Samstag, 30. Juli 2022

Eine "ur"Meisterschaft ist geplant:

 

Im „Neuen Wiener Tagblatt“ vom 28. März 1897 findet man interessante Notizen: So wird von einer am 26. März 1897 begonnenen „Österreichischen Meisterschaft“ in Prag berichtet, die dort zur Austragung gebracht wird, ebenso von den Bemühungen, einen „Österreichischen Fussballbund“ einzurichten, dem sich alle Mannschaften Cisleithaniens, also der österreichischen Reichshälfte anschliessen wollen. Das bedeutet, dass die Mannschaften aus Prag, nämlich der DFC Prag, Cesky Sculling Cercle, Sparta Praha, Slavia Praha, FC Praha und die „Regatta“ diesem Fussballbund ebenso beitreten wollten, wie die Wiener Mannschaften, also der 1st Vienna FC, Vienna Cricket and Football Club, Rasenspiel Club Austria, die Vindobona, Rasenspiel Club Training, Deutschösterreichischer Turnverein, Wiener Club für Sportliche Spiele „Olympia“ sowie die drei neuen Vereine Germania, DFC Wien und Hungaria. Ob die beiden Grazer Vereine daran teilnehmen wollten, ist ebenso unklar wie die der Vereine aus Schwechat und dem Badner Gymnasium. Der einzige ungarische Verein, Budapesti Torna Club fand keine Erwähnung.


Quelle: ANNO, "Neues Wiener Tagblatt", 28.3.1897


Quelle: ANNO, "Neues Wiener Tagblatt", 30.3.1897

Freitag, 29. Juli 2022

Die Cricketer und Favoriten

 



Eine interessante Verbindung des „Vienna Cricket and Football Club“ zu Favoriten gibt es: 1897 war die Anschrift, an die alle Korrespondenz betreffs Spielausmachungen etc. zu richten ist, an die Adresse von Herrn William Gandon, 10., Sonnwendgasse 13, zu senden. Ebenfalls interessant ist, dass die Patronanz des Vereines dem jeweiligen britischen Botschafter unterlag. 1897 war dies Sir Herold Rumbold, zu dieser Zeit neuer Botschafter des British Empire in Wien.

Heute befindet sich an dieser Adresse ein kombiniertes Wohn- und Bürogebäude, in dem unter anderem die Oberbank Wien, die Bundesfinanzagentur und eine Billafiliale beheimatet ist.


Quelle: ANNO, Neues Wiener Tagblatt, Ausgaben 1897

Budapesti Torna Club

 Im "Neuen Wiener Tagblatt" vom 28. Jänner 1897 wurde unter der Rubrik "Rasenspiele" vermeldet, dass sich beim "Budapesti Torna Club" am 24. Jänner deselben Jahres 40 Sportler zum ersten ungarischen Fussballclub zusammengeschlossen haben. Präsident wurde Karl Isser, Alfred Hajnos-Guttmann zum Sekretär gewählt, zum Kapitän wurde Franz Ray, der in der Schweiz bereits als Fussballer tätig war, ernannt. Die Mannschaft nahm den Namen "1st Hungarian Football Team" an. 



Donnerstag, 28. Juli 2022

Die erste böhmische Meisterschaft

 

Die böhmische Meisterschaft

„Als Behmen noch bei Estrreich wor....!“ sang der unvergessene Heinz Conrads einst sehr gerne. Und es waren die Böhmen, die in Österreich-Ungarn die erste Meisterschaft austrugen. Und zwar 1896. Dieser Ausrichtung ging einiger Streit voran, zunächst schrieb am 10. April 1896 der „Cesky Sculling Cercle, Prag“ eine internationale böhmische Meisterschaft für den Herbst aus, an der alle Mannschaften, die Lust hatten, teilnehmen konnten. In Böhmen waren dies der Fussballclub „Regatta“, der „Deutsche Fussballclub Prag“, Sparta Praha, Slavia Praha, der FC Praha und eben der „Cesky Sculling Cercle“. Interessanterweise nahmen gerade sie und die „Regatta“ letztendlich nicht an der Meisterschaft teil.

