Montag, 8. Juni 2026

Vom berühmtesten rotschwarzen Verein Wiens vor dem Ersten Weltkrieg

Der Wiener Athletik Club, kurz WAC genannt wurde im November 1896 mit den Vereinsfarben Rot und Schwarz gegründet, die Fussballsektion nahm am 14. November 1897 ihren Spielbetrieb auf. Von Anfang an war er einer der drei großen Fussballvereine neben den Cricketern und der Vienna. Den von 1900 bis 1904 ausgetragenen "Tagblattpokal" (1903/04 wurde nicht fertig gespielt) konnte er sich dreimal in Folge sichern. Leider erkennt der ÖFB diese Meisterschaft nicht an (die Länderspiele lustigerweise schon) und so kann sich Rapid Wien als ersten Meister von Österreich/Wien feiern lassen. 


In der Wiener Presse stellte der WAC im Frühjahr stolz seine Wettspielbilanz seit Bestehen aus und machte damit Werbung für den Verein. Warum sie das nötig hatten ist leicht erklärt: Im Herbst 1910 verließen fast die Hälfte der Spieler den WAC und gründeten den WAF, den Wiener Assoziations Fussballverein. Daher diese Werbemaßnahme des WACs. Er besitzt (bis heute) den ältesten bestehenden Fussballplatz (der heute nicht mehr genutzt wird) und spielte im Frühjahr 1911 zum ersten Mal gegen die "Abtrünnigen" des WAF. Und dieses Spiel ging in die Geschichtsbücher ein (also falls es jemals welche geben sollte), denn der WAF schlug den WAC auf eigenem Platz mit 12-1. Richtig gelesen: 12-1Welche Erbitterung die Rotschwarzen danach ergriff kann man sich vorstellen. 


Ehrenpräsident des WAC wurde im Jahre 1911 seine Durchlaucht Max Egon Fürst zu Fürstenberg. Eigentlich ein komischer Name, denn woher soll ein Fürst sonst kommen? Natürlich vom Fürstenberg. Egal. Wird wohl irgend ein Nest in Böhmen gewesen sein, ich hab nicht nachgeschaut weils mich genauso interessiert wie Bauerngolf in Gramatneusiedl. 



Lustiges aus der KuK Monarchie

Wisst ihr eigentlich, was "Schwedische Gymnastik" ist? Vermutlich nix Schweinisches, wie ihr wieder angenommen habt sondern irgend eine komische Form von Gymnastik. 1911 wurde diese Gymnastik angeboten:  


Vielleicht hat man diese "schwedische Gymnastik" ja auch mit diesen komischen Mützen gemacht, die ausschauen, als ob man sich an kaputtn Fussball aufgsetzt hätt. Also ich wär damit nicht aus dem Haus gegangen, da hätt mich wohl jeder entgegenkommende Passant abgwatscht. Dürfte damals aber der letzte Schrei gewesen sein:


Im Apollotheater fand damals übrigens auch eine große Revue mit dem Namen "Hurra wir leben noch!" statt, der ein sogenanntes "lebendes Bild" voranging. Diese Art von Amüsement war damals hochbeliebt, junge Herren stellten historische Bilder nach. Frauen waren nicht erlaubt, die Frauenrollen wurden damals von jungen, femininen Männern übernommen. Spekulationen warum überlass ich eurer schmutzigen Fantasie:


Das Bild sieht übrigens so aus. Jetzt dürfts schweinigln:



Olympische Spiele vor dem 1. Weltkrieg

Im Sommer 1912 fanden die Olympischen Spiele in Stockholm, genauer gesagt in Djurgarden statt. Vom 29. Juni bis 4, Juli spielten dort 11 Mannschaften um den von der britischen Football Association gestifteten Pokal. Sieger wurde erwartungsgemäß England (Großbritannien), die Dänemark mit 4-2 schlugen. Beeindruckend an diesen Spielen war das neu gebaute Stadion, welches für damalige Zeiten ein Meilenstein war. Djurgarden oder auf deutsch "Tiergarten" ist eine Insel im Stockholmer Schärengebiet. Bekannt ist die Insel für sein Stadion, den Tiergarten und natürlich für Djurgardens IF 1891. Auch das Skansen, in dem sich die berühmte "Wasa" befindet ist dort situiert. Das Olympiastadion, lange von Djurgardens IF genutzt war nicht nur Schauplatz der Olympiade 1912 sondern auch - man höre und staune - der Reitbewerbe der Olympiade 1956. Diese fand in Melbourne statt. Wenn ihr euch jetzt fragt: "Hä? Is der ein bisserl deppert? Melbourne is in Australien!" - sage ich "Richtig, ABER: aufgrund der strengen Quarantänebestimmung konnten die Hafermotoren nicht nach Australien einreisen, ergo wurde ein Ersatzort gesucht." In Stockholm wurde er gefunden. Klingt komisch, ist aber so. 


