Montag, 3. August 2026

Die "Oesterreichische Fussball Union" löst sich auf

 Die "OeFU" war der erste echte Verband im heutigen Österreich. Hervorgegangen aus dem "Comitee zur Abhaltung von Wettspielen 1896" war sie vor allem auf Betreiben des großen Mannes des österreichischen Fussballs, M.D. Nicolson im Jahr 1900 entstanden. Nicht alle damaligen Vereine waren sogenannte "Verbandsvereine" sondern nur etwa ein Drittel der Mannschaften traten bei. Die Konsequenz daraus war der "Neue Wiener Tagblatt" Pokal für Verbandsmannschaften, die erste österreichische Meisterschaft (die vom ÖFB nicht anerkannt wurde). Der Wanderpokal ging nach dem dreimaligen Gewinn an den Wiener Athletik Club, dem damals wohl besten Verein in Wien. Zeitgleich gab es in Österreich-Ungarn auch den "Challenge Cup", welcher 1897 von den Cricketern gespendet worden war und der für alle Mannschaften in Österreich-Ungarn offen war. Verbandsmannschaften wohlgemerkt. Beide Konkurrenzen bargen immer wieder Zündstoff, da die damalige Einteilung in "erstklassige" und "zweitklassige" Mannschaften meiner Meinung nach vollkommen willkürlich waren und - was die Ergebnisse betraf - oft nicht die Realität abbildeten. 1903 schließlich kam es in beiden Konkurrenzen zu einem Eklat, an dem die Vienna und der Wiener AC 1898 (der sich kurz darauf auflöste) beteiligt waren. Ein Spiel der beiden Mannschaften wurde annuliert und sollte nachgetragen werden. Es wurde nicht nachgetragen. Der zweite Eklat, bei dem die Vienna wohl schuldlos war war, dass viele Verbandsmannschaften ihre Wettspiele (seit 1896 verlangte man Eintritt) nicht zu Ende spielten, sprich abbrachen wenn sie keine Lust mehr hatten. Das förderte den Unmut aller und so traten Anfang 1904 die Vienna und die Cricketer aus der "OeFU" aus und besiegelten den Untergang. Im September oder Oktober, so genau gibt das der Artikel nicht her löste sich die "OeFU" auf, deren Vereine traten dem zeitgleich gegründeten "Österreichischen Fussball Verband", heute ÖFB bei und beteiligten sich ab September 1904 an einer meisterschaftsähnlichen Pokalkonkurrenz. Das Challenge Cup Comite´ wiederum trat zurück und machte einem neuen Platz. Dieser Cup sollte bis fast zum Ersten Weltkrieg weitergespielt werden. 






Neue Fussballplätze

 

Im Herbst 1904 wurden einige Fussballplätze eröffnet. Hetzendorf zum Beispiel oder auch der Schwechater Platz. Das größte Medienereignis war aber die Eröffnung des neuen Cricketerplatzes, welcher am 25. September 1904 stattfand. Der 1. Münchner Sportclub von 1896 war zu Gast und bekam eine unvorstellbare 20-1 Packung verpasst.










SK Sturm Wien 1904

Noch ein paar Schnipsel zum ersten und "echten" SK Sturm. Die Grazer Kopie, die es zugegebenermaßen noch heute gibt wurde fünf Jahre später gegründet. 



Und um das noch zu vervollständigen: Es gab in Wien, nämlich in Favoriten noch einen Sportclub Sturm, gegründet 1907.



Schräge Vereine

Heutzutage gibt es ja viele eher schräge Vereine und wie man so auf Denglish sagt, "NGOs". Das dies kein Phänomen unserer Tage ist, beweist ein Artikel vom 2. September 1904 in dem geschrieben steht, dass man die Grünung eines "Vereins zur Bekämpfung der Staubplage" gründen will. Wie genau die Staubplage bekämpft werden sollte bleibt offen, man wollte damit aber die "Feinde des Automobilismus" dezimieren wie es im Artikel heisst und gleichzeitig den Automobilsport fördern. Damals rasten die Karossen ja mit immerhin fast 40 km/h über die Pisten. Da kann schon viel Staub aufgewirbelt werden. 



