Dienstag, 23. Juni 2026

Die dritte Saison des FAVAC (und auch die letzte bis Kriegsende)

 


Der Herbstspielplan der letzten Friedenssaison vor dem Ersten Weltkrieg sah für den FAVAC folgendermaßen aus:

31.8.1913: FAVAC – Simmeringer SV

7.9.1913: Taubstummen SV – FAVAC

21.9.1913: FAVAC – Romania 6-0

12.10.1913: WSV – FAVAC (Wiener Sport Vereinigung) 2-0

19.10.1913: Südstern – FAVAC 4-2

26.10.1913: FAVAC – Frem 4-2

2.11.1913: Favoritner Sparta – FAVAC 2-3

9.11.1913: FAVAC spielfrei

16.11.1913: Favoritner Bewegungsspieler – FAVAC (verschoben auf 21.12.) 5-0

23.11.1913: FAVAC – Holub 2-4

7.12.1913; Wieden – FAVAC

14.12.1913: Floridsdorfer Fortuna – FAVAC 1-1

 











Soweit ich nachrecherchieren konnte, finden sich auch die Spielergebnisse der Herbstrunde im obigen Spielplan. Das Interessante daran ist, dass der FAVAC immer wieder mal anders benannt wird. Wenn der Spielplan allerdings stimmt, sind das die richtigen Ergebnisse. Da Ende November die Drucker in Wien in den Streik getreten sind, gab es fast 54 Tage lang nur eine anbgespeckte Version der Sportblätter. Erst im Februar 1914 gab es dann die Blätter in gewohnter Seitenstärke.


In der Frühjahrsrunde begann der FAVAC – wenn man den Blättern glauben kann in der ersten Runde mit einer Niederlage gegen den Simmeringer SV (Nicht mit dem 1.SSC zu verwechseln). Im Onlinearchiv ANNO konnte ich leider keinen Spielplan wie für den Herbst finden, man kann allerdings davon ausgehen, dass er ähnlich gelagert ist wie jener aus dem Herbst. Dieses System wird ja bis heute verwendet. Einige Resultate habe ich dennoch gefunden.

 

14.3.1914: Simmeringer SV – FAVAC 3-2

19.3.1914: FAVAC – Südstern 3-0

9.4.1914: FAVAC – Taubstummen SV 8-0

26.4.1914: Frem – FAVAC 2-3

28.5.1914: FAVAC - Favoritner Bewegungsspieler 0-1 (2 Punkte FAVAC weil Bewegung einen unberechtigten Spieler eingesetzt hat.

10.5.1914: FAVAC – Favoritner Sparta 2-1

 






Neben der Meisterschaft spielte der FAVAC im Jahre 1914 auch noch im Cup, gewann zwar das erste Spiel, schied aber in der zweiten Runde aus. Dafür wurde diese letzte Friedensmeisterschaft die erfolgreichste in der noch jungen Vereinsgeschichte. Die Favoritner Athletiker konnten sich im oberen Tabellendrittel etablieren und es bestand die berechtigte Hoffnung, in der nächsten Saison (1914/1915) um den Aufstieg mitspielen zu können. Wie wir allerdings wissen, erschütterte ein Mord am 28. Juni 1914 die Welt und Europa befand sich sechs Wochen später in einem Weltkrieg, an dem sich bis 1918 drei Viertel der Weltbevölkerung beteiligte. Ich möchte hier auch festhalten, dass es mir nicht um die Schuldfrage oder Ähnliches geht, sondern darum, was aus dem österreichischen bzw. europäischen Fussball geworden wäre, hätte es diesen (und den darauffolgenden) Weltkrieg nicht gegeben. Hier noch die Abschlusstabelle der Saison 1913/1914:





Sonntag, 21. Juni 2026

"Damen"fussball Anno 1914

 Im Illustrierten österreichischen Sportblatt wurde am 14. März 1914 ein Artikel über ein "Damenfussballmatch als Karnevalsscherz" in England, genauer in London berichtet. Die Dame mit dem Hut ist die Schiedsrichterin. Stattgefunden hat es an der White Hart Lane von Tottenham. 




Ein legendärer Favoritner Verein

 Es gibt ja in den Nachschlagewerken immer wieder eine gewisse Unklarheit, wann genau der FC Wien gegründet wurde. Manche sagen 1913, manche sagen 1914. Ich habe da in den Sportblättern ein wenig recherchiert und nachfolgende Artikel über die Gründung des "Sport Club Nicholson" gefunden. Diesen Namen trugen die Favoritner, die am Südsternplatz, später FC Wien Platz spielten von 1913 bis 1933. Danach nannten sie sich FC Wien. Leider gibt es diesen kultigen Verein nicht mehr, 1973 endete die Karriere. Heute steht an Stelle des Platzes ein Wohnbau, die darin befindliche Parkanlage nennt man FC-Wien-Park. 

Aber zurück zum Ursprung: am 15. November 1913 fand die konstituierende Generalversammlung des SC Nicolsons im Cafe Metz, 1040 Wien, Favoritenstraße 17 statt. Erster Obmann wurde Otto Raimann. 



