Stellt Euch vor,
ihr seid Zugführer, also Lokomotivführer und dampft mit eurer Lok so vor Euch
her und auf einmal landet auf den Schienen ein Heißluftballon. Zack –
überfahren. Glaubt ihr nicht? Ist im Juni 1910 tatsächlich passiert.
Quelle: ANNO
Stellt Euch vor,
ihr seid Zugführer, also Lokomotivführer und dampft mit eurer Lok so vor Euch
her und auf einmal landet auf den Schienen ein Heißluftballon. Zack –
überfahren. Glaubt ihr nicht? Ist im Juni 1910 tatsächlich passiert.
Aufzugswart ist ein gfährlicher Job. Sieht man an dem Unfall, der im Juli
1914 an der damaligen Elisabethpromenade 45, heute Roßauer Lände 45 passiert
ist. Da ölst du ganz unbefangen die Zahnräder des depperten Aufzugs, kommt der
nicht mit Karacho runter und erdrückt dich. Die Feuerwehr hat dann die
Bescherung weggräumt. Das Haus gibts übrigens heute noch, gleich neben der
Station Friedensbrücke. Ob der hundige Lift immer noch derselbe ist, weiß man nicht.
Ich hab den unten beschriebenen Artikel im Onlinearchiv der Nationalbibliothek gefunden (Illustrierte Kronenzeitung 1914) und dementsprechend amüsiert, dass so etwas einen riesigen Artikel hervorruft. Den Artikel findet ihr unter diesem Text.
Nach der Eingabe von "Gaby Deslys" spuckte mir die Suchmaschine aber eine etwas andere, noch interessantere Geschichte aus, die im Austria Forum publiziert wurde. Hier der Link:
GABY
DESLYS | Historisches von Graupp | Essays im Austria-Forum
Kronenzeitung halt!
Damals schon ein Schaß!
Quelle: ANNO
Hedy Nawratil ist eigentlich ein lustiger Name. Dahinter verbarg sich der
Name einer in Europa nicht unbekannten Künstlerin und Artistin. Unter ihrem
Künstlernamen „Gaby Deslys“ (zumindest wird er in dem Artikel so geschrieben)
bezauberte sie nicht nur das Publikum, sondern wurde auch die Geliebte
(Achtung: Halmaspielen) des letzten Königs von Portugal, Manuel II. Er war
weitläufig mit Queen Victoria verwandt. Bei einem Juwelier hat sie sich Schmuck um
mehrere tausend Kronen gekauft und vergessen, den letzten Kauf in der Höhe von
900 Kronen zu bezahlen. Daher suchte man sie mittels Artikel in der
Illustrierten Kronenzeitung. Und damit jeder weiß, wie das Fräulein Nawratil
aussieht, auch gleich mal gezeichnet.
Einen Selbstmordprozeß – es geht um die Verwechslung des Namens des Toten
und damit verbunden die falsche Information an die Witwe als originellen
Schadenersatzanspruch zu betiteln ist auch interessant. In Nagyszombat (Trnava)
hat sich ein Mann mit Veronal vergiftet. So weit so schlecht. Der Hotelier hat
den Namen des Mannes bald parat, leider war es der falsche, wie bei einer
Identitätsfeststellung herauskam. Nun war die Frau natürlich noch besorgter,
weil sie nicht wusste, wo ihr Mann war. Tatsächlich war er inkognito in Nagyszombat
und arbeitete dort. Der Tote schließlich wurde vom Bruder identifiziert. Unklar
bleibt, wie der Hotelier auf den falschen Namen gekommen ist.
Den Wärtern im Tiergarten in Budapest war im Juli 1914 auch ein bisserl zu
heiß unter ihrem Pudel: Damit sich ihr Lieblingselefant „Pista“ von seinem
Rheuma erholen kann, habens ihm einfach auf einen Waggon geladen, in einen
Kurort am Plattensee gebracht (ich glaub es war Heviz, es steht aber nix im
Artikel drinnen) und dort ins Damenbad pritscheln gschickt. Während die Frauen
drinnen waren, natürlich. Ja. Kann man machen. Wer will ned einmal im
Thermalbad neben einem Elefanten schwimmen gehen? Eben.
Die (damalige) Illustrierte Kronenzeitung hat im Juli 1914 etwas bahnbrechendes
verlautbart: „Fröhlich sind die Kinder nur dann, wenn sie sich
gesundheitlich wohl fühlen. Dazu gehört in erster Linie ein guter Stuhlgang.“
Oder auf gut wienerisch: „Kinder gehts scheissn!“ – also liebevoll gemeint.
Heut regt man sich auf, wenn einer das zu den Kindern sagt. Dabei meint er es
eh liebevoll und sorgt sich einfach um die Gsundheit der Gschrappn. Interessant
an dem Artikel is noch, dass es damals „Mineralwasserhandlungen“ gegeben hat.
Also Gschäft, wo ma reingegangen is und gsagt hat: „1 Liter Vöslauer bitte“
oder so halt.
Ihr kennts Eintagsfliegen? Schon oder. Das sind die lästigen Viecher, die einem beim Essen, Schlafen, Halmaspielen etc. stören und die man ned leicht fangen kann. Im Juli 1914 hats in Frankreich ein „Eintagsministerium“ gegeben. Alte Regierung tritt zurück, Präsident (ich erspar die Namen, weil man sie eh nachlesen kann) fragt einen Freund, ob er übernimmt, der sagt, „Na klar“, großer Bahnhof mit Fototermin und so, alles pipifein. Nach der ganzen Chose geht der Freund zum Präsidenten und sagt: „Danke, war leiwand aber ich tritt zurück“. Ja. War übrigens genau am 6. Juli 1914, wo noch nicht klar war, obs Krieg geben wird oder nicht. Einen Monat später hat die halbe Welt miteinander grauft. Endergebnis: 10 Millionen Tote, 50 Millionen Versehrte. Übrigens sind in dem Krieg in Österreich/Europa mehr Pferde getötet worden, nämlich 16 Millionen als Menschen. Und das is bei den Kriegsverlusten von 1,1 Millionen armer Teufel eine Leistung.
Neurotiker hats immer schon gegeben. Auch in Frankreich. Da trifft a
19jähriger a 16jährige, beide beschliessen Halma zu spielen (Achtung: Codewort
Geliebte) und weil ihnen fad in der Birn is und das Leben ihnen nix bieten kann
– keine Ahnung was das wieder für ein Code is – haun sie sich aneinander
gefesselt vor den Zug. Sie überlebt, er ned. Die Zeitung hat aber a schönes
Bild gmalt. Man beachte den aparten Totenschädl zwischen den Porträts. Gar ned
morbid.