Der FAVAC spielt
international. Und zwar in Sopron. Eine Auslandspartie im Sommer. Noch dazu
Ungarn. Da muss man natürlich hin. Mit der Bahn geht es normalerweise recht
gut, gibt es doch üblicherweise eine direkte Verbindung – sowohl von
Deutsch-Westungarn aus als auch aus der Reichs- und Residenzstadt.
Normalerweise.
Meine Weltreise
begann in Szeleskut auch Breitenbrunn genannt. Ist übrigens eine wortwörtliche
Übersetzung (nicht so wie bei Sopron). Rein in die Bimmelbahn und weiter nach
Wulkaprodersdorf. Dachte man sich halt so. Aber nein, der Zug fuhr nur bis zum
Bahnhof Eisenstadt, geneigten Krawallblätterlesern durch eine Bombendrohung
bekannt.
Ein netter kleiner
Bahnhof mit immerhin drei Bahnsteigen. Die Gastwirtschaft ist normalerweise
echt genial, leider war sie diesmal zu. Warum auch immer. Also wartete man dort
auf den Zug, der mich eine Station weiter nach Wulkaprodersdorf (Vulkapordany) bringen
sollte. Von dort ging es mit einem weiteren Umstieg nach Sopron. Am GySEV
Bahnhof besichtigte ich noch die über hundert Jahre alte Dampflok, die seit
ewigen Zeiten dort steht.
Von Wien aus fuhren
die anderen Fans auch nach Wulkaprodersdorf und durften dort ebenfalls
umsteigen. Es ist ja echt schräg, dass die GySEV jetzt statt einem
durchgehenden Zug nach Deutschkreuz zwei Züge hat, die in Wulkaprodersdorf
stehen blieben. Da dürften irgendwelche Lokführer schlimm gewesen und
zwangsweise dazu verdonnert worden sein den ganzen Tag sinnlos drei Stationen
hin- und herzufahren. Aber gut.
Man war dann also in
Sopron, der heimlichen Hauptstadt des Burgenlandes. Ein bischen den Bahnhof
erkundet, ein paar Bier inhaliert und darauf gewartet, dass sich alle ULTRAS
versammelten. Interessanterweise konnte man am Bahnhof nur mehr mit Forint
zahlen, früher undenkbar. Da wollten die Leute lieber Euro als ihre wertlosen
Lappen. Egal. Man hat – „vollkommen überraschend“ – Forint dabei.
Die Bedienung hat
sich jedenfalls einen gegrinst, als man mehrmals bestellte und wir spielten das
lustige Spiel: „Ich zahle mit einem Schein, bekomme Scheine und Münzen,
bestelle noch mal und retourniere die erhaltenen Scheine und Münzen wieder“.
Jedenfalls hatte ich danach nur noch Scheine in der Hand. Die Münzen kannst eh
nur zum Anmäuerln verwenden. Vor allem die 5 Forint Münzen, die wertloser sind
als unsere 1 Cent Münzen.
Mit 15 Mann ging es
dann in Richtung Stadion, welches am anderen Ende der Stadt ist. Für einen
Sonntagnachmittag war es gespenstisch ruhig, kaum Leute auf der Straße, die
Lokale fast alle zu und so mussten wir unsere Flüssigverpflegung bei der
Tankstelle bzw. beim Tabakladen holen. Im Stadion, welches sperrangelweit offen
war gab es folgerichtig – nichts. Immerhin haben sie eine Toilette aufgesperrt.
Sehr nett.
Es waren vielleicht
100 Menschen im Stadion, davon gut und gerne 40 aus Wien. Für einen Verein, der
normalerweise einen recht zufriedenstellenden Zuschauerschnitt hat auch sehr
verwunderlich. Aber wie uns die Ungarn erzählten liegt das daran, dass sie sich
mit diesem SC Sopron nicht identifizieren können, der von einem Fidesz-Youtubestar
gesponsert wird oder wurde. Es ist wie so oft ein Politikum, weil sich zwei
Fidesz-Funktionäre nicht einigen können. Eigentlich traurig, wenn man bedenkt,
dass zwischen 2004 und 2006 hier Europacup gespielt wurde.