Aber gehen wir chronologisch vor:  Am 21. April 1896 bildete sich ein „Comitee zur Abhaltung von Fussballwettspielen“ unter der Patronanz von Fürsten Egon Fürstenberg (der hat wirklich so geheissen) und schrieb eine gesamtösterreichische Meisterschaft aus, also auch mit Mannschaften aus Deutschösterreich. Daneben eine böhmische Meisterschaft und eine Prager Meisterschaft. Dies wiederum stiess dem „Cesky Sculling Cercle“ sauer auf und sie reklamierten das „Prioritätsrecht“ auf Ausschreibung einer böhmischen Meisterschaft am 28. April 1896. Dann tat sich ausser der Kundmachung vom 5. Juni 1896, dass die Meisterschaft von Böhmen durch den Cesky Sculling Cercle bereits intern am 28. März 1896 ausgeschrieben wurde, längere Zeit über nichts. Im Sommer wurde damals kaum Fussball gespielt, Rudern, Tennis, Radfahren sowie der Pferdesport standen im Vordergrund.

Am 16. November 1896 gab es dann endlich im „Neuen Wiener Tagblatt“ die Ankündigung einer böhmischen Meisterschaft, welche von vier Mannschaften (Regatta und Cesky Sculling Cercle nahmen nicht teil) in einem System Jeder gegen Jeden abgehalten werden solle. Die Termine für die Spielpaarungen waren folgende: 15. November, 22. November, 29. November. Gespielt wurde auf der Kaiserwiese in Smichov. Die Spielpaarungen lauteten folgendermassen:

15. November:

DFC Prag – Slavia Praha 4-2

Sparta Praha – FC Praha 6-0

22. November:

DFC Prag – FC Praha 11-0

Sparta Praha – Slavia Praha, nicht stattgefunden, da zwei Spieler der Slavia als Schüler nicht konnten.

29. November:

DFC Prag – Sparta Praha 3-1

Slavia Praha – FC Praha, nicht stattgefunden, da zwei Spieler der Slavia als Schüler nicht konnten.

 

Erster böhmischer Meister wurde der „Deutsche Fussballklub Prag“, der alle Spiele gewinnen konnte.

 

Interessanterweise fand am 23. November 1896 ein Spiel zwischen „Regatta“ und „Cesky Sculling Cercle“ statt, welches die „Regatta“ mit 6-1 gewann. Die damalige Sportpresse wunderte sich, dass der spielstärkste Verein, die „Regatta“ an der Meisterschaft nicht teilnahm, ich konnte jedoch den Grund dafür nicht recht herausfinden.



Quelle: ANNO, Neues Wiener Tagblatt, Ausgaben 1896

Aus der Urzeit des Fussballs

 

Fussballvereine vor 1900 (wird weiter ergänzt):

 


1894:

First Vienna FC (22.8.1894)

Vienna Cricket and Football Club (23.8.1894)

 

1896:

Badner Gymnasium

Schwechater Fussballklub

Rasenspiel Club Austria (17.5.1896)

Wiener Club für sportliche Spiele „Olympia“ 1896

Wiener Fussballclub Vindobona 1896

Deutschösterreichischer Turnverein 1896

Rasenspiel Club „Training“ 1896

Akademisch-Technischer Radfahrklub Graz

Deutscher Fussballclub Prag

Prager Fussballclub „Regatta“

 

Der Wiener Fussballclub „Vindobona“ dürfte am 7. Juni 1896 das erste Spiel gegen den Deutschösterreichischen Turnverein ausgetragen haben, das Ergebnis war 0-4. Drei Tage später spielten sie gegen die Vienna 0-0.

