Freitag, 19. August 2022

Was die alten Zeitungen so schreiben....

 

Fussballhistorie:

Im „Illustrierten österreichischen Sportblatt“ wurde in der Rubrik „Fussballsportliche Gedenktage“ geschrieben, dass das erste Mal, dass es in Wien Tornetze (die 1890 erstmals in Liverpool zur Verwendung kamen) beim Spiel Cricketer – AC Viktoria am 8.3.1898 gab. Leider spielten die Cricketer an diesem Tag überhaupt nicht, sie spielten am 7.3.1898 gegen den Sportclub „Training“ und gewannen 1-0. Besagtes Spiel der Cricketer gegen den AC Victoria (das c wurde erst später vom k abgelöst) fand am 6.3.1898 statt, die Cricketer siegten damals mit 4-0.







Anmerkung: das oben publizierte erste Spiel einer englischen Mannschaft gegen ein Wiener Team am 3.4.1899 stimmt zwar, es gab am Tag davor allerdings noch ein Spiel gegen eine reine österreichische, sprich Wiener Mannschaft, die die Engländer mit 15:0 gewannen. Beim erwähnten "Wiener Team" spielten auch die Wiener Engländer aus den Vereinen mit. 



Quelle: ANNO, "NWT", Ausgaben 1898 u 1899, "Illustr. öst. Sportblatt", Ausgabe 1919

Montag, 15. August 2022

Budapester Stadien

 Im Mai 1899 berichtete das "Neue Wiener Tagblatt" von der geplanten Errichtung eines zweiten Sportplatzes in der Csömöri ut im heutigen 14. Budapester Bezirk. Diesen Sportplatz, in kleinerer Form, gibt es (soweit ich es herausfinden konnte) noch heute, dort hat der MTK seinen "Michael Lantos" Sportkomplex. Ebenso wie der erste Sportplatz in Budapest, auf dem Fussball gespielt wird, der Millenaris Rennbahn, 1896 zur Tausendjahrfeier Ungarns entstanden. Gleich daneben ist das ehemalige Nepstadion (heute: Ferenc Puskas Stadion) beheimatet.

Im Gegensatz dazu sind die ersten beiden Plätze in Wien, die Jesuitenwiese und der WAC Platz nicht mehr oder nicht mehr in der ursprünglichen Verwendung vorhanden. Ebenso wenig die Forstwiese bei der Schlachthausbrücke oder die Exercierfelder Schmelz bzw. Klosterneuburg. Auch der im Überschwemmungsgebiet gelegene Platz nähe Handelskai existiert schon lange nicht mehr.




Quellen: ANNO, "Neues Wiener Tagblatt", 10.5.1899, Google Maps

Sonntag, 14. August 2022

Die Allerallererste Austria


Die älteste Austria

 

Am 17. Mai 1896 wurde der „Rasenspielclub Austria“ gegründet. In seiner konstituierenden Sitzung bestimmten die Mitglieder folgende Positionen:

Vorsitzender: Alfred Hronek

Erster Obmann: Johann Schmelzer senior

Zweiter Obmann: Alfred Hronek

Kassier: Joseph Buchmann

Erster Kapitän: Johann Schmelzer junior

Zweiter Kapitän: Franz Andrä

Die Vereinsadresse damals war im 9. Wiener Gemeindebezirk, Nußdorfer Straße 78. Von 1896 bis 1898 absolvierte der Rasenspielclub Austria viele Wettspiele, ehe er – zumindest was die Erwähnung in den Zeitungen betrifft – 1899 vollkommen verschwand. Bereits Ende März 1898 hat sich dieses Zurückziehen angekündigt, da in einer Austrittswelle viele Spieler den Verein verliessen. Wenn man den Einträgen in sozialen Netzwerken glauben kann, so wurde der Verein 1904 in „Alpinverein D‘ Hergottschnitzer“ umbenannt, den es noch heute gibt. Namen alpiner Schutzhütten: Herrgottschnitzer-Haus, Gutensteiner Alpen (kreiter.info) Somit gibt es den Rasenspielclub Austria in anderer Form noch heute. Der Sportplatz war das „Exercierfeld Klosterneuburg“ in Klosterneuburg Weidling, wo sie ihre Heimspiele austrugen.

