historisches
Die älteste
Austria
Am 17. Mai 1896
wurde der „Rasenspielclub Austria“ gegründet. In seiner konstituierenden
Sitzung bestimmten die Mitglieder folgende Positionen:
Vorsitzender: Alfred
Hronek
Erster Obmann:
Johann Schmelzer senior
Zweiter Obmann: Alfred
Hronek
Kassier: Joseph
Buchmann
Erster Kapitän:
Johann Schmelzer junior
Zweiter Kapitän: Franz
Andrä
Die
Vereinsadresse damals war im 9. Wiener Gemeindebezirk, Nußdorfer Straße 78. Die
Spiele wurden (zumindest ab 1900) in Klosterneuburg ausgetragen.
Interessanterweise findet man heute noch Spuren dieses Rasensportclubs - und zwar in den Alpenvereinsseiten. Namen alpiner Schutzhütten: Herrgottschnitzer-Haus, Gutensteiner Alpen (kreiter.info)
"Herrgottschnitzer-Haus
828 m, auf dem Wandeck der Hohen Wand mit den Talorten Dreistetten und Waldegg.
1896 fand sich im 9. Wiener Stadtbezirk eine kleine Gruppe zusammen, die sich zuerst Rasenspiel-Club Austria nannte. Schon bald nach der Gründung verdrängte das Bergsteigen und Wandern den Rasensport völlig. 1904 wurde der Vereinsname geändert und es entstand die Alpine Gesellschaft "D'Herrgottschnitzer"."
Donnerstag, 21. Juli 2022
Die Ziaglbehm
Favoriten ist die Heimat der Ziaglbehm. Im 19. Jahrhundert, als die Stadt
wuchs, brauchte man Baumaterial. Ein gewisser Heinrich Drasche (aber auch
andere kleinere Fabrikanten) produzierte dieses Baumaterial. Ziegel eben. Und um
möglichst viel Gewinn zu machen, holte er sich aus der heutigen Tschechei (die
Slowakei war ja ungarisches Kronland) billige Arbeiter. Unter heute unvorstellbaren
Bedingungen lebten und arbeiteten diese Menschen, bekamen eigenes Geld bezahlt,
mit dem sie nur in den eigenen Geschäften auf dem Gelände der Ziegelfabrik
einkaufen konnten und waren überhaupt nur wenig wert. „Hackler“ kommt aus
dieser Zeit, das waren jene Menschen, die den Lehm herausgehackt haben, ehe sie
– nachdem die „Sandler“, meist Tagelöhner – die Formen mit Sand bestreut hatten
(also gesandelt haben) – in den großen Brennereien zu Ziegeln gebrannt wurden.
Heinrich Drasche wurde für „seine“ Ziegel geadelt und durfte den kaiserlichen
Doppeladler zuwischen seinen Anfangsbuchstaben A und D in die Ziegel brennen.
Die „Kaiserziegel“ entstanden, die von 1870 bis 1910 produziert wurden. Drasche
selber errichtete sich den Heinrichshof und weitere Bauten, erwarb Ziegelwerke
in der gesamten Monarchie, 15 Kohlebergwerke und war überhaupt einer der
reichsten Unternehmer Wiens.
Der junge Viktor Adler, später Gründer der Ersten Republik, war der Erste,
der die Zustände in Drasches Ziegelwerke anprangerte, erst danach änderten sich
die Lebensbedingungen, Favoriten wuchs zum bis heute bevölkerungsstärksten
Bezirk an.
Und diese „Ziaglbehm“ waren es auch, die in den 1890er Jahren mit dem
Fussballspielen begannen, auf Gstetten oder Marktplätzen wie der Steinmetzwiese.
Dutzende Spitzenfussballer der Nachkriegszeit erlernten dort das Spielen und
bekamen die Chance, aus ihrem engen Umfeld zu entweichen. Zwei davon, Pepi
Uridil von Rapid und der unvergessene Matthias Sindelar brachten es zu
Kultstatus.
Viele Vereine entstanden in Favoriten. Der Bezirk wurde zur Kornkammer des
Fussballs, wie es Friedrich Torberg nannte, obgleich die ältesten
Fussballvereine Wiens aus dem bürgerlichen Milieu entsprangen. Die bekanntesten
Vereine waren Rudolfshügel, die Hertha, Slovan (obgleich nicht in Favoriten
gegründet), der FC Wien, der FAVAC und viele andere, die wir schon lange
vergessen haben.
Heute verbindet man die Austria mit Favoriten und seiner Geschichte,
obgleich die Wurzeln der Austria im bürgerlichen Milieu im Prater und Hietzing
entstanden sind und sie diese Wurzeln bis heute nicht wirklich abgestreift hat.
Aber sie ist halt ein Bundesligaverein, der 1973 den ehemaligen „Tschechischen
Herz Platz“ der Slovan übernommen hat.
(3)
Arbeiterproteste - Gegen eingemauertes Ziegel-Elend - Wiener Zeitung Online
DocPlayer
(mitteninhernals.at)
Victor
Adler und die Ziegelarbeiter › SPÖ Favoriten (spoe.wien)
Sonntag, 17. Juli 2022
Ganz alte Berichte
im "Neuen Wiener Tagblatt" mit "Neuem Wiener Abendblatt" gibt es seit 18. März 1896 Sportberichte. Diese sind meiste Pferderennen, Traben, Fechten, Rudersport - aber auch schon Rasenspiele, wobei es sich da nicht nur um Fussball, sondern auch um Tennis handelte. Hier die drei ältesten Fussballberichte dieses Blattes (soweit ich es herausfinden konnte):
NWT 25.3.1896NWT 28.3.1896
NWT 3.4.1896