Der Wiener Club für sportliche Spiele „Olympia“ spielte sein erstes Wettspiel gegen den Rasenspiel Club Training am 11. Oktober 1896 auf der Jesuitenwiese genannten Spielstätte nähe der damaligen Sophienbrücke, heute Schlachthausbrücke. Das Ergebnis war 2-0 für Olympia.

Der Rasenspiel Club „Austria“ absolvierte offenbar sein erstes Spiel gegen die zweite Mannschaft der Vienna am 11. Oktober 1896 auf der Hohen Warte (alt) und verlor mit 0-4.





Quelle: ANNO, Neues Wiener Tagblatt, Ausgaben 1896

Alte Rivalitäten müssen gepflegt werden

 

1896 gab es noch nicht so viele Fussballvereine. Da waren natürlich der „Vienna Football and Cricket Club“, der „First Vienna Football Club“, der „Rasenspiel Club Austria“, das „Badner Gymnasium“, der „Schwechater Fussballklub“, der „Akademische Radfahrklub Graz“. Daneben noch der „Regatta Club Prag“, die Budapester Klubs „Magyar Atletikai Club (MAC)“ und der „Budapesti Torna Club (BTC)“.

Trotzdem – oder gerade deswegen – gab es eine große Rivalität zwischen den „Cricketern“ und der „Vienna“.  Es ging um das Wort „First“ im Klubnamen, den die Vienna gewann, weil der damalige Beamte schneller mit der Bearbeitung war. Egal. Das ist ausdiskutiert und Geschichte (auch wenn es einen Verein im Osten Purkersdorfs gibt, der beharrlich versucht, immer älter zu werden).

Die „Cricketer“ rächten sich dafür, dass sie die Vienna jahrelang beharrlich als „Heiligenstädter Fussballclub“ bezeichneten und dies auch in den Zeitungen so publizieren liessen, wie die Artikel aus dem Herbst 1896 belegen. Eigentlich lustig.

Wobei – wie heisst die Vienna eigentlich künftig, nachdem sie mit Red Bull zusammengegangen ist ? Man darf gespannt sein. Mir tuts ja nur um die vielen alten Gesichter auf der HoWa leid, denen wie weiland dem alten Kaiser „auch nix erspart bleibt“.




Dienstag, 26. Juli 2022

Sonntag, 24. Juli 2022

Aus der Serie "Lustige Begebenheiten"

 Düsseldorferinnen aufgepasst: Wenn du vom Fenster aus mit deiner Flinte Spatzen schiessen willst, und dabei versehentlich die Nachbarin beim Wäscheaufhängen umnagelst, ist das ein Unfall. 



Quelle: Neues Wiener Tagblatt, Juli 1896

Freitag, 22. Juli 2022

Historisches

 

Die älteste Austria

 

Am 17. Mai 1896 wurde der „Rasenspielclub Austria“ gegründet. In seiner konstituierenden Sitzung bestimmten die Mitglieder folgende Positionen:

Vorsitzender: Alfred Hronek

Erster Obmann: Johann Schmelzer senior

Zweiter Obmann: Alfred Hronek

Kassier: Joseph Buchmann

Erster Kapitän: Johann Schmelzer junior

Zweiter Kapitän: Franz Andrä

Die Vereinsadresse damals war im 9. Wiener Gemeindebezirk, Nußdorfer Straße 78. Die Spiele wurden (zumindest ab 1900) in Klosterneuburg ausgetragen.




Interessanterweise findet man heute noch Spuren dieses Rasensportclubs - und zwar in den Alpenvereinsseiten. Namen alpiner Schutzhütten: Herrgottschnitzer-Haus, Gutensteiner Alpen (kreiter.info)

    "Herrgottschnitzer-Haus
    828 m, auf dem Wandeck der Hohen Wand mit den Talorten Dreistetten und Waldegg.


    1896 fand sich im 9. Wiener Stadtbezirk eine kleine Gruppe zusammen, die sich zuerst Rasenspiel-Club Austria nannte. Schon bald nach der Gründung verdrängte das Bergsteigen und Wandern den Rasensport völlig. 1904 wurde der Vereinsname geändert und es entstand die Alpine Gesellschaft "D'Herrgottschnitzer"."




Quellen: ANNO (Neues Wiener Tagblatt), Facebook (Wiener Fussballgschichten des 20. Jahrhunderts)

Donnerstag, 21. Juli 2022

Die Ziaglbehm

 

Favoriten ist die Heimat der Ziaglbehm. Im 19. Jahrhundert, als die Stadt wuchs, brauchte man Baumaterial. Ein gewisser Heinrich Drasche (aber auch andere kleinere Fabrikanten) produzierte dieses Baumaterial. Ziegel eben. Und um möglichst viel Gewinn zu machen, holte er sich aus der heutigen Tschechei (die Slowakei war ja ungarisches Kronland) billige Arbeiter. Unter heute unvorstellbaren Bedingungen lebten und arbeiteten diese Menschen, bekamen eigenes Geld bezahlt, mit dem sie nur in den eigenen Geschäften auf dem Gelände der Ziegelfabrik einkaufen konnten und waren überhaupt nur wenig wert. „Hackler“ kommt aus dieser Zeit, das waren jene Menschen, die den Lehm herausgehackt haben, ehe sie – nachdem die „Sandler“, meist Tagelöhner – die Formen mit Sand bestreut hatten (also gesandelt haben) – in den großen Brennereien zu Ziegeln gebrannt wurden. Heinrich Drasche wurde für „seine“ Ziegel geadelt und durfte den kaiserlichen Doppeladler zuwischen seinen Anfangsbuchstaben A und D in die Ziegel brennen. Die „Kaiserziegel“ entstanden, die von 1870 bis 1910 produziert wurden. Drasche selber errichtete sich den Heinrichshof und weitere Bauten, erwarb Ziegelwerke in der gesamten Monarchie, 15 Kohlebergwerke und war überhaupt einer der reichsten Unternehmer Wiens.

Der junge Viktor Adler, später Gründer der Ersten Republik, war der Erste, der die Zustände in Drasches Ziegelwerke anprangerte, erst danach änderten sich die Lebensbedingungen, Favoriten wuchs zum bis heute bevölkerungsstärksten Bezirk an.

Und diese „Ziaglbehm“ waren es auch, die in den 1890er Jahren mit dem Fussballspielen begannen, auf Gstetten oder Marktplätzen wie der Steinmetzwiese. Dutzende Spitzenfussballer der Nachkriegszeit erlernten dort das Spielen und bekamen die Chance, aus ihrem engen Umfeld zu entweichen. Zwei davon, Pepi Uridil von Rapid und der unvergessene Matthias Sindelar brachten es zu Kultstatus.

Viele Vereine entstanden in Favoriten. Der Bezirk wurde zur Kornkammer des Fussballs, wie es Friedrich Torberg nannte, obgleich die ältesten Fussballvereine Wiens aus dem bürgerlichen Milieu entsprangen. Die bekanntesten Vereine waren Rudolfshügel, die Hertha, Slovan (obgleich nicht in Favoriten gegründet), der FC Wien, der FAVAC und viele andere, die wir schon lange vergessen haben.

Heute verbindet man die Austria mit Favoriten und seiner Geschichte, obgleich die Wurzeln der Austria im bürgerlichen Milieu im Prater und Hietzing entstanden sind und sie diese Wurzeln bis heute nicht wirklich abgestreift hat. Aber sie ist halt ein Bundesligaverein, der 1973 den ehemaligen „Tschechischen Herz Platz“ der Slovan übernommen hat.

 

(3) Arbeiterproteste - Gegen eingemauertes Ziegel-Elend - Wiener Zeitung Online

DocPlayer (mitteninhernals.at)

Victor Adler und die Ziegelarbeiter › SPÖ Favoriten (spoe.wien)

Hintergrundtext (orf.at)