Nachgewiesene Spiele:

11.10.1896: Wiener Fussballclub – Rasenspielclub Austria 4-0

14.3.1897: Rasenspielclub Training – Rasenspielclub Austria 8-0

28.3.1897: Sportclub Hungaria – Rasenspielclub Austria 0-2

4.4.1897: Sportclub Hungaria – Rasenspielclub Austria 1-3

25.4.1897: FC Vindobona – Rasenspielclub Austria 2-4

23.5.1897: Rasenspielclub Training – Rasenspielclub Austria 2-1

7.11.1897: Sportclub Hungaria – Rasenspielclub Austria 4-2

28.11.1897: Rasenspielclub Austria – Sportclub Hungaria (Ergebnis unbekannt)

5.12.1897: Rasenspielclub Training – Rasenspielclub Austria (Ergebnis unbekannt)

8.12.1897: Vienna Cricket and Football Club II. – Rasenspielclub Austria 4-1

17.4.1898: Vienna II. – Rasenspielclub Austria 6-0

15.5.1898: Rasenspielclub Austria – Vindobona 0-3

9.10.1898: Vienna – Rasenspielclub Austria (Ergebnis unbekannt)

Insgesamt dürfte der Rasensportclub Austria in seiner aktiven Zeit 13 nachgewiesene Spiele absolviert haben, davon 3 gewonnen haben, bei 3 Spielen gibt es kein nachgewiesenes Ergebnis, während der Rest der Spiele verloren wurde. Allerdings – und das ist im Gegensatz zu vielen anderen jungen Vereinen gab es nur eine hohe Niederlage, nämlich jene gegen den Rasenspielclub Training mit 0-8. Trotzdem stellte die Fussballsektion des Rasenspielclubs Austria ihren Spielbetrieb Anfang 1899 ganz offenbar ein, 1904 folgte dann die beschriebene Umbenennung.





Quellen: ANNO "Neues Wiener Tagblatt", Google Suche

Samstag, 13. August 2022

 Mit der 15. Runde beginnt unser Weg in diese Saison: Favoritner AC gegen Dinamo Helfort, eigentlich ein Klassiker. Beide Vereine, also der FAVAC und die originale Helfort sind im selben Jahr - 1910 - gegründet worden, beide kommen aus Arbeiterbezirken, einmal unser Favoriten und andererseits aus Ottakring. Und beide Vereine spielen seit 1921 auf ein und denselben Platz. 

Das war es aber mit den Gemeinsamkeiten, am Rasen dominierte der FAVAC in der ersten Halbzeit klar und konnte viele schöne Spielzüge ausführen, Helfort hatte in dieser Phase nicht viel dagegenzusetzen. Nach der Pause - der FAVAC führte mittlerweile 3-0 - hatte das Schiedsrichtertrio seinen großen Auftritt, indem es die Partie unnötig verpfiff und den Spielfluss der Heimischen unterbrach. Helfort kam noch auf 2-3 heran, Trainer Kadir erhielt einen Platzverweis und so dauerte das Spiel insgesamt 97 Minuten, wobei der Schiri da wohl auch seine "Gedenkminuten" einberechnete. Wem oder was er gedachte ist nicht überliefert. Egal. Die ersten drei Punkte sind eingefahren. So kanns weitergehen.