Bei diesem Turnier gab es das zweithöchste je erzielte Endergebnis, damals schlug die Deutsche Nationalmannschaft jene von Rußland mit 16-0. Die beiden Mannschaften wurden vor Spielbeginn noch für die Ewigkeit abgelichtet:




Makkabi Krakau

 Im Jahre 1913 vermeldeten die Blätter, also eigentlich das Österreichische (Illustrierte) Sportblatt stolz, dass der Fussballverein Makkabi Krakau, 1909 gegründet, sein eigenes Sportzentrum mit Fussballplatz bekommen hat. Er stand in dauernder Rivalität zum anderen jüdischen Verein, Jutrzenka und spielte in der Krakauer Meisterschaft, die er 1921 gewinnen konnte. Als Allsportenverein waren vor allem seine Wasserballer von 1928 bis 1932 fünfmal Landesmeister. Nach der deutschen Invasion wurde der Verein verboten. 



Poszonyi Ujvarosi LE

 


Der Verein Poszonyi Ujvarosi LE wurde 1906 (die Fussballsektion) gegründet und spielte von 1907 bis zu seiner Auflösung 1921 in der Komitatsliga Poszonyi, heute Bratislava. Der Gesamtturnverein wurde 1880 gegründet und 1945 verboten. Poszonyi Ujvarosi spielte in der Liga nie eine herausragende Rolle, der beste damalige Verein war Poszonyi TE, heute Artmedia Petrzalka. Ich habe - ausser einigen Tabellen dieser Meisterschaft - nicht wirklich viel Historisches finden können, da fast alle ungarischen Archive kostenpflichtig sind und ich ehrlich gesagt keine Lust habe, wegen dieser Recherche irgendwelche Abos in MagyaROSZag abzuschließen. "Rosz" heisst übersetzt soviel wie schlecht oder oasch das kommt auf den Kontext an. Hm. Hoffentlich wirds jetzt ein bischen besser als unter der Putinpuppe. Ein Komitat war übrigens so etwas wie eine Gespanschaft. Heute hat Ungarn 19 Komitate, Großungarn hatte 64. 

I – Komitat Pressburg / Pozsony – Abzeichen


Endlich der erste Fussballplatz

 Notizen und Berichtssplitter vom Fussballplatz des Fav ASC, heute Fav AC.

 

Am 11. Mai 1912 erhielt der Fussballplatz auf der Steinmetzwiese/Gudrunstraße, der Eingang war bei der Steinmetzwiese seine Zulassung und zu Pfingsten 1912 veranstaltete der Fav ASC das erste Turnier. Sein erstes aus Zeitungen herauszulesendes Spiel war jenes am 2. Juni 1912 gegen den damals ungarischen Verein Poszonyi Ujvarosi. Das Spiel endete 1-1. Dies setzte sich den ganzen Sommer 1912 fort. Einige dieser Berichtssplitter sind nachfolgend aufgelistet:
















Sonntag, 7. Juni 2026

Der WAF in München

 

Kennt ihr den FC Bayern? Klar, oder? Jener in Deutschland vollkommen unbeliebte Verein, der Serienmeister wird und auch sonst irgendwie nicht in diese Liga passt, zu klein um im EC immer eine dominierende Rolle einzunehmen, „to big for Germany“ wie ein ehemaliger Finanzminister sagen würde. Also gut, diesen Verein meine ich. Würde er heute gegen einen österreichischen Verein spielen wäre das Endergebnis wohl voraussehbar. Am 4. Jänner 1913 aber reiste der WAF (Wiener Assoziations Fussballclub, heute WAF-Brigittenau) mal eben kurz nach München und schlug den FC Bayern mit 2-0. Heute spielt Bayern international und der WAF ist in der Stadtliga. Tja, so kanns gehen.



GAK

 Der GAK (damals noch GAC) hat die Herbstsaison 1912 einigermaßen erfolgreich abgeschlossen und bewiesen, dass er mit den Wiener Vereinen mithalten konnte. Hier ein kleiner Artikel:





Skandal in Döbeling, Skandal in Döbeling, Skandal um Hansi!

 

In der Saison 1912/1913 überschattete ein Skandal den Wiener Fussball: der bei der Vienna unter Vertrag stehende Hans Schwarz soll vom Verein professionell für sein Wirken bezahlt worden sein. Das ist aber noch nicht die ganze Geschichte, denn als der WAF diesen Spieler quasi „kaperte“ (wie man damals so schön sagte), zeigte die Vienna den Spieler dann an. Aber lest selber:







Freud und Leid bei den Vereinen

 


Der Nussdorfer AC, 1907 gegründet war im Winter 1913 auf der Suche nach einem neuen Fussballplatz, nachdem der erste Platz (etwa auf Höhe des heutigen Bades) verloren gegangen ist. In mehreren Artikelchen wird darüber berichtet. Interessanterweise wurde genau in dieser Zeit auch eine Anzeige geschaltet, wonach man Sponsoren für die Errichtung eines neuen Fussballplatzes sucht. Ob beides miteinander zusammenhängt ist unbekannt, der NAC bekam 1914 seinen heutigen Platz in der Grinzinger Straße 111.





Mannschaften zu Beginn der Meisterschaften

 In der ersten (niederösterreichischen) Meisterschaft traten viele Mannschaften an, die es heute so nicht mehr gibt oder die sich mit anderen Mannschaften im Laufe der Zeit fusionierten. Hier einige davon: 







Interessant auch die Modalität des Auf- und Abstieges in die verschiedenen Klassen, vor allem jene in die höchste Spielklasse: