Samstag, 30. Juli 2022

Das erste internationale Spiel in den Zeitungen

 Im "Neuen Wiener Tagblatt" wurde bereits im März 1897 ein Spiel zwischen dem "Vienna Cricket and Football Club" und dem"Deutschen Fussballclub Prag" angekündigt, zwischenzeitlich wieder abgesagt und am 8. April schliesslich für den 11. April 1897 angekündigt. Der Meister der Prager Meisterschaft, DFC maß sich mit dem Wiener Meister "Vienna Cricket and Football Club" auf der Jesuitenwiese im Prater. Auch diesmal wurde wieder ein geringer Eintritt von 10 Kreuzern (= 20 Heller) eingehoben, die Zuschauer bekamen dazu allerdings ein Programm ausgehändigt. 

Das Spiel selber wurde vom "Vienna Cricket and Football Club" mit 3-1 überzeugend gewonnen. Damit könnte man fast meinen, dass der Cisleithanische Meister der "Vienna Cricket and Football Club" ist, wobei es diesen Titel ja nie gab.  Ebenfalls muss dazu gesagt werden, dass der beste Prager Verein, die "Regatta" an der Prager Meisterschaft nicht teilgenommen hat. 



Quelle: ANNO "Neues Wiener Tagblatt", Ausgaben April 1897

Das erste "bezahlte" Fussballspiel Österreichs

 

Im „Neuen Wiener Tagblatt“ findet man in der Sportrubrik die Mitteilung, dass der „First Vienna Football Club“ und der „Vienna Cricket und Football Club“ auf der alten Hohen Warte, damals auch Kreindlwiese genannt, am Sonntag, den 4. April 1897 die Wiener Meisterschaft auspielen wollen. Dabei gab es zwei Novitäten in Österreich: Erstens spielten beide Mannschaften hintereinander um diese Meisterschaft, zweitens verlangte der „First Vienna Football Club“ als erster österreichischer Verein ein Eintrittsgeld von 20 Kreuzern (oder 40 Heller, damals wurde gerade die Währung umgestellt). Wieviele Menschen den Spielen zusahen, ist nicht überliefert, die Ergebnisse allerdings schon: beide Spiele wurden vom „Vienna Cricket and Football Club“ mit jeweils 1-0 gewonnen, womit – laut „Neuem Wiener Tagblatt“ die Frage, „was für ein Club in Wien der beste ist“, beantwortet wurde.






Quelle: ANNO, "Neues Wiener Tagblatt", Ausgaben April 1897

Eine "ur"Meisterschaft ist geplant:

 

Im „Neuen Wiener Tagblatt“ vom 28. März 1897 findet man interessante Notizen: So wird von einer am 26. März 1897 begonnenen „Österreichischen Meisterschaft“ in Prag berichtet, die dort zur Austragung gebracht wird, ebenso von den Bemühungen, einen „Österreichischen Fussballbund“ einzurichten, dem sich alle Mannschaften Cisleithaniens, also der österreichischen Reichshälfte anschliessen wollen. Das bedeutet, dass die Mannschaften aus Prag, nämlich der DFC Prag, Cesky Sculling Cercle, Sparta Praha, Slavia Praha, FC Praha und die „Regatta“ diesem Fussballbund ebenso beitreten wollten, wie die Wiener Mannschaften, also der 1st Vienna FC, Vienna Cricket and Football Club, Rasenspiel Club Austria, die Vindobona, Rasenspiel Club Training, Deutschösterreichischer Turnverein, Wiener Club für Sportliche Spiele „Olympia“ sowie die drei neuen Vereine Germania, DFC Wien und Hungaria. Ob die beiden Grazer Vereine daran teilnehmen wollten, ist ebenso unklar wie die der Vereine aus Schwechat und dem Badner Gymnasium. Der einzige ungarische Verein, Budapesti Torna Club fand keine Erwähnung.


Quelle: ANNO, "Neues Wiener Tagblatt", 28.3.1897


Quelle: ANNO, "Neues Wiener Tagblatt", 30.3.1897

Freitag, 29. Juli 2022

Die Cricketer und Favoriten

 



Eine interessante Verbindung des „Vienna Cricket and Football Club“ zu Favoriten gibt es: 1897 war die Anschrift, an die alle Korrespondenz betreffs Spielausmachungen etc. zu richten ist, an die Adresse von Herrn William Gandon, 10., Sonnwendgasse 13, zu senden. Ebenfalls interessant ist, dass die Patronanz des Vereines dem jeweiligen britischen Botschafter unterlag. 1897 war dies Sir Herold Rumbold, zu dieser Zeit neuer Botschafter des British Empire in Wien.

Heute befindet sich an dieser Adresse ein kombiniertes Wohn- und Bürogebäude, in dem unter anderem die Oberbank Wien, die Bundesfinanzagentur und eine Billafiliale beheimatet ist.


Quelle: ANNO, Neues Wiener Tagblatt, Ausgaben 1897

Budapesti Torna Club

 Im "Neuen Wiener Tagblatt" vom 28. Jänner 1897 wurde unter der Rubrik "Rasenspiele" vermeldet, dass sich beim "Budapesti Torna Club" am 24. Jänner deselben Jahres 40 Sportler zum ersten ungarischen Fussballclub zusammengeschlossen haben. Präsident wurde Karl Isser, Alfred Hajnos-Guttmann zum Sekretär gewählt, zum Kapitän wurde Franz Ray, der in der Schweiz bereits als Fussballer tätig war, ernannt. Die Mannschaft nahm den Namen "1st Hungarian Football Team" an. 



Donnerstag, 28. Juli 2022

Die erste böhmische Meisterschaft

 

Die böhmische Meisterschaft

„Als Behmen noch bei Estrreich wor....!“ sang der unvergessene Heinz Conrads einst sehr gerne. Und es waren die Böhmen, die in Österreich-Ungarn die erste Meisterschaft austrugen. Und zwar 1896. Dieser Ausrichtung ging einiger Streit voran, zunächst schrieb am 10. April 1896 der „Cesky Sculling Cercle, Prag“ eine internationale böhmische Meisterschaft für den Herbst aus, an der alle Mannschaften, die Lust hatten, teilnehmen konnten. In Böhmen waren dies der Fussballclub „Regatta“, der „Deutsche Fussballclub Prag“, Sparta Praha, Slavia Praha, der FC Praha und eben der „Cesky Sculling Cercle“. Interessanterweise nahmen gerade sie und die „Regatta“ letztendlich nicht an der Meisterschaft teil.

Aber gehen wir chronologisch vor:  Am 21. April 1896 bildete sich ein „Comitee zur Abhaltung von Fussballwettspielen“ unter der Patronanz von Fürsten Egon Fürstenberg (der hat wirklich so geheissen) und schrieb eine gesamtösterreichische Meisterschaft aus, also auch mit Mannschaften aus Deutschösterreich. Daneben eine böhmische Meisterschaft und eine Prager Meisterschaft. Dies wiederum stiess dem „Cesky Sculling Cercle“ sauer auf und sie reklamierten das „Prioritätsrecht“ auf Ausschreibung einer böhmischen Meisterschaft am 28. April 1896. Dann tat sich ausser der Kundmachung vom 5. Juni 1896, dass die Meisterschaft von Böhmen durch den Cesky Sculling Cercle bereits intern am 28. März 1896 ausgeschrieben wurde, längere Zeit über nichts. Im Sommer wurde damals kaum Fussball gespielt, Rudern, Tennis, Radfahren sowie der Pferdesport standen im Vordergrund.

Am 16. November 1896 gab es dann endlich im „Neuen Wiener Tagblatt“ die Ankündigung einer böhmischen Meisterschaft, welche von vier Mannschaften (Regatta und Cesky Sculling Cercle nahmen nicht teil) in einem System Jeder gegen Jeden abgehalten werden solle. Die Termine für die Spielpaarungen waren folgende: 15. November, 22. November, 29. November. Gespielt wurde auf der Kaiserwiese in Smichov. Die Spielpaarungen lauteten folgendermassen:

15. November:

DFC Prag – Slavia Praha 4-2

Sparta Praha – FC Praha 6-0

22. November:

DFC Prag – FC Praha 11-0

Sparta Praha – Slavia Praha, nicht stattgefunden, da zwei Spieler der Slavia als Schüler nicht konnten.

29. November:

DFC Prag – Sparta Praha 3-1

Slavia Praha – FC Praha, nicht stattgefunden, da zwei Spieler der Slavia als Schüler nicht konnten.