Ein wenig etwas zu unserem Gegner:

Der SV "Dinamo" Helfort wurde wie schon erwähnt 1910 gegründet, über seine Namensschöpfung herrscht einiges Rätselraten. Eine Geschichte drehte sich darum, dass das im Deutsch-Französischen Krieg unneinehmbare französische Fort "Belfort" der Namensgeber ist, wobei unklar ist, wie das B in ein H umgewandelt wurde, eine weitere vermutet einen der Gründer, Alois Helfert als den eigentlichen Namensgeber. Wie auch immer, lustig sind beide Geschichten. Helfort übernahm 1921 den SC Transvaal Platz in der Kendlerstrasse, auf dem er noch immer spielt. Einmal, in der Saison 1945/46 war die Helfort erstklassig, mehrmals zweit- und drittklassig, nun sind sie in der Wiener Stadtliga verankert. 


Hier noch ein Bild der Mannschaft von 1912 nach einem Freundschaftsspiel mit dem Szombathely FC.

Quelle: ANNO "Illustrierte österreichische Sportzeitung"



Freitag, 12. August 2022

Das erste in Zeitungen vermerkte Niederösterreichische Derby

 Am 12. April 1899 vermerkte das "Neue Wiener Tagblatt" ein niederösterreichisches Derby (im heutigen Sinne gemeint, damals war Wien ja noch die Hauptstadt von Niederösterreich), nämlich zwischen der Badener Sektion der Vienna 2. Mannschaft und dem Mödlinger Fussballclub in Baden. Das Spiel ging mit 4-2 an die Badener.


Quelle: ANNO, "Neues Wiener Tagblatt"


Wien gegen Prag 1896 - 1898


 

Alte österreichische Vereine

 

Fussballvereine vor 1900 (wird weiter ergänzt, manche Daten sind tatsächliche Gründungsdaten, andere beziehen sich auf die erstmalige Nennung des Vereinsnamens in der Zeitung):

 

1894:

First Vienna FC (22.8.1894)

Vienna Cricket and Football Club (23.8.1894)

 

1896:

Badner Gymnasium

Schwechater Fussballklub

Rasenspiel Club Austria (17.5.1896)

Wiener Club für sportliche Spiele „Olympia“ 1896 – aufgelöst 24.4.1898

Wiener Fussballclub Vindobona 1896 – fusioniert 1899 mit Training

Deutschösterreichischer Turnverein – aufgelöst am 17.9.1898, siehe unten

Rasenspiel Club „Training“ (9.1.1896) Fusion mit Vindobona am 19.3.1899

Akademisch-Technischer Radfahrklub Graz

Deutscher Fussballclub Prag 

Prager Fussballclub „Regatta“, 

beide vermutlich schon vor 1892 fussballerisch aktiv und damit die damals ältesten Vereine Österreichs(-Ungarns). Bei der Regatta werden in der Vereinschronik fussballerische Aktivitäten in den 1880er Jahren angegeben, weiterführende Unterlagen konnte ich nicht finden.

 

1897:

Deutscher Fussballclub Wien (1.3.1897) – aufgelöst April 1898

Hungaria Wien (5.3.1897) – 1898 aufgelöst und in Victoria Wien aufgegangen

Germania Wien (14.2.1897)

Fussballclub deutscher Hochschüler in Wien (22.4.1897)

Erster Wiener Neustädter Fussballclub (26.5.1897)

Schwechater Turnverein (1897)

Wiener Athletik Club (9.10.1897), offiziell 24.10.1897

Budapesti Torna Club (24.1.1897)

 

1898:

Victoria Wien (29.1.1898)

Erster Wiener Arbeitersport Club (5.5.1898)

Fussballclub Vorwärts Wien (1898)

Dt-Österr. Spielvereinigung (18.9.1898) – aufgelöst am 24.9.1898

Wiener Fussballclub von 1898 (24.9.1898), direkter Nachfolger der Spielvereinigung (Umbenennung)

Sport und Geselligkeitsverein „Union“ (4.10.1898)

Sportfreunde Wien (10.10. 1898)

FC Baden (1898)

Sportclub „Columbia“ (?) (1898)

 

1899:

Mödlinger FC (4.3.1899)

Währinger Bicycle Club (5.3.1899)

Wiener Herrenfahrer (?)