Ruderboot gesucht

 Im Sommer 1904 ging während eines Trainings ein Ruderboot des Ruderclubs "Die Piraten" aus Langenzersdorf verloren. Der Verein veröffentlichte daraufhin eine Suchmeldung. Gefunden wurde das Boot bis heute nicht. Falls also irgendjemand ein 1894 gebautes braunes Ruderboot findet, bitte in Langenzersdorf abgeben. Danke. 



Sonntag, 2. August 2026

Auf den Spuren von Nick Knatterton

 

Wir waren ja letzten Freitag in Dornbach, am ehemaligen Sportclubplatz jetzt „Stadion der Stadt Wien“ und da trifft es sich gut, dass ich einen Zeitungsschnipsel aus dem Juli 1904 finde, an dem die „Wiener Sportvereinigung“ anzeigt, einen neuen Platz in Dornbach gefunden zu haben und deswegen den bisher genutzten Cottageplatz aufgeben würde. Über den Cottageplatz kann man in diesem Blog schon etwas lesen, interessanter ist der neue Platz in Dornbach. Ich kombiniere messerscharf, dass das die erste Erwähnung des heutigen „Stadion der Stadt Wien“ ist, die man in den Tageszeitungen finden kann. Das genaue Datum der Ausgabe war der 5. Juli 1904.

 



Ein weiterer Zeitungsartikel beschäftigt sich mit dem ersten Fussballspiel in Innsbruck vom 21. Juli 1904 statt. Dort wurde berichtet, dass „kürzlich“ eine Innsbrucker Mannschaft, nämlich der „Innsbrucker Turnverein“ ein Spiel gegen einen kleinen Münchner Verein namens „Bayern München“ absolviert hatte. Das Spiel ging 1-1 unentschieden aus.

 


Auch spannend war die Erwähnung einer „Favoritner Austria“ am 23. Juli 1904, die gegen Rudolphshügel (welche?) ein Spiel auf dem eigenen „Austriaplatz“ spielen sollte. Wer dieser Verein ist und wo der Platz war konnte ich bisher noch nicht in Erfahrung bringen. Aber ich finds spannend.

 


Ebenfalls wurde die Fusion des Brigittenauer Sport Vereins mit dem Sport- und Geselligkeitsverein „Vorwärts“ angezeigt.

 


Ein Herr Hermann Blaha, wohnhaft Wien XVII, Rosensteingasse Nr. 65 suchte namens des Sporverein „Transvaal 1904“ Wettspielgegner für den Sommer.

 


Eine Generalversammlung gab es bei einem Verein namens FC Helios Floridsdorf im Juli 1904, der Schriftführer ist mir ins Auge gestochen: Adolf Krautschneider. Hübscher Name.



Hybride Autos anno 1904

 Hybridautos werden ja als supertolle neue Kombination zwischen Elektroautos und Benziner gefeiert. In den letzten Jahren gab es da einen richtigen Hype darum. Jeder wollte diese tolle neue Erfindung haben. Tatsache ist aber, dass diese „neue“ Erfindung schon im Jahr 1904 erfunden wurde. Die Firma Lohner-Porsche präsentierte auf der Automobilausstellung die ersten „Elektro-Benziner“. Drei schnittige Modelle waren im Angebot. Nachzulesen hier:

ANNO, Neues Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe), 1904-04-29





Freitag, 31. Juli 2026

Wiener Sportclub gegen Favoritner AC

 

Eine Reise in das Stadion der Stadt Wien

 