 

Erster böhmischer Meister wurde der „Deutsche Fussballklub Prag“, der alle Spiele gewinnen konnte.

 

Interessanterweise fand am 23. November 1896 ein Spiel zwischen „Regatta“ und „Cesky Sculling Cercle“ statt, welches die „Regatta“ mit 6-1 gewann. Die damalige Sportpresse wunderte sich, dass der spielstärkste Verein, die „Regatta“ an der Meisterschaft nicht teilnahm, ich konnte jedoch den Grund dafür nicht recht herausfinden.



Quelle: ANNO, Neues Wiener Tagblatt, Ausgaben 1896

Aus der Urzeit des Fussballs

 

Fussballvereine vor 1900 (wird weiter ergänzt):

 


1894:

First Vienna FC (22.8.1894)

Vienna Cricket and Football Club (23.8.1894)

 

1896:

Badner Gymnasium

Schwechater Fussballklub

Rasenspiel Club Austria (17.5.1896)

Wiener Club für sportliche Spiele „Olympia“ 1896

Wiener Fussballclub Vindobona 1896

Deutschösterreichischer Turnverein 1896

Rasenspiel Club „Training“ 1896

Akademisch-Technischer Radfahrklub Graz

Deutscher Fussballclub Prag

Prager Fussballclub „Regatta“

 

Der Wiener Fussballclub „Vindobona“ dürfte am 7. Juni 1896 das erste Spiel gegen den Deutschösterreichischen Turnverein ausgetragen haben, das Ergebnis war 0-4. Drei Tage später spielten sie gegen die Vienna 0-0.

Der Wiener Club für sportliche Spiele „Olympia“ spielte sein erstes Wettspiel gegen den Rasenspiel Club Training am 11. Oktober 1896 auf der Jesuitenwiese genannten Spielstätte nähe der damaligen Sophienbrücke, heute Schlachthausbrücke. Das Ergebnis war 2-0 für Olympia.

Der Rasenspiel Club „Austria“ absolvierte offenbar sein erstes Spiel gegen die zweite Mannschaft der Vienna am 11. Oktober 1896 auf der Hohen Warte (alt) und verlor mit 0-4.





Quelle: ANNO, Neues Wiener Tagblatt, Ausgaben 1896

Alte Rivalitäten müssen gepflegt werden

 

1896 gab es noch nicht so viele Fussballvereine. Da waren natürlich der „Vienna Football and Cricket Club“, der „First Vienna Football Club“, der „Rasenspiel Club Austria“, das „Badner Gymnasium“, der „Schwechater Fussballklub“, der „Akademische Radfahrklub Graz“. Daneben noch der „Regatta Club Prag“, die Budapester Klubs „Magyar Atletikai Club (MAC)“ und der „Budapesti Torna Club (BTC)“.

Trotzdem – oder gerade deswegen – gab es eine große Rivalität zwischen den „Cricketern“ und der „Vienna“.  Es ging um das Wort „First“ im Klubnamen, den die Vienna gewann, weil der damalige Beamte schneller mit der Bearbeitung war. Egal. Das ist ausdiskutiert und Geschichte (auch wenn es einen Verein im Osten Purkersdorfs gibt, der beharrlich versucht, immer älter zu werden).

Die „Cricketer“ rächten sich dafür, dass sie die Vienna jahrelang beharrlich als „Heiligenstädter Fussballclub“ bezeichneten und dies auch in den Zeitungen so publizieren liessen, wie die Artikel aus dem Herbst 1896 belegen. Eigentlich lustig.

Wobei – wie heisst die Vienna eigentlich künftig, nachdem sie mit Red Bull zusammengegangen ist ? Man darf gespannt sein. Mir tuts ja nur um die vielen alten Gesichter auf der HoWa leid, denen wie weiland dem alten Kaiser „auch nix erspart bleibt“.




Dienstag, 26. Juli 2022

Sonntag, 24. Juli 2022

Aus der Serie "Lustige Begebenheiten"

 Düsseldorferinnen aufgepasst: Wenn du vom Fenster aus mit deiner Flinte Spatzen schiessen willst, und dabei versehentlich die Nachbarin beim Wäscheaufhängen umnagelst, ist das ein Unfall. 



Quelle: Neues Wiener Tagblatt, Juli 1896