Grazer FC (12.3.1899)

Fussballclub Reichenberg (12.3.1899)

Donnerstag, 11. August 2022

Böhmen gegen Wien

 Am 12. März 1899 spielte die Wiener Mannschaft, die für die im April 1899 stattfindenden Spiele gegen Oxford gebildet worden war gegen eine böhmische (Prager) Auswahl der "Böhmischen Amateur Union" (Cesky Amateurska Atleticka). Das Spiel endete 2-2 unentschieden. 



Quelle: ANNO, "Neues Wiener Tagblatt", 13. März 1899


Engländer in Wien

 Am 28. Jänner 1899 berichtet das "Neue Wiener Tagblatt" von einem geplanten Spiel einer Mannschaft aus Oxford gegen Mannschaften in Wien. Zwei Wochen später wurden die Termine bekanntgegeben: 1.,2. und 3. April 1899 in Wien.





Quelle: ANNO, "Neues Wiener Tagblatt", Ausgaben Jänner/Februar 1899

Montag, 8. August 2022

Starthilfe beim Fussball

 Am 24. November 1898 berichtet das "Neue Wiener Tagblatt" in einer kleinen Kolumne vom Fortschreiten des Fussballs in Budapest. Dabei wird nicht vergessen zu erwähnen, dass es gerade der "Vienna Cricket and Football Club" war, der hierbei großen Eindruck bei seinen Gastspielen in den Jahren 1897 und 1898 - beide Male gegen den ältesten ungarischen Fussballverein, den "Budapesti Torna Club" hinterlassen hat. 

Budapest hing mit dem Verbreiten des Fussballsportes einige Jahre hinten nach, die beiden ältesten Vereine sind der am 7. Februar 1897 gegründete "Budapesti Torna Club" und der am 1. November 1897 offiziell gegründete "Müegyetemi Football Club", als der Verein des Budapester Polytechnikums. Während der BTC eine Sektion des Gesamtvereines war (dieser wurde am 29. mai 1885 gegründet). Der BTC löste seine Fussballsektion bereits 1926 aus (mittlerweile wiedergegründet), während es den MAFC, wie die Rotschwarzen abgekürzt heissen noch heute gibt. Das erste zwischen ungarischen Mannschaften gespielte Fussballspiel in Budapest fand zwischen diesen beiden Mannschaften statt. Dieses soll einen Tag vor der behördlichen Genehmigung am 30. Oktober 1897 auf dem Millenaris-Sportplatz stattgefunden haben und mit 5-0 für den BTC ausgeganen sein. 

Der BTC hatte auch mit Miltiades Manno seinen ersten Superstar und erreichte 1901/02 das Finale des Challenge Cups, den er am 19. Mai 1902 wiederum gegen die Cricketer verlor. Angeblich, so sagt die Überlieferung, gewann der BTC den Challenge Cup 1909/1910 gegen den Wiener Sportclub, leider gibt es keine Aufzeichnungen darüber. 



Mit der Einführung der ungarischen (Budapester) Meisterschaft 1901 hatte der BTC seine grösste Zeit, er gewann die ersten beiden Meisterschaften 1901 und 1902. 

Der MAFC wiederum war in den Anfangszeiten federführend im Universitätssport. Nicht nur Fussball, sondern auch andere Sportarten wurden von Ihnen gefördert und im ganzen ungarischen Königreich verbreitet. Der MAFC nahm an der ersten Meisterschaft 1901 teil und wurde Dritter. Leider war er immer ein Fahrstuhlverein und verbrachte nur insgesamt 5 Saisonen in der ersten ungarischen Liga, zuletzt 1922. Interessant ist auch, dass er aus dem Profiverband 1924 ausstieg und seitdem nur mehr im Amateurbereich, derzeit in der Verbandsliga Budapest, spielt. 




Auf den Fotos sieht man die ersten beiden Mannschaften der Vereine. 


Quelle: ANNO, "Neues Wiener Tagblatt", MAFC Kronika, Wikipedia