Mittwoch, 10. Juni 2026

Die Sache mit der österreichischen Meisterschaft

 Im Gebiet des heutigen Österreichs gab es ja immer wieder Versuche, eine Meisterschaft nach englischem Vorbild zu installieren. Waren es Anno 1896 die Deutschböhmen in Prag, die die erste böhmische/österreichische Meisterschaft starteten, so gab es Anno 1900 auf Veranlassung des „Österreichischen Tagblattes“ den sogenannten Tagblattpokal, welcher im Meisterschaftsmodus mit zwei Klassen ausgetragen wurde. Drei Meisterschaften wurden vollständig ausgetragen, bei denen der WAC alle drei gewinnen konnte, die vierte nicht zu Ende gespielt, weil sich einige teilnehmende Vereine benachteiligt fühlten. Vor allem die Vienna war da federführend für dieses Scheitern des Tagblattpokals. Anno 1906 wurde noch einmal versucht, eine Meisterschaft zu starten – sie scheiterte aus denselben Gründen wie der Tagblattpokal. Danach spielte man zwar Wettspiele, sie wurden aber nicht in eine Tabelle gepasst, da die Vereine ihre Wettspiele nach Lust und Gegner aussuchten, sodass einige Vereine nie gegeneinander spielten. Im Sommer 1911 war es dann (endlich) soweit und die Verbandsvereine einigten sich auf eine Meisterschaft. Die Vereine wurden nach ihrer (angeblichen) Spielstärke in mehrere Klassen eingeteilt (eine davon waren die Provinzvereine) und vom NoeFV administriert. Nachfolgend seht ihr diese Klasseneinteilung. Auch der FAVAC war damals dabei, er wurde in die II. Klasse C eingereiht.

 




In Ungarn begann die Fussballmeisterschaft 1901, der erste Meister war der BTC (Budapesti Torna Club, gegr. 1885) wurde aber – anders als die 1. Klasse in Österreich – während des Krieges 1914 – 1916 unterbrochen. Ebenso wurde die Saison 1944/45 abgebrochen, da in diese Zeit die Belagerung und Schlacht um Budapest stattfand. Auch während des ungarischen Volksaufstandes 1956 gab es keine ausgespielte Meisterschaft. Vor 1944 war das große Budapester Duell übrigens MTK gegen Ferencvaros. MTK holte sich damals 15 Titel, Ferencvaros ebenfalls 15. Ujpest folgte mit 5 Titeln, Csepel und BTC mit je zwei Titel. In der Saison 1943/44 wurde mit dem AC Nagyvaradi erstmals ein nichtbudapester Verein Meister. Dieser Verein schaffte es nach dem Krieg, als Oradea wieder bei Rumänien war das Kunststück, in Rumänien ebenfalls Meister zu werden. Er ist damit der einzige Verein der (ehemaligen) Donaumonarchie, der in zwei verschiedenen Landesmeisterschaften den Titel erringen konnte. Soweit ich weiß ist er das auch weltweit als Einziger. (Falls irgendjemand noch einen Verein kennt wäre ich dankbar.)

Wenn man von der österreichischen Meisterschaft spricht sollte man sich vor Augen führen, dass bis zum Zweiten Weltkrieg nur Wiener Mannschaften spielten (obwohl es durchaus gute Mannschaften aus der Provinz gab) und die ersten Meisterschaften von 1911/12 bis 1922/23 vom Niederösterreichischen Fussballverband ausgerichtet wurden (Rekordmeister: Rapid), danach von 1923/24 bis 1938 vom Wiener Fussballverband. Der erste Wiener Meister wurde der Amateur Sport Verein (ab 1926 Austria Wien). 1924 wurde auch das Profitum in Österreich eingeführt, der erste Profimeister 1924/25 war der SC Hakoah Wien. Den gibt es aus Gründen, die im Ursprung der Fünf-Buchstaben-Partei und des „Anschlusses Österreichs“ liegen. Daneben gab es auch eine Provinz/Amateurmeisterschaft, an der auch Wiener Vereine teilnahmen. Post SV wurde einmal Amateurmeister. Wenn mich nicht alles täuscht (ich war zu faul in meinem Archiv nachzuschaun) war der GAK der Rekordsieger. 


Sieht man sich die Liste weiter oben an findet man auch heute noch durchaus bekannte Fussballvereine, die heute ganz woanders spielen. Cracovia Krakau zum Beispiel. Oder die damals in Galizien gelegenen Vereine Pogon (Lemberg, in seiner Tradition wurde Pogon Stettin gegründet) oder Czarni Lemberg (genauso wie Pogon Stettin heute als Czarni Jaszlo aktiv). 



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