Die Hauptttribüne ist
ein mächtiges Ding – sogar mit Dach – und lag leider genau sonnenseitig, sodass
wir uns ganz hinauf stellen mussten. Dafür war die Akustik nicht übel. Von den
Heimfans war nicht viel zu sehen, lediglich zwei Veteranen der City Boys waren
da und unterhielten sich mit uns. Warum das so war, siehe oben.
Das Stadion an der
Kaposztas utca, zu Deutsch „Krautgasse“ ist ein sehr altes. Schon mein Papa hat
dort (allerdings Handball) gespielt. Bis zu den 90ern war es einfach ein Platz
mit Stehplatztribünen, einem kleinen Vereinshäuschen und etwas 60 VIP
Sitzplätzen. Bis zur Jahrtausendwende wurden die Tribünen nach und nach
modernisiert, die Stehplätze hinter dem Tor verschwanden und die große Tribüne
(2015 überdacht) entstand. In dieser Zeit erhielt es dann den offiziellen
Namen: Varosi Stadion, was so viel wie „Städtisches Stadion“ bedeutet.
Sopron hat noch zwei
weitere Fussballplätze: Jenen von SVSE an der Sport Utca (Sportgasse) gleich
oberhalb des GySEV-Bahnhofs und jenen von SFAC (Soproni Football es Atletikai
Club) am Anger reti Sporttelep. Aber das ist eine andere Geschichte die ich ein
anderes Mal erzählen werde.
Vor dem Spiel habe
ich dann noch Simon Tibi meine Reverenz erwiesen und einen Schal dort gelassen.
Die Geschichte rund um den Trainer von Sopron habe ich ja schon geschildert. Einige
Vereinsfunktionäre bedankten sich dann für diese – für mich selbstverständliche
– Geste. Nett. Respekt.
Jau das Spiel. Zum
Vergessen, der FAVAC kam mit dem großen Rasenplatz (100 x 70m) überhaupt nicht
zurecht und konnte kaum ins Spiel finden. Sopron, die auch in der ungarischen
dritten Liga spielen gewannen zurecht und verdient mit 3-0. Man kann jetzt natürlich
über die sehr schlechten Schiedsrichter schimpfen, ursächlich schuld an der
Niederlage waren sie aber nicht. Bei uns hat nichts zusammengepasst, keine
erkennbaren Stürmer, die Abwehr auf Urlaub lediglich das Mittelfeld passte gut
zusammen. Man merkt halt, dass es eine neu zustammengestellte (fast hätte ich
gesagt zusammengewürfelte) Mannschaft ist. Da gibt es noch viele Punkte, die
man abschleifen muss. Aber immerhin – wir spielten international.

Ja dann ging es
wieder einmal darum Getränke und Futter zu finden. Ein erster Ansteuerungspunkt
entpuppte sich als Nullnummer, weil der „junge Kellner“ vollkommen überfordert
war und lieber mit seinen beiden Freunden plauderte. Dann fanden wir am
Varkerület (Burgring oder wie es dort heisst Grabenrunde) ein gutes Lokal,
welches normalerweise um diese Uhrzeit bummvoll war, diesmal aber quasi leer.
Auch die anderen Bars entlang des Varkerület waren gähnend leer. Sehr komisch. Irgendwie
waren auch am Nachmittag kaum Leute in Sopron unterwegs, Touristen sah ich
keine aber auch die Einheimischen ließen sich nicht blicken.
Gut nachdem wir
gefuttert haben ging es wieder zum Bahnhof und wir erreichten ihn pünktlich
genug um in den Zug nach – Ratet mal – genau Wulkaprodersdorf einsteigen zu
können. Mit diesem zuckelten wir dann über die Grenze nach Österreich, warteten
in Baumgarten (Sopronkertes), der heimlichen Perle des Burgenlandes auf einen
Gegenzug (weil man die Hauptstrecke nach Sopron immer noch nicht zweigleisig
ausgestattet hat), stiegen in Wulkaprodersdorf dann in den Zug nach Wien und
kamen kurz vor Mitternacht in der Reichs- und Residenzstadt an. Lustig wars.
Und das Wichtigste: wir haben keinen „verloren“. Dazu muss man sagen, dass
unser Schalkefan auch nicht dabei war.
Danke an Pöli und die
Anderen für die Gastfreundschaft und die nette Begleitung, hoffentlich sehen
wir uns bald mal wieder.
NUR DER FAVAC!