Wien ist ja eine schöne Stadt, die manchmal umgebaut werden muss. Also hat man sich gedacht, dass man die Bezirke, die Gott mit keiner besonderen Schönheit ausgezeichnet hat, ein bisserl umbaut. Begonnen wird mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, damit die armen Leute auch wirklich in ihre Wohnhöhlen finden. Oder in das Stadion der Stadt Wien, dem ehemaligen Sportclubplatz. Dort ist alles Neu: Die „blaue Tribüne“ ist jetzt schwarz und trägt die weißen Ziffern der Gründung irgendeines Radfahrvereines, die Friedhofstribüne ist endlich überdacht und mit lustigen „Kuhpferchmodell“-Sitzen/Stehern ausgerüstet, sprich alles wurde getan, um rauschende Fussballfeste zu feiern. Die Haupttribüne ist ein bischen steiler als die alte und ebenfalls überdacht. Und sie hat einen Lift, mit denen die älteren Sportclubfans, also jene, die es schon waren als der WSC noch seinen Arierparagrafen hatte hinaufkommen können. Vielleicht laufen deshalb heute noch einige Leute mit Mohammed Amin Al-Husseinis* schwarzweiß karierten Tüchern herum. Man weiß es halt nicht. Und es ist auch egal.



Der Einlaß ist ein bisserl kompliziert, das Ticketsystem komisch und man bekam eine Kontrolle wie auf dem Flughafen. Inklusive Rucksack. Aber das – siehe Stichwort schwarzweisse Tücher oben – wahrscheinlich nicht ohne Grund. Gut. Wir waren dann drinnen und beflaggten unseren Sektor, der auf der Haupttribüne war, da die „blaue“ (jetzt schwarze) Tribüne nicht offen war. Die Gastro warats, wegen der man nicht aufsperren wollte. Also waren wir auf der Längstribüne. Gut bewacht von mehreren Securitys, einer hatte sogar einen Hocker mit, und der Polizei. Lustig.



Bei Spielbeginn begannen wir unseren geliebten und geschätzten Support und erstaunten damit das anwesende Publikum, die nur die „Murmlertribüne“ gewohnt waren. Manöverkritik: Wenn ich 500 Leut auf einer Fantribüne habe, dann hört man die Auswärtsfans quasi nie. Im Stadion der Stadt Wien war das doch der Fall. Nur nach den Toren hörte man, was diese Tribüne zu leisten imstande ist. „You only sing when your winning“. Die Sportclubfans sind halt immer noch so chillig, bunt und antifaschistisch wie früher. Also die echten, nicht die Freizeitfussballfans, die das Ganze mit irgendeinem Event, politischen Treffen oder Sesselkreis verwechseln.

Das Spiel selber ist schnell erklärt: Ohne unseren Tormann hätten wir eine klare Packung bekommen. So verloren wir nur 0-2. Über das Danach kann ich nicht viel sagen, da ich damit beschäftigt war, aus Dornbach wieder öffentlich irgendwie in die Stadt zu kommen und das auch geschafft habe. Gute Nacht.

 


 NUR DER FAVAC!


*) 1895 (?) – 1974, Großmufti von Jerusalem, Antisemit, SS-General, Muslimbruder und Ziehvater von Yassir Arafat. Er „erfand“ in den 1920er Jahren die schwarzweiße Kufiya, um seine Kämpfer zu schützen. Ich nehme an, Jeder von Euch hat Google. A „sympatisches“ Kerlchen quasi.



Englische Schnurren

 


Der MTK in Wien

 

Am 11. März 1904 veröffentlichte das Neue Wiener Tagblatt die Meldung, dass der Magyar Testgyakorlok Köre 1888, kurz MTK, dessen Fussballsektion 1901 entstand ein Spiel gegen den Wiener Athletik Klub 1897 (also dem WAC) in Wien absolvieren wird. Es war dies der erste Auftritt des neuen ungarischen Vereines in Wien. Bereits im Vorjahr war der WAC nach Budapest gekommen und hat dort 2-1 gewonnen. Der MTK galt in seiner damaligen Form als absolut erstklassig und hat sich unter den „Großen Drei“ (das waren MTK, BTC und FTC) etabliert und den Mügyetemi AC (Verein der Hochschultechniker) auf den vierten Platz verwiesen. Das Spiel fand am 13. März 1904 am WAC Platz statt und endete mit einem glatten 7-0 Sieg der Rotschwarzen.