Zur Namensgebung: Wer sich für Fussballhistorie interessiert weiß, wer J.D.Nicolson war, nämlich jener Mensch, der den Fussball nach Wien genauer zur Vienna brachte und lange dort tätig war. Er war beim großen Reiseveranstalter "Cook-Reisen" beschäftigt. Nicolson selber schrieb einen Brief an "seinen Verein", der am 21. Februar 1914 im "Illustrierten österreichischen Sportblatt" abgedruckt wurde (siehe ganz unten): 





Samstag, 20. Juni 2026

Noch mehr analoges Internet

 Im Jänner 1914 entflohen in der Nähe von Jekaterinenburg (Russland) 25 Leprakranke, „erschreckten eine Kosakenpatrouille“, kaperten einen Postzug und fuhren in die Stadt hinein, wo sie Panik verbreiteten. Sie beschwerten sich beim zuständigen Sanitätsamt, wurden beruhigt und wieder zurückgebracht. Is eh ned lustig, aber so wie das geschrieben ist – Bussi!



Auch eine sehr wertvolle Information: Im Jänner 1914 flog die erste ägyptische Haremsdame mit einem Aeroplan. Heut würd ma Flugzeug dazu sagen. Warum das eine Meldung wert war, weiß der Kuckuck.

 


Ein Selbstmord in der Telefonzelle erschütterte die Gesellschaft. Ich habe keine näheren Informationen aus den Zeitungen, warum das passiert ist, den Zeitungen war es  jedenfalls ein Bild wert



Aus dem analogen Internet vor 120 Jahren

 

1913 war ein Zirkus in Leipzig. Der hatte Löwen mit. Einer davon brach aus. Es gab eine glückliche Löwenjagd, verletzt dürfte niemand geworden sein und so wurde der Zirkusdirektor Kreiser zu 100 Reichsmark (wieder so eine alte Währung) und der Kutscher, der den Wagen mit dem Löwen unbeaufsichtigt ließ, zu 25 Mark wegen Vergehens gegen die Verkehrsvorschriften verurteilt. Auch ned schlecht. Also merkts euch: wenn euer Hauslöwe bäule geht ist das ein Verstoß gegen die StVO.

 


Die letzten Tage des Jahres 1913 waren für Schauspieler und Varietekünstler ned so gut: zuerst erschiesst der senile Vater seinen Sohn, einen Varietekünstler, dann räumt sich ein Sänger nach der Vorstellung selber weg, weil er „derrisch“ geworden ist. Na ja.

 




Am 1. Jänner 1914 fand man in der Rubrik „Was gibt es Neues“ heraus, dass auf Silvester Neujahr folgt. Schlaue Burschen, diese Redakteure. Waren immerhin nüchtern genug, sich daran noch zu erinnern.

 


Was macht man in Rußland, wenn die Eltern gegen eine Ehe ihrer Tochter mit einem selber ist? Genau, man entführt das Töchterchen. Passiert im Jahr 1914.



Was früher so alles "Sport" war

 


Die „illustrirte Sport Zeitung“ ist auch so ein halbirres Blatt: da werden Rennwolftouren im Harz angeboten, die älteste deutsche Raubtierfallenfabrik angepriesen oder die Bürgerschützengarde von Budapest vorgestellt. Oder Kostümbälle für Radfahrvereine. Schon damals hatten die Radler die irre Idee, in Gebäuden herumzugurken. Ebenfalls befremdlich ist der Artikel, in dem man sich darüber Sorgen machte, warum junge Mädchen zu alten Jungfern werden. Ich habe noch nicht ganz herausgefunden, welche Sportart das im Detail ist, nehme aber Anregungen gerne an. Im Übrigen finde ich Schienbeinschützer für Pferde auch eher – nuja – wobei, warum nicht. Ziemlich gschissn hab ich das Foto über den Tigerfang mit Fangeisen gefunden. Ich mein, habens denen einbrochn?






Salon"sportler"

 

Beim Stöbern in alten Zeitungen bin ich auf ein Blatt namens „Sport und Salon“ gestoßen. Bei der Durchsicht alter Exemplare aus der Zeit des Ersten Weltkriegs fiel mir auf, dass „Sport“ dort sehr rudimentär vorgekommen ist, die kriegführenden Menschen und Adeligen aber sehr wohl. So wurde der Besuch des türkischen Kriegsministers Enver Pascha 1917 samt Ordensverleihung gefeiert – warum erschließt sich mir nicht, da ich es für ein wenig irritierend finde, dem Organisator des Völkermords an den christlichen Armeniern zu ehren. Auch die Kinder des ermordeten Thronfolgerpaares wurden abgelichtet. Daneben wurde noch das von Revolutionären gestürmte Winterpalais in Sankt Petersburg gezeigt und zum Drüberstreuen noch eine „Postkartenansicht“ des zerstörten Reims. Insgesamt fand ich einen einzigen Artikel über Fussball, nämlich vom Kronprinzenpokal 1917 in Berlin. Ich finde dieses Blatt ein wenig sehr befremdlich.






Noch befremdlicher finde ich die Proklamation der Republik Deutschösterreich, welche in diesem Blatt – keine Ahnung welcher Sport das gewesen ist, vielleicht Schiesssport, da damals ja Schüsse gefallen sind, die 4 Tote und 20 Verletzte forderten – veröffentlicht wurden.